16 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Bewegungsspaß auf Rezept

Bad Segeberg Bewegungsspaß auf Rezept

Was sie unterscheidet: Jeder Teilnehmer hat eine individuelle, meist schwere Krankheitsgeschichte. Was sie verbindet: Der Spaß, den sie meist an der Bewegung haben. Im Sportverein für Gesundheit und Rehabilitation (SGR) in Bad Segeberg wird zunächst auf Rezept trainiert, die meisten bleiben dabei.

Voriger Artikel
Ein Schlaganfall ist immer ein Notfall
Nächster Artikel
Leser radeln im Sportforum mit Musik

Im Sportverein für Gesundheit und Rehabilitation (SGR) Segeberg ist Fröhlichkeit ein wichtiges Mittel, Gemeinschaft zu leben und zum Therapieerfolg zu kommen. In der Gemeinschaft klappt dies am besten.

Quelle: SGR

Bad Segeberg. „So, meine Lieben, jetzt möchte ich noch von jedem einen Puls!“ Die Stimme von Gudrun Schmidt klingt fordernd, aber herzlich. Und alle Beteiligten, die bis eben in der Therapiehalle der Segeberger Kliniken Prellball gespielt haben, fangen gelassen an zu messen, einige scherzen. Es ist eine von acht Herzgruppen, die der Verein für Gesundheit und Rehabilitation (SGR) unterhält. Und in allen, so die Vorsitzende, herrsche diese grundsätzliche Fröhlichkeit. „Aber jeder in den Gruppen hat eine eigene, meist sehr schwere Krankheitsgeschichte hinter sich“, verrät Gudrun Schmidt.

Erst seit 2013 gibt es die Herzgruppen im SGR. Der zählt heute 390 Mitglieder. „Plus 200 Personen, die ohne Mitgliedschaft, aber auf Rezept in unseren Gruppen dabei sind“, berichtet die 2. Vorsitzende Ursula Vorlauf. Etwa zwei Jahre dauere es, bis das Rezept eines Herzpatienten „abgearbeitet“ und er weitgehend wiederhergestellt sei. Bei Orthopädie-Patienten seien es eineinhalb Jahre. Und dann setzt das Besondere ein: „Die meisten Teilnehmer bleiben bei uns“, weiß Gudrun Schmidt um das wohl nie enden wollende Wachstumspotenzial ihres Vereins.

Gruppen werden gezielt zusammengesetzt

Abgestimmt auf ihre Krankheitsbilder und Therapieprogramme sind die Reha-Gruppen zusammengesetzt. Binnen zwei Jahren unter „Leidensgenossen“ entsteht eine ungeheure Gruppendynamik. Die Teilnehmer würden sich meist schon vor der Übungsstunde treffen, sich stets gegenseitig motivieren und helfen. „Das ist mir sehr wichtig“, betont Gudrun Schmidt. Verein, das sei nun mal Gemeinschaft. Und im SGR würden Menschen mit ihren Krankheitsgeschichten gerade diese Gemeinschaft gezielt suchen und leben. Und bei eigentlich allen würde das Hauptziel des Rehasports erreicht: Die Freude an regelmäßiger Bewegung zu wecken – auch über die von der Kasse bezahlten Maßnahme hinaus.

Die Kosten des Rehabilitationssports tragen die Krankenkassen. Übungsleiter im Gesundheitssport verfügen über eine umfangreiche Ausbildung. Gudrun Schmidt ist selbst Physiotherapeutin und gehört dem Pool der derzeit 16 Übungsleiter an. Ihr Aus- und Fortbildungsaufwand sowie die tägliche Arbeit lassen sich nicht mit den Übungsleitern „normaler“ Sportvereine vergleichen, somit auch nicht die Kosten einer Reha-Sportstunde.

Alle Krankenkassen haben den SGR anerkannt

Die Sätze mit den Krankenkassen – alle haben den SGR anerkannt – handelt der Rehabilitations- und Behinderten-Sportverband Schleswig-Holstein (RBSV) aus. Der Fachverband verteilt auch die Lizenzen für die jeweiligen Gruppen, die wiederum die Abrechnungsfähigkeit mit den Kassen begründen. Gut zwei Drittel der Reha-Teilnehmer blieben dem SGR erhalten, rechnet Ursula Vorlauf vor. Wer kein Rezept mehr hat, aber in der Gemeinschaft bleiben möchte, wird spätestens jetzt Mitglied im Sportverein, zahlt 7 Euro monatlich. Und es geht weiter mit der Bewegung. „Natürlich mit Walking“. Oder „Fit mit Heike“, einem Ganzkörpertraining inklusive Wirbelsäulengymnastik. Es gibt Angebote für Menschen mit neurologischen Erkrankungen, Kurse zur Selbstverteidigung und das Programm „gesund und kreativ“.

Beiden Teilbereichen des SGR, Reha- und Gesundheitssport, ist eine Inklusionsgruppe für Teilnehmer von 6 bis 18 Jahren zuzurechnen – „ohne Norm in Form“. Dr. Dieter Feese verantwortet die Gruppe. „Er hat in den Aufbau viel Zeit investiert, um vor allem Eltern ihre Bedenken zu nehmen“, lobt Gudrun Schmidt, die schon das nächste Projekt ins Auge gefasst hat: „Wir wollen die Möglichkeit schaffen, im SGR das Deutsche Behindertensportabzeichen zu erwerben. Dazu werden wir uns mit dem Kreissportverband auseinandersetzen.“ Vor allem an Menschen mit geistiger Behinderung soll sich dieses Angebot richten. Dass ihr Verein dafür ein geeigneter Ausrichter ist, steht für Gudrun Schmidt fest: „Weil es einfach zu unserem Gesamtangebot passt."

Im Sportverein für Gesundheit und Rehabilitation (SGR) Segeberg ist Fröhlichkeit ein wichtiges Mittel, Gemeinschaft zu leben und zum Therapieerfolg zu kommen. In der Gemeinschaft klappt dies am besten.

Zur Bildergalerie
Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Christian Detlof
Segeberger Zeitung

ANZEIGE
Anzeige
Mehr aus Fit & Gesund Kiel 2/3