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Krebs bei Kindern erfordert höchste Kompetenz

Anzeige UKSH Krebs bei Kindern erfordert höchste Kompetenz

Die Kinderklinik am Campus Kiel des UKSH ist die größte Klinik zur Behandlung krebskranker Kinder in Schleswig-Holstein und internationales Referenzzentrum für akute kindliche Leukämie.

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Klinikdirektor Prof. Dr. Martin Schrappe erforscht seit mehr als 25 Jahren Leukämieerkrankungen bei Kindern.

Quelle: UKSH

Wenn bei einem Kind eine Krebserkrankung festgestellt wird, ist dies zunächst ein Schock – für die Eltern, für das Kind und die ganze Familie. Durch moderne Behandlungsmethoden sind heute 70 bis 80 Prozent der bösartigen Erkrankungen heilbar. Hierfür ist jedoch in der Regel eine langwierige, komplexe und teilweise belastende Therapie notwendig. Die größte Klinik zur Behandlung krebskranker Kinder in Schleswig-Holstein ist die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin I des UKSH am Campus Kiel mit dem Bereich Kinderonkologie und -Hämatologie. Hier werden Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit onkologischen und hämatologischen Erkrankungen von der Diagnosestellung über die Intensivtherapie bis zur Nachsorge viele Jahre nach Heilung betreut.

Schwerpunkt der Behandlung an der UKSH-Klinik ist die häufigste Krebserkrankung im Kindesalter, die Akute Lymphatische Leukämie (ALL). Insbesondere für solche Patienten, die auf die Standardbehandlung nicht gut ansprechen, halten die Experten spezialisierte Therapieverfahren bereit.  „Leukämie ist behandelbar und oft auch heilbar – allerdings manchmal zu einem hohen Preis“, sagt Klinikdirektor Prof. Dr. Martin Schrappe. Gemeint sind die teilweise schweren Nebenwirkungen der Behandlung. Auch Jahre oder Jahrzehnte nach einer erfolgreichen Behandlung können Auswirkungen spürbar sein.

Dies wollen Prof. Schrappe und seine Mitarbeiter ändern. Seit mehr als 25 Jahren erforscht der Mediziner die Leukämieerkrankungen bei Kindern und erhielt dafür 2014 den Deutschen Krebspreis. Ziel der Forschung ist die frühzeitige Erkennung von besonderen klinischen und molekulargenetischen Merkmalen, die für die Prognose der kleinen Patienten wichtig sind. „Wir konzentrieren unsere Forschung darauf, die Leukämie anhand ihrer genetischen Ausstattung genau zu identifizieren, um bei einem Nicht-Ansprechen auf die Behandlung möglichst schnell zu einer geeigneten Alternative zu finden“, erklärt Prof. Schrappe.

Neue Therapieverfahren bauen auf diesen Erkenntnissen auf: In der größten deutschen Therapie-studie zur ALL im Kindesalter (ALL-BFM) wird während der Therapie eine molekulargenetische Untersuchung durchgeführt (Test auf MRD - minimale Resterkrankung), die es erlaubt, während der Behandlung resistente Leukämiezellen aufzuspüren. Die Internationale BFM-Studiengruppe, der sich Studiengruppen aus Europa, USA, Südamerika und Asien angeschlossen haben, hat unter Leitung von Prof. Schrappe gerade dieses Konzept in breitem Umfang implementiert. „Wir können inzwischen sehr verlässlich und sehr früh erkennen, ob ein Kind besser oder schlechter auf die Normalbehandlung, die in der Regel weniger Nebenwirkungen entfaltet, anspricht“, erklärt Prof. Schrappe. „Unser Ziel ist es, alle Kinder möglichst früh mit einer wirkungsvollen Therapie zu versorgen, um sie nicht unnötig zu belasten.“

Für die exakte Diagnostik steht der Klinik ein eigenes, hochspezialisiertes Labor zur Verfügung. Hier werden sämtliche Blut- und Knochenmarkproben aus allen an der ALL-BFM-Studie beteiligten Kliniken analysiert – jährlich mehrere Tausend Proben, da alle 400 deutschen ALL-Patienten mehrfach im Laufe der Therapie untersucht werden. „Da die Leukämie viele Subgruppen aufweist, wird im Labor der genaue Typus diagnostiziert, um den passenden Therapievorschlag zu machen. Denn jeder Typus bedarf einer unterschiedlichen Behandlung“, erklärt der Mediziner. Gemeinsam mit den beteiligten Studienzentren in Europa, Israel und Australien wurden Kriterien entwickelt, nach denen die unterschiedlichen Erkrankungsformen kategorisiert werden, um die Therapie dann entsprechend dem individuellen Rückfallrisiko der Patienten anpassen zu können.

Neben dem Spezial-Labor steht die Klinik anderen Behandlungseinrichtungen auch für Konsiliardienste zur Verfügung. Wenn bei einer Therapie unvorhergesehene Komplikationen auftreten oder Kollegen einen Rat benötigen, stehen die Kieler Ärzte der „ALL-BFM Studienzentrale“ beratend zur Seite. Auf diese Weise helfen sie nicht nur bei der Behandlung der Kinder, sondern sammeln durch die jährlich bis zu 2.500 gestellten Befunde weitere Informationen, um Therapiestrategien zugunsten der kleinen Patienten zu verbessern. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, Kinder mit besonders komplexen Erkrankungsvarianten wie beispielsweise bei Rückfällen direkt in der Kieler Klinik behandeln zu lassen.

Die Kieler Klinik ist zu einem internationalen und von den Krankenkassen anerkannten Referenzzentrum für kindliche ALL geworden. Die Behandlung erfolgt im Rahmen der Therapieoptimierungsstudien der Gesellschaft für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie (GPOH) nach aktuellstem Wissensstand. Das Therapiespektrum umfasst neben allen Modalitäten der konventionellen Therapie auch die autologe und allogene Stammzell-/Knochenmarktransplantation. Ein weiterer Forschungsansatz der Klinik ist es, Therapieformen zu entwickeln, die auch bei schwierigen Fällen wirksamer und mit weniger Nebenwirkungen verbunden sind. Hoffnung machen auf diesem Gebiet sogenannte Immuntherapien. Dabei wird – vereinfacht gesagt – nach Schwachstellen der Krebszellen gesucht, um diese mithilfe von Immunzellen gezielt angreifen zu können.

Um das Ziel der bestmöglichen Genesung zu erreichen, müssen alle Beteiligten ein Team bilden. Dazu zählen neben den Eltern, dem Kind, der Familie sowie den Ärztinnen und Ärzten auch spezialisierte Kinderkrankenschwestern und -pfleger, Psychologen, Sozialarbeiter, Erzieher, Lehrer, Studiendokumentare und Medizinisch-technische Assistenten, eine Maltherapeutin und die Klinik-Clowns. Ergänzt wird der ganzheitliche Behandlungsansatz durch eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit mit den anderen Einrichtungen des UKSH.

Weitere Informationen:

Klinik für Kinder- und Jugendmedizin I
Tel.: 0431 500- 20156 
www.uksh.de/paediatrie-kiel/

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