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Kliniken helfen dem Herz auf die Sprünge

Bad Segeberg beugt vor Kliniken helfen dem Herz auf die Sprünge

Herzpatienten turnen in den Segeberger Kliniken, um ihre "Pumpe" am Laufen zu halten. Dabei handelt es sich um Menschen, die bereits einen Herzinfarkt erlitten haben, und um solche, die an einer Herzschwäche leiden. Für beide Gruppen gibt es ausgefeilte Trainingsprogramme.

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Christian Zahn (Mitte) ist Leiter der Bewegungstherapie im Herzzentrum und Neurologischen Zentrum der Segeberger Kliniken und stellt für jeden Patienten einen individuellen Trainingsplan zusammen.

Quelle: Bad Segeberg

Bad Segeberg. Der Tod kommt auf Zehenspitzen – zum Beispiel, wenn er sich im Gewand einer Herzschwäche heranschleicht. Es gibt Krankheiten, die schlicht unterschätzt werden. Im Herzzentrum der Segeberger Kliniken kämpft man dafür, dem Sensenmann ein Schnippchen zu schlagen, und zwar auch, wenn ein Patient schon einen Infarkt erlitten hat.

300000 Deutsche leiden an Herzschwäche

Tag für Tag trainieren Patienten in der Klinik am Kurpark ihr Herz und ihre sonstigen Muskeln. Denn beides hat viel miteinander zu tun, weiß Dr. Ronja Westphal, Chefärztin der Rehabilitation. Das Training wird individuell auf die jeweilige Erkrankung und Krankengeschichte zugeschnitten.

Herzinsuffizienz, also eine Schwäche des lebenswichtigen Organs, wird von vielen Menschen noch nicht als ernsthafte Bedrohung wahrgenommen. „Krebs klingt viel schlimmer“, weiß die Ärztin. Doch auch die Herzinsuffizienz sei keine unbehandelbare Erkrankung mehr.

„Allein in Deutschland leiden 300000 Patienten derzeit an einer Herzmuskelschwäche. Ein wichtiges Indiz ist Belastungsluftnot“, erklärt Dr. Ronja Westphal. „Sprechluftnot auch.“ Oft werden die Patienten mit akuter Atemnot in die Klinik eingeliefert, weil sich das vom Körper nicht mehr transportierte Wasser in der Lunge staut.

Arteriosklerose ist die häufigste Ursache

Die Ursachen für Herzinsuffizienz sind vielfältig. Der übermäßige Genuss von Alkohol kann dazu führen, auch eine Herzmuskelentzündung, die man sich als Folge einer verschleppten Erkältung einfangen kann, zählt zu den Risikofaktoren. Ebenso kann die Herzschwäche die Folge einer Chemotherapie sein. Die häufigste Ursache mit drei Vierteln der Fälle bildet aber die Arteriosklerose, also die Verkalkung oder Verhärtung der Arterien.

Wenn man vom Arzt erfahren hat, dass man unter einer eingeschränkten Herzleistung leidet, sollte man laut Dr. Westphal nicht in Panik verfallen. „Das Schlimmste, was man machen kann, ist, sich mit der Diagnose auf das Sofa zu setzen.“ Die Patienten müssten es vielmehr schaffen, den inneren Schweinehund zu überwinden, und sich sportlich bewegen. „Damit trainiert man seine Muskulatur – und man braucht weniger Energie fürs Herz.“ Demjenigen, der kräftige Beinmuskeln hat, fällt das Treppensteigen leichter – und das Herz muss weniger pumpen, weil der Körper nicht so stark angestrengt wird, um die Stufen zu erklimmen.

Die Sportgruppen der Herzinsuffizienz-Patienten in den Segeberger Kliniken setzen daher auf ein Kraft-Ausdauer-Training mit genauer Belastungsdosierung. Darauf, dass niemand über- oder unterfordert wird, achtet Christian Zahn, Leiter der Bewegungstherapie bei den Segeberger Kliniken.

Herztrainingsgruppen bleiben oft jahrelang zusammen

„Die Ärzte klären, wie belastbar ein Patient ist“, sagt Zahn. Nach dieser Diagnose und einem Grundsatzgespräch geht es dann in die jeweilige Sportgruppe. Das Herzzentrum besitzt spezielle Geräte, mit denen Krafttraining – oder wie man hier auch sagt: Alltagskrafttraining – möglich sind. Die Krankenkassen unterstützten diese Angebote – zumindest für einen bestimmten Zeitraum. Mitunter bleiben die Patienten aber auf eigene Kosten auch darüber hinaus, weil ihnen das Training in der Gruppe so großen Spaß macht. Von Christian Zahn und seinen Kollegen bekommen sie auch schon mal „Hausaufgaben“ – also Übungen, die sie zu Hause wiederholen. Zahn: „Man muss es aber mit Sinn und Verstand machen.“

Es gibt aber auch Koronarsportgruppen mit „POPs“. Das sind im Klinik-Jargon „Post-operative Patienten“ – also solche, die wegen eines Infarkts oder wegen anderer Probleme einen Eingriff am Herzen haben machen lassen. Sie werden je nach Leistungsvermögen eingeteilt und trainieren unter anderem auf Laufband oder Ergometer.

"1. Schleswig-Holsteinischer Gesundheitstag" am 7. Oktober

Das Thema Herzgesundheit spielt auch beim ersten „Schleswig-Holsteinischen Gesundheitstag“ eine Rolle, der am 7. Oktober in Bad Segeberg stattfindet. Er wird von der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation organisiert, deren Vertreterin Dr. Ronja Westphal ist. Die Kliniken unterstützen den Aktionstag.

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