16 ° / 11 ° Gewitter

Navigation:
Mobiles Altern ermöglichen – Neurogeriatrie am UKSH

Anzeige UKSH Mobiles Altern ermöglichen – Neurogeriatrie am UKSH

In den vergangen 60 Jahren wurde mit der Geriatrie eine medizinische Fachdisziplin entwickelt, die sich vor allem mit Erkrankungen älterer und sehr alter Patienten beschäftigt. Ziel ist es, diesen Menschen trotz Gebrechen, die im Altern häufig vorkommen, eine hohe Lebensqualität, Mobilität und soziale Teilhabe zu ermöglichen. Die Mediziner sind besonders dann gefordert, wenn Mehrfacherkrankungen ( Multimorbidität) vorliegen. Dabei überlagern sich die Erkrankungen oft und sind von hoher Komplexität. Geriatrische Medizin erfordert somit einen interdisziplinären Behandlungsansatz, der alle beteiligten Fachbereiche wie Allgemeinmedizin, Innere Medizin, Orthopädie, Chirurgie oder Psychiatrie einbezieht.

Voriger Artikel
Kliniken helfen dem Herz auf die Sprünge

Das Ärzteteam um Prof. Maetzler (l.) nutzt mobile Ganganalysesysteme, um alltagsrelevante Bewegungen wie Aufstehen, Gehen, Umdrehen, Bewegungen während des Schlafs und Gleichgewichtsverhalten sehr genau zu messen.

Quelle: UKSH

Ein wichtiger Bereich Fachbereich für Erkrankungen des Alters ist die Neurologie. „Umso verwunderlicher ist es, dass die Berührungspunkte zwischen Neurologie und Geriatrie in Europa bisher nur sehr klein sind“, sagt Prof. Dr. Walter Maetzler, stellvertretender Direktor der Klinik für Neurologie des UKSH am Campus Kiel. Daher plädiert der Experte für die Etablierung der Neurogeriatrie als neue medizinische Disziplin. „Die Neurogeriatrie stellt eine Schnittstelle zwischen geriatrischem und neurologischem Wissen dar“, so der Neurologe. Die Notwendigkeit diesen Ansatz zu verfolgen, zeigt auch die Tatsache, dass ein Großteil der geriatrischen Patienten neurologische Erkrankungen aufweisen oder sogar durch diese Erkrankungen den Arzt aufsuchen muss. Beispiele für solche Erkrankungen sind Gang-, Gleichgewichts-, Denk-, Sprech-, Sprach- und Schluckstörungen, Muskelschwäche und allgemeine Einschränkungen der Mobilität.

Vor diesem Hintergrund hat die Klinik für Neurologie, die seit 2016 von Prof. Dr. Daniela Berg geleitet wird, erstmalig in Deutschland eine eigene Professur für Neurogeriatrie und zugleich eine eigene neurogeriatrische Station mit zehn Betten eingerichtet. Das Besondere dabei ist, dass die Station zum einen darauf zielt, eine optimale individualisierte, altersgerechte und fachübergreifende Versorgung für geriatrische Patienten mit den oben genannten neurologischen Gebrechen anzubieten. Zum anderen arbeiten die Experten daran, die wissenschaftlichen Grundlagen weiterzuentwickeln und neue, strukturierte Behandlungskonzepte für neurologisch-geriatrische Erkrankungen zu erarbeiten. „Wir wollen nicht nur Erkrankungen bestmöglich behandeln, sondern auch verstehen, warum bestimmte Dinge im Alter nicht mehr funktionieren und was wir tun können, um den Menschen möglichst lange einen guten Gesundheitszustand mit hoher Lebensqualität im Alltag zu erhalten“, sagt Prof. Berg.

Um diese Ziele zu erreichen, werden die Patienten vor Beginn einer Behandlung sehr genau untersucht. „Die Eingangsuntersuchung wie auch die spätere Behandlung wird durch ein multiprofessionelles Team von ärztlichem Personal, Ergotherapie, Logopädie, Neuropsychologie, Pflegepersonal, Physiotherapie und Sozialdienst zusammen mit dem Patienten durchgeführt“, erläutert Prof. Maetzler. „Anhand der Wichtigkeit und Behandelbarkeit der Gesundheitsprobleme werden dann mit jedem Patienten individuell die Ziele abgestimmt, die im Verlauf des Aufenthaltes erreicht werden sollen und können.“

Im Verlauf der Therapie werden die Patienten in den Therapieplan aktiv eingebunden, mit Fokus auf Stärkung der Eigenmotivation und Eigeninitiative. „Es gibt jeden Therapieplan nur einmal, und der Therapieplan soll möglichst lange in den Alltag nachwirken“, sagt Prof. Maetzler. Dabei nutzen die Mediziner neueste wissenschaftliche Erkenntnisse, um beispielsweise neurologischen Ursachen von Stürzen auf den Grund zu gehen. „Wir verstehen zunehmend, wie das Gehirn des alternden Menschen funktioniert, warum es nicht mehr funktioniert und wie wir es trainieren können, damit es wieder funktioniert“, sagt Prof. Berg. „Dieses Wissen können wir einsetzten, um den Patienten die Rückkehr in einen selbstständigen Alltag zu ermöglichen und auch vorbeugend Folgeerkrankungen zu vermeiden.“

Behandlung und Therapiefortschritt werden mit den Patienten und innerhalb des multiprofessionellen Teams regelmäßig und strukturiert besprochen. Damit werden alle involvierten Personen auf dem aktuellsten Stand der Behandlung gehalten und alle ziehen „an einem Strang“. Je nach Bedarf werden strukturierte Angehörigengespräche angeboten. Das kann notwendig werden, wenn innerhalb des sozialen und räumlichen Umfelds des Patienten Umstrukturierungen sinnvoll oder notwendig scheinen. Auch die haus- und fachärztlichen Kollegen werden eng in das Behandlungskonzept einbezogen. Prof. Berg: „Unser Ziel ist es, alle Möglichkeiten für ein möglichst gutes und gesundes Altern zu nutzen.“

Weitere Informationen:
Klinik für Neurologie
Tel.: 0431 500-23804 
www.uksh.de/neurologie-kiel

Voriger Artikel
ANZEIGE
Anzeige
Mehr aus Fit & Gesund Kiel 2/3