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Bei Prostatakrebs umfassend betreut

Prostatakrebszentrum am UKSH Kiel Bei Prostatakrebs umfassend betreut

Das durch die Deutsche Krebsgesellschaft zertifizierte Prostatakrebszentrum am UKSH Kiel stellt seinen Patienten die neuesten Diagnose- und Therapieverfahren zur Verfügung. Dazu gehört auch die hochmoderne roboterassistierte da Vinci®-Chirurgie.

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Mit etwa 68.000 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland ist das Prostatakarzinom die häufigste Krebserkrankung des Mannes. Das Prostatakrebszentrum UKSH Kiel hat sich verpflichtet, seinen Patienten möglichst schonende und präzise Methoden für die Erkennung und Behandlung dieser Erkrankung anzubieten. Dabei werden die neuesten Technologien und Verfahren angewendet und gleichzeitig weiter geforscht, um die Behandlung für Patienten mit einem neu erkannten oder auch wiederaufgetretenen Prostatakrebs weiter optimieren zu können. 

Diagnose
Vertrauten die meisten Urologen bisher auf den PSA-Wert und die Tastuntersuchung zur Entdeckung des Prostatakarzinoms, werden zunehmend Technologien eingesetzt, die eine verlässliche Darstellung von Tumorarealen der Prostata ermöglichen. Hier wird, neben modernen Ultraschallverfahren (Elastographie, C-TRUS und HistoScanning), vor allem die Magnetresonanz- Tomographie (MRT) in der Diagnostik eingesetzt. Die Zusammenführung der individuellen Bildgebung mit einer gezielten Probenentnahme aus der Prostata (Fusionsbiopsie) erlaubt es, kontrolliert und millimetergenau auffällige und tumorverdächtige Bereiche in der Prostata zu detektieren. Damit ist eine zunehmende Sicherheit für den Patienten durch die verlässliche Erfassung von relevanten Gewebeveränderungen erzielbar. Zunehmende Sicherheit gewährt darüber hinaus die minimal-invasive perineale Prostatabiopsie. Aktuell sind meist weniger als sieben winzige Einstiche im Dammbereich notwendig, um bis zu 18 Gewebeproben gewinnen zu können. 

Behandlungsmöglichkeiten
Insbesondere im früh erkannten Krankheitsstadium ist das Prostatakarzinom heilbar. In einigen Fällen ist eine Therapie sogar zunächst gar nicht erforderlich, wenn eine sehr günstige Prognose besteht. Der Krankheitsverlauf wird bei diesen Patienten regelmäßig kontrolliert (sog. „aktive Überwachung“) und eine Behandlung erfolgt erst bei einem Voranschreiten der Erkrankung. „Wir besprechen mit all unseren Patienten alle Therapieoptionen und diskutieren diese auch in einem interdisziplinären Tumorboard, damit wir für jeden einzelnen Patienten das für ihn am besten geeignete Therapieverfahren anbieten können“, so PD Dr. Naumann, leitender Oberarzt der Urologie und Koordinator des Prostatakrebszentrums. „Dabei spielt der Wunsch des Patienten natürlich eine entscheidende Rolle.“ 

Hervorzuheben sind unter den zukunftsweisenden Therapiemöglichkeiten minimal-invasive Operationen mit dem da Vinci-Chirurgiesystem, welches über Forschungsgelder und Spenden finanziert wurde und in Kiel für die Patienten, im Gegensatz zu anderen Kliniken, zuzahlungsfrei eingesetzt werden kann. Mittlerweile konnte durch die Gründung des Kurt-Semm-Zentrums für laparoskopische und roboterassistierte Chirurgie und die damit einhergehende fächerübergreifende Nutzung am Campus Kiel ein zweites dieser hochmodernen Geräte angeschafft werden (siehe Interview unten). 

Roboterassistierte da Vinci-Chirurgie
Beim roboterassistierten Operieren mit dem  da Vinci-System steht der Chirurg nicht direkt am Operationstisch, sondern steuert die Instrumente von einer Konsole aus, die sich mit im OP-Saal befindet. Computergesteuert werden die Handbewegungen des Operateurs präzise auf die Spezialinstrumente übertragen, die sich an vier Roboterarmen im Körper des Patienten befinden (siehe Abbildungen). 

Das Verfahren vereint alle Vorteile der minimal-invasiven Schlüssellochchirurgie und des offenen Operierens: Dreidimensionale Sicht, 10-fache Vergrößerung des Operationsgebietes, blutarmes Operieren, kleine Schnitte und schnelle Erholung des Patienten sowie den Erhalt seiner Kontinenz und Potenz. „Das Verfahren ermöglicht maximale chirurgische Präzision auch, weil Handbewegungen des Chirurgen durch das computergestützte System verfeinert und über die Roboterarme in feinste und völlig zitterfreie Bewegungen umgesetzt werden“, erklärt PD Dr. Naumann.  

Behandlungsformen des Tumorrezidivs 

Steigt der PSA-Wert nach operativer Entfernung oder Bestrahlung der Prostata wieder an, liegt meistens ein noch nicht sichtbarer Rückfall (Rezidiv) vor; in diesen Fällen kann eine prophylaktische Bestrahlung der Prostataloge das Rezidiv meistens langfristig beherrschen. Seit 2004 hält die urologische Klinik als ergänzende therapeutische Option für Patienten mit PSA-Progress, der als Folge einer Lymphknotenmetastasierung auftritt, die Salvage-Lymphknotenentfernung vor (Salvage ausgedehnte pelvine und retroperitoneale Lymphadenektomie, eSPLND). Sie wird heute in Kiel ebenfalls roboterassistiert mit dem da Vinci-System durchgeführt. 

Das Verfahren wird nach den folgenden Prinzipien durchgeführt: 1. Bildgebung in Form eines PSMA PET/CTs, um mögliche Lymphknoten-Metastasen darzustellen, 2. zusätzlich Durchführung einer Knochenszintigraphie, um mögliche Knochenmetastasen zu detektieren. Sollten Knochenmetastasen erkennbar sein, wird in der Regel keine Salvage- Operation durchgeführt. 3. Bei Lymphknotenbefall ohne Knochenmetastasen führen die Kieler Chirurgen eine Salvage-Lymphknotenentfernung durch. 

Diese erfolgt nach dem in der Klinik für Urologie entwickelten „Kiel Template“- OP-Verfahren. Das bedeutet, dass die bei der OP zu entfernenden Areale fest definiert sind. Studien zu dieser OP zeigen die folgenden Ergebnisse: In einem Zeitraum von 5 Jahren erreichten 68,9 Prozent der in Kiel salvage operierten Patienten nicht nur einen PSA-Abfall, sondern einen PSA-Dauerabfall (BCRF – biochemical recurrence freedom). Über 80% dieser Patienten überlebten trotz ihrer fortgeschrittenen und metastasierten Erkrankung. Oberarzt Dr. Osmonov, der intensiv zu diesem Thema forscht und das Verfahren der ausgedehnten Lymphknotenentfernung mit entwickelt hat, betont: „Eines der wichtigsten Ergebnisse liegt in der Erkenntnis, dass 53,3 Prozent der Patienten, bei denen vormals eine antihormonelle Therapie versagte, nach der eSPLND erneut auf eine Therapie ansprachen. Dennoch ist zu beachten, dass die Salvage-Chirurgie nur in Zentren mit hohen Fallzahlen durchgeführt werden sollte und eine überdurchschnittliche Expertise in der abdominalen Chirurgie erfordert.“ 

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