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Ein Schlaganfall ist immer ein Notfall

KN-Telefonaktion Ein Schlaganfall ist immer ein Notfall

In der zweiten Telefonaktion beantworten am Donnerstag von 17 bis 18.30 Uhr Experten Ihre Fragen zum Schlaganfall: Was tun, wenn es passiert? Gibt es eine Früherkennung? Welche Therapien kommen infrage?

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Allein im Jahr 2014 erlitten 11861 Menschen in Schleswig-Holstein einen Schlaganfall.

Quelle: dpa

Kiel. Den Schlaganfall als einen der Schrecken der Menschheit zu bezeichnen, ist keine Übertreibung. Niemand, den der Schlag trifft, kein Angehöriger, der Zeuge wird und Hilfe holt, weiß, was folgen wird. Vieles hängt davon ab, wie schnell ein Mensch mit Verdacht auf Schlaganfall in die für ihn bestmögliche Behandlung kommt. Es gibt Verläufe, in denen Betroffene nur leichte Beeinträchtigungen erleiden, die mit der Zeit verschwinden. Aber „kein anderes Krankheitsbild verursacht bei Erwachsenen häufiger eine dauerhafte Behinderung oder Pflegebedürftigkeit“, heißt es auf der Website des Schlaganfallnetzwerks Schleswig-Holstein (www.snsh.de).

Das sind die Fachleute, die Sie heute am Telefon zum Thema Schlaganfall erreichen.

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Gegründet 2014 und finanziell ermöglicht von der Damp-Stiftung, vernetzt das SNSH fünf Kliniken mit Schlaganfall-Spezialstationen (Stroke-Units) in Schleswig (Helios), Rendsburg (Imland), Neumünster (FEK), Bad Malente (August-Bier-Klinik) und Kiel (UKSH). Koordiniert wird das Netzwerk von der Klinik für Neurologie des UKSH, Campus Kiel, die dort mit den Kliniken für Neuroradiologie, Neurochirurgie, Herz- und Gefäßchirurgie, Kardiologie und Angiologie eine überregionale Stroke-Unit bildet. „Das Besondere an diesem Verbund ist, dass die beteiligten Kliniken sich untereinander abstimmen, um zu gewährleisten, dass die Akutversorgung bestmöglich erfolgt und abgeschlossen wird und die Patienten auf einer Stroke-Unit weiterbehandelt werden“, erklärt Dr. Konrad Johannes Meyne, Neurologe am UKSH Kiel und Koordinator im SNSH.

Etwa 85 Prozent aller Schlaganfälle sind ischämische, bei denen ein Blutpfropf (Thrombus) ein Hirngefäß verschließt. Je schneller dieser Verschluss beseitigt wird, desto weniger Nervenzellen sterben ab. Etwa 15 Prozent der Schlaganfälle sind Hirnblutungen: Ein Gefäß reißt oder eine Gefäß-Aussackung (Aneurysma) platzt. Die folgenden Blutungen fordern Raum, der im Schädel nicht zur Verfügung steht. „Der Patient muss am besten direkt eine Computertomographie oder Kernspintomographie erhalten“, heißt es auf der Website der August-Bier-Klinik. „Ziel: sicheres Unterscheiden zwischen Hirnblutung und Durchblutungsstörung.“ Von diesem Ergebnis hänge die weitere Versorgung ab.

„Die mechanische Wiedereröffnung von Hirnarterien hat vor Kurzem die Schlaganfallsbehandlung revolutioniert“, sagt Priv.-Doz. Dr. Christian Riedel, Leitender Oberarzt der Neuroradiologie an der Kieler UKSH-Klinik für Radiologie und Neuroradiologie. Patienten mit ischämischem Schlaganfall, sofern sie für diese Therapie geeignet sind, können mit einem guten Ausgang rechnen. Ein zweites Verfahren, die Lyse, wird bei der Auflösung kleiner Thromben weiterhin eingesetzt. Werden bei der Erstdiagnostik schwere Durchblutungsstörungen als Ursache der Ausfallerscheinungen ermittelt, kommen weder Lyse noch Thrombektomie in Betracht.

Ein Schlaganfall ist immer ein Notfall, auch wenn „eine Verwechslung durchaus denkbar ist“, wie Dr. med. Wolfgang Lotz, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst der Berufsfeuerwehr Kiel, sagt: „Die verwaschene Sprache und Bewusstseinstrübungen können auf falsche Fährten führen.“ Empfiehlt der erfahrene Notfallmediziner, wirklich bei jedem Verdacht die 112 anzurufen? „Ja. Dafür werden die Kräfte vorgehalten. Das allein gibt die beste Sicherheit, dass Betroffene möglichst schnell in die besten Hände kommen.“ Im Vertragsgebiet des Rettungsdienstes der Berufsfeuerwehr Kiel leben etwa 350000 (nachts) bis 400000 (tagsüber) Menschen. Laut Gesetz ist jeder Rettungsdienst verpflichtet, die nächstgelegene, geeignete Klinik anzufahren.

Unsere Experten

Dr. Johannes Konrad Meyne, Neurologe am UKSH, Campus Kiel: 0431/903-2950

Dr. Wolfgang Lotz, ärztlicher Leiter Rettungsdienst Berufsfeuerwehr Kiel: 0431/903-2951

Dr. Christian Riedel, Neuroradiologe am UKSH, Campus Kiel: 0431/903-2952

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Foto: Beantworteten die Leserfragen: (v.li.) Michael Kleff (Verband der privaten Krankenkassen), Peter Klipp (Stiftung Warentest) und Jens Kuschel (AOK Nordwest)

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