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Gesundheitswesen aktuell Da Vinci Operationstechnik bei Prostata- und Nierenkrebs robotergestütztes OP-System garantiert größtmögliche Präzision
Hilfe Gesundheitswesen aktuell Da Vinci Operationstechnik bei Prostata- und Nierenkrebs robotergestütztes OP-System garantiert größtmögliche Präzision
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14:44 11.04.2014
Chirurgische Konsole: Das computerunterstützte System verfeinert die Handbewegungen des Chirurgen, kleinste Bewegungen werden auf winzige Instrumente im Körper des Patienten übertragen.
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Das Gerät ist keinesfalls ein selbstständig agierender Roboter, sondern es arbeitet nach dem sog. „Master-Slave-Prinzip.“ Dabei sitzt der Chirurg, d. h. der „Master“, an einer Konsole, etwas entfernt vom Operationstisch. Über zwei Bedienelemente für Daumen- und Mittelfinger der rechten und linken Hand steuert er die Instrumente, welche sich an speziellen Roboterarmen im Körper des Patienten befinden (siehe Abb.).

„Präzise, schonend und innovativ“, so charakterisiert Prof. Jünemann, Direktor der Klinik für Urologie und Kinderurologie, das Verfahren. Und ist sicher: „Mit der roboterassistierten Chirurgie wird am UKSH in Kiel ein ganz neues Kapitel aufgeschlagen.“ Das neue OP-System ist die modernste Entwicklung auf dem Gebiet der minimal-invasiven Chirurgie. In deutschen Kliniken gab es Ende 2012 erst 61 dieser Geräte, in den USA hingegen werden bereits ca. drei von vier Eingriffen bei Prostatakrebs mit da Vinci durchgeführt.

Chirurgische Entwicklung hat Kieler Wurzeln
Der Kieler Gynäkologe Prof. Kurt Semm hat im 20. Jahrhundert die Entwicklung der Chirurgie maßgeblich beeinflusst. Er gilt als Begründer der Laparoskopie, d. h. der schonenden Bauchspiegelungsoperation, und führte Anfang der 1980er Jahre die weltweit erste laparoskopische Blinddarmentfernung durch. Damit ging die Tendenz weg vom offenen Operieren und hin zur schonenden minimal-invasiven Chirurgie. Wie bei der herkömmlichen Laparoskopie werden auch die da Vinci-Instrumente über kleinste Schnitte in den Bauchraum eingeführt. Darüber hinaus bietet das neue Operationssystem jedoch gleich mehrere Vorteile bzw. Innovationen: Durch die moderne Technologie bleiben die Fingerfertigkeit, die Präzision und die instinktiven Bewegungen offener chirurgischer Eingriffe erhalten. Der Chirurg sieht das Operationsfeld dreidimensional und mehrfach vergrößert, zudem erlaubt das von ihm gesteuerte Instrument eine Rotation um 540° mit sieben Freiheitsgraden.

Im Sinne des Patienten
Das hochinnovative Verfahren ist äußerst schonend für den Patienten. Er profitiert in der Regel von einem geringeren Komplikationsrisiko und weniger Schmerzen. Ganz entscheidend auch der durch die Präzision verbesserte Nervenerhalt: Eine Schweizer Studie zeigte bereits, dass die Wiedererlangung der Kontinenz nach Prostataentfernung von der Schonung der Nervenfasern abhängt. Bei beidseitigem Nervenerhalt betrug die Kontinenzrate fast 100% (vgl. Burkhard et al., J Urol. 2006). Gleichzeitig ermöglicht die robotergestützte Operation eine schnellere Wiedererlangung der Sexualfunktion.

Zentrum für Roboterchirurgie
Die Urologie nutzt das neue Operationssystem zusammen mit der Kieler Gynäkologie und Allgemeinen Chirurgie. Die Kliniken haben sich zusammengeschlossen zum Zentrum für Roboterchirurgie am UKSH, Campus Kiel. Hier sollen künftig innovative chirurgische Systeme systematisch entwickelt und getestet werden.

Auch betreibt die Klinik für Urologie und Kinderurologie am UKSH, Campus Kiel, bereits seit einigen Jahren grenzüberschreitende Forschung zu innovativen Verfahren in der Medizin. Zu den aktuell EU-geförderten Projekten zählen APPlied Health und COLLIN (COLLaboration for INnovation).

Weitere Informationen unter www.urologie-kiel.de

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