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Interview mit Prof. Dr. Jünemann

Kurt-Semm-Zentrum für laparoskopische und roboterassistierte Chirurgie Interview mit Prof. Dr. Jünemann

Im Interview spricht Prof. Dr. Jünemann über die Ziele des neuen Zentrums und seine persönliche Motivation.

Arnold-Heller-Str. 3, Haus 18 54.329871 10.141995
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Im Oktober wurde das Kurt-Semm-Zentrum am Campus Kiel feierlich eröffnet. Was verbirgt sich dahinter?
Wir haben uns mit sechs chirurgischen Kliniken am Campus Kiel und dem Institut für Anatomie der CAU zusammengeschlossen, um unsere Zusammenarbeit auf dem Gebiet der laparoskopischen und roboterassistierten Chirurgie zu intensivieren. Kernaufgaben sind die optimale Krankenversorgung, Aus-, Fort- und Weiterbildung von medizinischem Personal und die studentische Lehre sowie die Initiierung von Forschungsvorhaben. Das Kurt-Semm-Zentrum ist das erste Zentrum dieser Art in Deutschland. Unser nächstes gemeinsames Projekt findet bereits in diesem Monat statt – eine erste präklinische Entwicklung von Operationstechniken mit dem da Vinci-System in der Unfallchirurgie, Gefäßchirurgie und Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurgie. 

Wer kann sich denn heute schon roboterassistiert operieren lassen?
Aktuell wird in Kiel in der Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie, der Urologie und der Gynäkologie roboterassistiert operiert. Das Verfahren wird z. B. an Speiseröhre, Darm, Bauchspeicheldrüse, Prostata, Blase, Niere und Gebärmutter eingesetzt. Welche OP-Methode für den einzelnen Patienten geeignet ist, bespricht der behandelnde Arzt persönlich mit dem Betroffenen.

Wie wirkt sich die engere Zusammenarbeit der Fächer auf die Abläufe im OP aus?
Wir sehen es als unsere Pflicht an, uns kontinuierlich fortzubilden und zu verbessern. So hat gerade Ende Oktober das gesamte „da Vinci“-Team am UKSH – Chirurgen der drei operierenden Fächer, OP-Pfleger, Anästhesisten und OP-Koordinatoren – ein dreitägiges Trainingsprogramm im OP am Campus Kiel durchlaufen. Das von der Herstellerfirma des Gerätes angebotene Intensivtraining (Genesis-Programm) wurde in Zusammenarbeit mit über 300 verschiedenen Klinikteams aus der ganzen Welt erarbeitet. Es ging darum Prozesse, die sich in anderen Kliniken und Zentren als sogenannte „Best Practice“ etabliert haben, mit den Teilnehmern zu diskutieren und den individuellen Zielen des Zentrums anzupassen.  

Durch das große Engagement unseres Pflegeteams wurden in den vergangenen drei Jahren bereits Standards bezüglich Instrumentarium, Verbrauchsmaterialien und Lagerungen erstellt. Dies gewährleistet für alle Beteiligten ein hohes Maß an Sicherheit und Routine bei den täglichen Eingriffen mit dem da Vinci System.

Was hat der Zentrumsname zu bedeuten?
Namensgeber ist der Kieler Gynäkologe und Pionier der minimal-invasiven Chirurgie (Schlüssellochchirurgie) Kurt Karl Stephan Semm (1927-2003). Er entwickelte die Laparoskopie gegen große Widerstände zu einer umfassenden operativen Behandlungsmethode, die er 1980 zum weltweit ersten Mal bei einer Blinddarmoperation einsetzte. Die roboterassistierten und computergestützten Techniken sind eine Weiterentwicklung der heute standardisierten laparoskopischen OP-Verfahren.

Sie sind der Initiator und Sprecher des neu gegründeten Zentrums. Was hat Sie zu diesem Projekt motiviert?

Alles begann mit der Implementierung der da Vinci-Chirurgie in Kiel Anfang 2013. Die roboterassistierte Technologie ist das Faszinierendste, was mir in meiner Chirurgenlaufbahn begegnet ist – sie wird die offene Chirurgie verdrängen! Wenn ich an der Konsole in die Kamera schaue ist es für mich so, als würde ich im Körper des Patienten stehen und dort operieren. Die Wahrnehmung ähnelt dem, wie Sie es heute in ganz anderen Bereichen, z. B. Computerspielen, über sogenannte „Virtual Reality“-Brillen erleben, die Sie in einen dreidimensionalen Raum versetzen. 

Ich finde es ausgesprochen spannend und motivierend, an dieser bahnbrechenden Entwicklung der chirurgischen Techniken nicht nur teilnehmen zu können, sondern sie mit zu gestalten und weiterzuentwickeln. Dies funktioniert allerdings nur, wenn wir alle zusammenarbeiten und füreinander, miteinander und voneinander lernen. 

Kontakt:

Universitätsklinikum Schleswig-Holstein

Kurt-Semm-Zentrum für laparoskopische und roboterassistierte Chirurgie

c/o Klinik für Urologie und Kinderurologie

Prof. Dr. K.-P. Jünemann

Arnold-Heller-Str. 3, Haus 18 

24105 Kiel

Tel.: 0431 500-24807,  Fax: -24804

www.kurtsemmzentrum.de

www.urologie-kiel.de

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