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Der Missionar am Herd: Jamie Oliver wird 40

Ernährung Der Missionar am Herd: Jamie Oliver wird 40

Jamie Oliver hat viel zu tun: Er ist gefeierter Koch, Showmaster, Gastwirt, Buchautor, Werbegesicht, Lebensmittelproduzent, Ehemann und vierfacher Vater. Und ganz nebenbei will er noch die Welt verbessern.

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Promikoch und Weltverbesser Jamie Oliver wird 40. Auch für die kommenden Lebensjahre hat er einiges vor in Sachen Ernährung.

Quelle: Patrick Hamilton

London. "Unser Terminplan ist immer wahnsinnig eng", sagt sein Pressereferent und rollt mit den Augen.

Doch

Jamie Oliver ist rund um seinen 40. Geburtstag am Mittwoch (27. Mai) kein Stress anzumerken. Im Gegenteil: Er geht schwungvoll, strahlt, spricht wie ein Wasserfall und nimmt sich für Gespräche mehr Zeit als sein Team das gern hätte. Seine Erklärung: "Ich liebe, was ich tu."

 

In vielem ist Oliver auch mit 40 noch der junge Starkoch, der einfaches, aber gutes Essen und dessen Zubereitung cool gemacht hat in seiner Heimat Großbritannien und der Welt. Auch heute noch trägt er Jeans, Turnschuhe und Wuschelhaare. Mit einem deutschen Johann Lafer oder Horst Lichter hat das wenig zu tun. Schon eher mit Tim Mälzer, die beiden kennen sich schon lange und arbeiten immer wieder zusammen.

Mälzer unterstützt auch den

Food Revolution Day am 15. Mai, den Oliver vor vier Jahren ins Leben gerufen hat.

 

Wenn der Engländer über seine Revolutionspläne in Sachen gesunder Ernährung spricht, wird er zum Missionar. "Das ist sehr wichtig für Deutschland", sagt er mit aufgerissenen Augen. "Wir bewundern viel an euch: Stabile Wirtschaft, Ordnung, große Geister, Pragmatismus. Aber Gesundheit? Ihr solltet euch schämen. Wie wir Briten auch." Oliver nimmt sich kaum Zeit zum Luftholen, wenn er über volkswirtschaftliche Schäden von Übergewicht durch Diabetes, Herz- und Gelenkkrankheiten doziert, über schlimme Folgen der Massenproduktion und eine skrupellose Nahrungsmittelindustrie.

Für Deutsche, denen der Gedanke an einen "Veggie Day" die Zornesröte ins Gesicht treibt, hat Oliver kein Verständnis. "Wer das vorschlägt, hat recht, aber vielleicht müssen noch ein paar mehr Leute sterben, bis alle das begreifen." Und er stellt klar: "Ich liebe Fleisch, aber wir essen einfach zu viel davon." Er selbst esse an drei Tagen in der Woche vegetarisch. Er habe ein vegetarisches Kochbuch geschrieben, das er bald rausbringen wolle, einen Termin gibt es noch nicht.

Was Jamie Oliver will: Ernährungslehre als Pflichtfach an Schulen, und zwar weltweit. Angst, es mit Konzernen aufzunehmen, die an Fast Food und Tiefkühlpizza Milliarden verdienen, hat er nicht. "Ich kann nerven, ich bin ein Großmaul", bekennt er grinsend - man glaubt ihm.

Anders wäre eine Karriere wie seine wohl auch nicht möglich. Die Liebe zum Kochen entdeckte er im Restaurant seiner Eltern, "The Cricketers", im Dörfchen Clavering in der Grafschaft Essex. Zum Star in der Heimat wurde er 1999 mit der BBC-Show "The Naked Chef". Sechs Jahre später startete Oliver seine Kampagne für besseres Schulessen, die auf zähen Widerstand stieß - Mütter in Nordengland reichten Schülern Hamburger durch den Zaun der Schule.

Heute ist kaum zu überblicken, was Jamie Oliver alles besitzt, betreibt und produziert. In Supermärkten stehen Gewürzmischungen mit seinem Gesicht. Die "Sunday Times" schätzt das gemeinsame Vermögen mit Ehefrau Jools in ihrer Liste reicher Briten auf 180 Millionen Pfund (248 Mio. Euro). Schlagzeilen um Hygienemängel in seiner Metzgerei oder Ärger um ein vor laufender Kamera geschlachtetes Schaf hat Oliver halbwegs unbeschadet überstanden, auch wenn die Einnahmen laut "Sunday Times" nicht mehr ganz so sprudeln wie früher.

Und Jamie Oliver will weiter machen: "Ich höre nie auf. Wenn ich 70 werde, arbeite ich noch", sagt er. Ein Kochbuch für Kinder zu schreiben, könne er sich gut vorstellen, schließlich sei er mit vier eigenen qualifiziert. "Ich will, dass sie stolz auf mich sind." Dass er nun 40 ist, stört ihn - wie er sagt - gar nicht. Im Gegenteil: "Von 20 bis 30 hat mir niemand über den Weg getraut. Ab 30 haben mir alle getraut, aber mich nicht mehr hinterfragt. Jetzt habe ich beides."

dpa

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