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Kunstherzen – Unterstützung für das kranke Herz

Anzeige UKSH Kunstherzen – Unterstützung für das kranke Herz

Wenn das Herz versagt, kann eine Herztransplantation helfen, das Leben zu retten. Doch nicht immer steht ein Spenderorgan zur Verfügung. Dann kann ein Kunstherz die Wartezeit bis zur Transplantation überbrücken. Zunehmend kommen diese Unterstützungssysteme aber auch als Dauertherapie zum Einsatz – beispielsweise für Patienten, bei denen wegen ihres Alters oder Gesundheitszustandes eine Herztransplantation nicht möglich ist. An der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie des UKSH (Direktor Prof. Dr. Jochen Cremer) verfügen die Mediziner über eine hohe Expertise bei der Therapie mit Kunstherzsystemen.

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Moderne Kunstherz-Systeme helfen nicht nur als Überbrückung bis zur Transplantation, sondern können auch als Herzersatz für nicht-transplantierbare Patienten angewendet werden“, erläutert PD Dr. Haneya. In der Klinik wird großer Wert auf eine ausführliche Information der Patienten gelegt.

Quelle: UKSH

„Genaugenommen handelt es sich bei Kunstherzen nicht um eigenständig arbeitende Herzen“, sagt PD Dr. med. Assad Haneya, Stellv. Direktor und Bereichsleiter Herz- und Lungentransplantation und mechanische Unterstützungssysteme. „Es sind implantierbare, mechanische Pumpsysteme, die das erkrankte Herz nicht ersetzen, sondern zusätzlich das Blut im Kreislauf weiterpumpen.“ Daher sei der englische Ausdruck „VAD“ als Abkürzung für „ventricular assist device" (Herzkammerunterstützungssystem) präziser. In den meisten Fällen benötigt die linke Herzkammer (Ventrikel), die das sauerstoffreiche Blut aus der Lunge in den Körperkreislauf pumpt, eine Unterstützung. Seltener werden rechts- oder biventrikukläre Systeme implantiert.

Obwohl die Technik bereits über 30 Jahren in Deutschland existiert, hat sie in den vergangenen Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen. „Dies hängt zum einen mit dem Mangel an Spenderorganen zusammen, zum anderen hat sich die Technik soweit entwickelt, dass wir diese Systeme nicht nur als Überbrückung bis zur Transplantation, sondern auch als Herzersatz für nicht-transplantierbare Patienten anwenden können“, erläutert Dr. Haneya. An der UKSH-Klinik wurden inzwischen rund 120 Patienten mit einem Kunstherzen versorgt. Die jüngste unter ihnen war 13 Jahre alt, der älteste Patient 78. „Eine  Patientin von uns lebt bereits seit sieben Jahren mit einem VAD, und viele Patienten können mit ihrem Kunstherz arbeiten, reisen und Sport machen.“ Der wichtigste Aspekt sei es natürlich, dass ein Kunstherz die Überlebenswahrscheinlichkeit des Patienten erhöht. Durch die Unterstützung des erkrankten Herzens kommt es aber auch zu einer deutlichen Leistungssteigerung, erläutert der Herz-Experte. „Auch die Beschwerden durch die Herzerkrankung gehen zurück – beispielsweise die Kurzatmigkeit und Wassereinlagerungen in den Beinen nehmen ab. Der chirurgische Eingriff hat sich für viele Patienten im Langzeitverlauf bewährt“, so Dr. Haneya.

Um ein zuverlässiges Krankenversorgungssystem für Kunstherzen anbieten zu können, sind hochprofessionelle Strukturen notwendig. Die Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie des UKSH hat ihr Kunstherz-Programm in den vergangenen Jahren kontinuierlich ausgebaut und verfügt über alle diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten. Herzstück der Versorgung ist die VAD-Ambulanz. In enger Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Kollegen werden hier Patienten gründlich untersucht, um zu einer exakten und möglichst frühzeitigen Diagnose zu kommen. Neben Experten der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie werden die Patienten auch von Spezialisten der Klinik für Innere Medizin III mit den Schwerpunkten Kardiologie und Angiologie des UKSH (Direktor Prof. Dr. Norbert Frey) behandelt.

Kommen die Mediziner nach umfangreicher Diagnostik und den geltenden Leitlinien der Fachgesellschaften zu dem Schluss, dass eine medikamentöse Behandlung nicht mehr ausreicht, um die Beschwerden des Patienten zu behandeln, und kommt aufgrund des Gesundheitszustandes keine Herztransplantation in Frage oder ist eine (zu) lange Wartezeit zu erwarten, wird gemeinsam mit dem Patienten entschieden, ob ein Herzunterstützungssystem implantiert wird. „Wir legen einen sehr hohen Wert auf die gute Information und umfangreiche Vorbereitung unserer Patienten“, sagt Dr. Haneya. „Daher stehen ihnen in unserer VAD-Ambulanz  Ärzte und auch sogenannte VAD-Koordinatoren, hochspezialisierte Fachkräfte für VAD-Therapie, zur Verfügung, die für unsere Patienten rund um die Uhr erreichbar sind.“ Sie beantworten Fragen zur Operation, zu möglichen Risiken, zur Funktionsweise des VAD-Systems, zur medikamentösen Begleittherapie und vieles mehr. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist dabei die Nachsorge – auch hier begleiten die Koordinatoren die Patienten, um nach dem Eingriff einen optimalen Einstieg in den Alltag mit Kunstherz zu gewährleisten. Bei regelmäßigen Kontrollterminen wird außerdem der Therapieerfolg stetig überprüft.

Der chirurgische Eingriff selbst ist am UKSH  mittlerweile ein Routineeingriff. Die Kunstherz-Operateure der Klinik verfügen über eine hohe chirurgische Expertise und große Erfahrung. Jährlich werden am Campus Kiel inzwischen über 30 VAD-Systeme implantiert – Tendenz steigend. Als universitäre Einrichtung legt die Klinik dabei großen Wert darauf, ihre Patienten stetig auf dem neuesten Stand der Wissenschaft und Technik zu versorgen.

Weitere Informationen:
Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie
Tel.: 0431 500-22002 
www.uksh.de/hgc-kiel/

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