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Im Notfall gut versorgt – Notfallversorgung am UKSH

Dank aufwändiger Behandlungstrukturen für alle denkbaren Erkrankungen gerüstet Im Notfall gut versorgt – Notfallversorgung am UKSH

Bei der Versorgung von Notfallpatienten in Schleswig-Holstein übernimmt das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) eine herausragende Funktion. An 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr stehen Fachärzte und Personal aller Disziplinen sowie hochspezialisierte Diagnostik und Therapien zur Verfügung. Das wichtigste Ziel: Leben retten und schwere Behinderungen vermeiden.

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Rund 50.000 Notfälle werden in Kiel pro Jahr in den Notaufnahmen des UKSH behandelt – Tendenz steigend. Die Bandbreite der Erkrankungen ist vielfältig: Chirurgische und internistische Notfälle werden ebenso behandelt wie neurologische Erkrankungen sowie alle weiteren Notfälle, die nicht auf Anhieb einem Fachgebiet zuzuordnen sind, aber dennoch bedrohlich sein können. Zudem stehen bei psychiatrischen Notfällen spezielle Trauma-Ambulanzen des Zentrums für Integrative Psychiatrie (ZIP) zur Verfügung. Doch wann spricht man eigentlich von einem Notfall?

„Allgemein werden als Notfallpatienten alle Personen definiert, die körperliche oder psychische Veränderungen im Gesundheitszustand aufweisen, für die der Patient selbst oder eine dritte Person unverzügliche medizinische und pflegerische Betreuung als notwendig erachtet“, sagt Dr. Derk Frank, Oberarzt der Klink für Innere Medizin III mit den Schwerpunkten Kardiologie, Angiologie und internistische Intensivmedizin und Leiter der Internistischen Notaufnahme am Campus Kiel. Daher ist das Spektrum in der Notfallmedizin extrem vielfältig und umfasst akut lebensbedrohliche Erkrankungen wie Herzinfarkte, Schlaganfälle, schwere Unfälle oder Lungenembolien ebenso wie leichtere Erkrankungen wie Atemwegsinfekte, leichte Verletzungen oder Schmerzzustände.

Als Krankenhaus der höchsten Versorgungsstufe hält das UKSH – anders als viele kleinere Krankenhäuser – für alle denkbaren Erkrankungen aufwändige Behandlungsstrukturen bereit. So wird jeder Patient, der ins UKSH kommt, hier auch definitiv ausbehandelt. Für Schlaganfallpatienten oder Patienten mit Verdacht auf Herzinfarkt stehen beispielsweise spezialisierte Behandlungseinheiten (Stroke-Unit, Chest-Pain-Unit) bereit. Hier arbeiten Spezialisten aller Fachrichtungen eng zusammen und sind rund um die Uhr sofort verfügbar. Auch die spezialisierte Technik für die Diagnostik ist zu jeder Zeit einsatzbereit.  

Entsprechend dem deutschlandweiten Trend steigt das Patientenaufkommen in den Notaufnahmen des UKSH jährlich an. Ein Grund dafür ist die Alterung der Bevölkerung und damit auch die Häufung von Erkrankungen. Zudem kann eine andere Anspruchshaltung beobachtet werden: Vermehrt suchen Patienten die Notaufnahmen auf, um auch mit leichteren Erkrankungen unmittelbar behandelt zu werden und nicht erst nach einer längerfristigen Terminvereinbarung beim Haus- oder Facharzt. Vielen Patienten ist es außerdem nicht bekannt, dass die niedergelassenen Ärzte mit sogenannten Anlaufpraxen auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten eine Notfallversorgung anbieten.

Insbesondere nachts und am Wochenende kann es daher aufgrund eines erhöhten Patientenaufkommens zu Wartezeiten kommen. „Ob ein Notfall vorliegt oder nicht, kann der Betroffene selbst natürlich nur aus seiner subjektiven Sicht einschätzen. Daher ist es wichtig, dass wir jeden Notfall ernst nehmen und dass jeder Patient, der ins UKSH kommt, auch untersucht und behandelt wird“, sagt Dr. Matthias Weuster, der die chirurgische Notaufnahme am Campus Kiel leitet, „denn auch hinter unscheinbaren Symptomen können sich sehr ernsthafte Erkrankungen verbergen.“ Bei zeitkritischen und lebensbedrohlichen Notfällen wird von den Betroffenen ohnehin meist der Rettungsdienst (Tel. 112) angerufen. „Dies ist von großem Vorteil, da die Rettungssysteme in Deutschland sehr gut eingespielt sind. So erhalten wir durch die enge Kommunikation mit den Rettungsdiensten schon sehr frühzeitig die wichtigsten Informationen noch bevor der Patient bei uns eintrifft“, sagt der Mediziner.

Entscheidend für die Notfallversorgung ist ein qualitativ hochwertiges und zuverlässiges System, mit dem lebensbedrohliche oder kritische Notfälle von leichteren Erkrankungen schnell zu unterscheiden und einzustufen sind. Denn anders als in regulären Ambulanzen wird in der Notaufnahme nicht nach der Reihenfolge des Eintreffens der Patienten behandelt, sondern nach der Schwere der Erkrankung. Dafür wird ein sogenanntes Triage-System eingesetzt, ein standardisiertes Raster, das den Ärzten und Pflegekräften hilft, schnell und zuverlässig zu einer genauen Einschätzung der Erkrankung zu kommen und die Behandlungsreihenfolge der Patienten festzulegen. 

Auch wenn die Mitarbeiter sich bemühen, alle Patienten schnellstmöglich zu versorgen, kommt es deshalb vor, dass Patienten mit weniger kritischen Erkrankungen längere Wartezeiten in Kauf nehmen müssen. Längere Aufenthalte in der Notaufnahme können vor allem durch weitergehende Untersuchungen wie Röntgen, CT oder Erhebung von Blutwerten entstehen. Dabei muss bedacht werden, dass vergleichbare Untersuchungen im regulären Medizinbetrieb oft Tage oder Wochen in Anspruch nehmen. Dass das Triage-System sehr gut funktioniert, zeigt sich an den im bundesweiten Vergleich sehr kurzen „door-to-needle-Zeiten“ bzw. „door-to-balloon-Zeiten“ am UKSH. Mithilfe dieser Parameter (meist unter 30-45 Minuten) wird gemessen, wie viel Zeit vom Eintreffen in der Notaufnahme bis zum Start der Behandlung bei speziellen Krankheitsbildern, z.B. bei Schlaganfall oder Herzinfarkt, vergeht.

Bis zur Fertigstellung des neuen Zentralklinikums verfügt das UKSH am Campus Kiel noch über zwei Standorte für seine Notaufnahmen. In der Zentralen Notaufnahme (Haus 41) werden alle chirurgischen und neurologischen Notfälle aufgenommen. Die Internistische Notaufnahme befindet sich in der Inneren Medizin (Haus 6). Im April 2018 sollen die Notfallstandorte zu einer interdisziplinären zentralen Notaufnahme zusammengelegt werden. Darüber hinaus halten verschiedene Kliniken des UKSH in Kiel zusätzliche Notfallanlaufstellen z.B. für Augenheilkunde, Dermatologie, HNO, Gynäkologie und Geburtshilfe sowie Zahnheilkunde und Kiefer- und Gesichtschirurgie bereit.

Neue Rufnummern am UKSH seit 2. Oktober

Das UKSH, Campus Kiel, verfügt seit dem 2. Oktober über neue Rufnummern. Die Umstellung von einer vier- auf eine fünfstellige Durchwahl verbessert die Erreichbarkeit. Zusätzlich haben beide Standorte die einheitliche Kopfnummer „500“ erhalten – die Kieler Kopfnummer „597“ ist entfallen. Somit ist die Telefonzentrale am Campus Kiel nun unter 0431 500-0 zu erreichen. 

Alle weiteren Informationen unter www.uksh.de

„Wir wollen 10.000 Leben retten!“

Im Interview erklärt PD Dr. Jan-Thorsten Gräsner, Direktor des Instituts für Rettungs- und Notfallmedizin des UKSH, wie wichtig in Notsituationen Wiederbelebungsmaßnahmen durch nicht-professionelle Ersthelfer sind.

Sie haben kürzlich in Berlin die Woche der Wiederbelebung eröffnet und gemeinsam mit Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe das „Nationale Aktionsbündnis Wiederbelebung“ ins Leben gerufen. Klingt so, als würde auf diesem Gebiet Handlungsbedarf bestehen.

In der Tat, in Deutschland beginnen in nur 33 Prozent der Fälle Laien vor Eintreffen des Rettungsdienstes mit Wiederbelebungsmaßnahmen. Das ist im europäischen Vergleich sehr schlecht, europaweit liegt die Quote bei rund 50 Prozent, in Skandinavien sogar bei rund 70 Prozent. Wir wissen inzwischen, dass man durch gute Information etwas tun kann, denn vor dem Start unserer bundesweiten Infokampagnen vor fünf Jahren lag die Quote bei nur 17 Prozent. Aber es gibt noch viel zu tun.

Wen wollen Sie mit Ihren Aktivitäten ansprechen?

Grundsätzlich wollen wir ein möglichst breites Publikum erreichen, denn jeder kann als Ersthelfer Leben retten – egal ob jung oder alt. Wir haben mit unseren verschiedenen Aktionen auch schon viele Menschen erreicht: bei regelmäßigen Infoveranstaltungen im UKSH Gesundheitsforum im Kieler Citti-Park, mit der Woche der Wiederbelebung, eine Initiative der Deutschen Anästhesiologie, die jetzt zum vierten Mal stattfand, mit dem gerade in Berlin gegründeten „Nationalen Aktionsbündnis Wiederbelebung“, bei dem sich jetzt auch der Bundesgesundheitsminister engagiert und jetzt ganz aktuell mit unserem neuen Projekt „Schüler retten Leben“. Dabei bilden wir Lehrer aus, die den Schülern ab der 7. Klasse Reanimationsmaßnahmen beibringen sollen. Ziel ist es, die Ausbildung der Schüler verbindlich in die Unterrichtsplanung aufzunehmen.

Viele Menschen haben Angst, etwas falsch zu machen. Ist Wiederbelebung tatsächlich so einfach?

Ja, das ist es. Sie können nichts falsch machen. Der einzige Fehler wäre, nicht zu helfen! Bei Herzkreislaufstillständen kommt es nach vier bis fünf Minuten zu irreversiblen Schäden der Gehirnzellen. Bis zum Eintreffen der Rettungsdienste vergehen in der Regel aber mindestens acht Minuten. Dieses Zeitfenster kann nur durch Ersthelfer überbrückt werden. Die einfache Formel lautet: Prüfen, rufen, drücken! Zuerst sollten Ersthelfer also prüfen, ob keine oder keine normale Atmung wahrzunehmen ist. Dann sollte sofort 112 angerufen werden. Als drittes sollte dann fest und schnell in der Mitte des Brustkorbs des Betroffenen mindestens 100-mal pro Minute gedrückt werden, bis professionelle Hilfe eintrifft. Studien belegen, dass bei frühzeitigem Beginn von Wiederbelebungsmaßnahmen die Überlebenschancen nahezu verdreifacht werden können.

Ihr Institut wurde im vergangenen Jahr am UKSH gegründet. Was sind die weiteren Aufgaben der Einrichtung?

Wir sind am UKSH für die notfallmedizinische Schulung der Mitarbeiter verantwortlich. Das UKSH ist ja nicht nur das größte Krankenhaus und der einzige Maximalversorger in Schleswig-Holstein, sondern auch der größte Arbeitgeber mit über 12.000 Mitarbeitern. Damit haben wir potentiell 12.000 gut ausgebildete Ersthelfer am UKSH, die auch außerhalb des Dienstes in der Lage und bereit sind, Leben zu retten. Auch das Qualitätsmanagement für die Notfallversorgung am UKSH zählt zu unseren Aufgaben, ebenso wie die Fort- und Ausbildung des Rettungsdienstpersonals im Land. Außerdem bieten wir Fortbildungen für Arztpraxen und engagieren uns in der Flüchtlingshilfe.

Wie beurteilen Sie das Rettungsnetz in Schleswig-Holstein?

Unser Rettungssystem zählt zu den besten der Welt. Die Kombination aus Notarzt und Rettungsdienst hat sich vielfach bewährt und ist ein Erfolgsmodell. Beide Seiten müssen aber gut aus- und weitergebildet sein, wozu wir unseren Beitrag leisten. Wichtig ist auch ein gutes Luftrettungssystem, an dem wir als UKSH mit dem Standort Rendsburg ebenfalls beteiligt sind. Ein weiteres wichtiges Glied in der Kette sind die spezialisierten Krankenhäuser im Land. Zusammen mit engagierten Bürgern, die bereit sind, in Notsituationen schnell zu helfen, wird es uns gelingen, das Rettungsnetz noch weiter zu verbessern. Unser Ziel: jedes Jahr bundesweit 10.000 Menschenleben zusätzlich nach plötzlichem Herztod zu retten.

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Helmut Hitze

Telefon : (0431) 903 2373
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