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Die Landflucht der Ärzte

Schleswig-Holstein Die Landflucht der Ärzte

Viele Schleswig-Holsteiner haben das Gefühl, dass sie beim Arzt länger im Wartezimmer sitzen als früher. Dass ihr Arzt oft gehetzt wirkt. Dass es zu wenig Personal in den Krankenhäusern gibt. Betrachtet man die nackten Zahlen, hat sich die Versorgungssituation aber verbessert. Was kann das sein?

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Matthias Seusing ist froh: Der Kieler Hausarzt hat in Dr. Marie-Catherine Frederiksen eine Nachfolgerin gefunden. Er hatte sie vor einiger Zeit als Weiterbildungsassistentin ausgebildet.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Die Zahlen von Krankenhausgesellschaft, Kassenärztlicher Vereinigung und Ersatzkassenverband vdek offenbaren: In den Praxen im Land arbeiten heute 15 Prozent mehr Ärzte als 2009. Trügt die Patienten also ihr Gefühl? Nein, denn die Zahl der Arztstellen haben sich nur um sechs Prozent erhöht. Immer mehr Ärzte teilen sich also die Stellen und arbeiten Teilzeit – ein bundesweiter Trend.

Dennoch sind sechs Prozent mehr Arztstellen eine spürbare Verbesserung, könnte man meinen. Doch erstens gibt es immer mehr ältere und hochbetagte Patienten, die gleichzeitig unter mehreren schweren Erkrankungen leiden. Das erfordert mehr Zeitaufwand, mehr Zuwendung. Zweitens sind die zusätzlichen Stellen ungleich verteilt. Am stärksten haben die Psychotherapeuten-Stellen mit 16 Prozent zugenommen, die Anzahl der Köpfe sogar um 42 Prozent! Damit wurde zumindest teilweise eine Versorgungslücke geschlossen werden in einer Zeit, in der psychische Erkrankungen seit Jahren kontinuierlich zunehmen.

Mehr Fachärzte in Schleswig-Holstein

Ebenfalls gestiegen ist die Zahl der Stellen bei Fachärzten: Heute gibt es zehn Prozent mehr Stellen und 21 Prozent mehr Ärzte als 2009. Dennoch erleben gerade auf dem Land viele Patienten, dass es schwieriger wird, einen Facharzttermin zu bekommen. Das Gefühl trügt nicht. Denn immer mehr der 2900 Fachärzte praktizieren in den Städten.

Und wie steht es bei den Hausärzten? Dort gibt es weniger Stellen als 2009 und sogar zwei Prozent weniger Ärzte. 1991 waren niedergelassene Mediziner noch zu 60 Prozent Hausärzte und 40 Prozent Fachärzte. Heute hat es sich umgekehrt: 39,5 Prozent Hausärzten stehen 60,5 Prozent Fachärzte gegenüber.

Was sind die größten Probleme beim Hausarzt?


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Mit der hausärztlichen Versorgung sind die Menschen über 60 Jahren am zufriedensten. Die Fachärzte bekommen in der Altersgruppe der 30- bis 45-Jährigen die besten Noten. Im Krankenhaus fühlen sich die unter 30-Jährigen am besten versorgt. Mit steigendem Alter nimmt die Kritik an der stationären Versorgung zu. Einen Zusammenhang gibt es auch zwischen dem Alter und der Entfernung zum nächsten Hausarzt: Die Entfernung wird mit dem Alter zunehmend als Problem empfunden.

Bewerten Männer und Frauen die Situation unterschiedlich?

Ja. Frauen stehen der medizinischen Versorgung kritischer als Männer gegenüber. Besonders groß ist der Geschlechterunterschied bei der Krankenhausversorgung. Über 70 Prozent der Teilnehmerinnen haben überlastetes Pflegepersonal als größtes Problem genannt – der höchste Wert in allen Gruppen.

Wie fit fühlen sich die Schleswig-Holsteiner?

Mehr als die Hälfte der Teilnehmer schätzen bei der Umfrage ihren Gesundheitszustand als gut oder sehr gut ein. 30 Prozent nannten ihn zufriedenstellend und 14 Prozent weniger gut oder schlecht.

Was tun Sie für Ihre Gesundheit?
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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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