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Insekten und Algen - Essgewohnheiten ändern sich

Ernährung Insekten und Algen - Essgewohnheiten ändern sich

Tiefgekühlte Insekten-Burger aus dem Online-Versand und Algen aus der Gemeinschaftsküche. In 15 Jahren könnten sich viele Menschen in Deutschland so ernähren.

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Heuschrecken, Larven und Mehlwürmer könnten in Zukunft bei vielen Deutschen häufiger auf dem Teller landen - zumindest wenn eine Studie des Nestlé Zukunftsforums recht behält.

Quelle: Carsten Rehder

Frankfurt/Main. Die Essens- und Einkaufsgewohnheiten sollen sich nach einer repräsentativen Studie des

Nestlé Zukunftsforums mit dem Titel "Wie is(s)t Deutschland 2030?" grundlegend ändern und dabei zugleich individueller werden. "Ernährung wird zunehmend eine Frage der Weltanschauung", sagte Nestlé-Deutschlandchef Gerhard Bersenbrügge bei der Vorstellung der Studie. Viele Forscher sehen dies ähnlich. Wesentliche Trends zeichnen sich ab.

 

Vor allem würden Verbraucher emanzipierter, anspruchsvoller, differenzierter und weniger loyal, sagte Bersenbrügge. "Industrie und Handel werden vermutlich viel näher an den Konsumenten herantreten müssen", ergänzte Jens Krüger, Geschäftsführer des beteiligten Marktforschungsinstituts TNS Deutschland. "Ernährung wird gesünder, ethischer, aber auch leistungsorientierter", fasste es die Vorsitzende des Zukunftsforums, Ex-Familienministerin Renate Schmidt, zusammen. Laut Studie wollen immer mehr Verbraucher Ressourcen schonen, werteorientiert einkaufen und sich gesund ernähren.

Nach Einschätzung von Gerhard Rechkemmer vom Max Rubner-Institut für Ernährung und Lebensmittel in Karlsruhe werden "sehr individuelle Empfehlungen" unsere Nahrungsaufnahme beeinflussen. Sensoren messen den Ernährungsstatus jedes Einzelnen und teilen ihm online mit, was er wann essen sollte. "Dabei könnten Genuss-Aspekte in den Hintergrund treten", erklärte Rechkemmer. Für eine Reihe von Konsumenten werde eine "Ernährung zur Selbstoptimierung" 2030 attraktiv sein, sagte Krüger. Verbraucher hätten allerdings auch deutliche Vorbehalte gegen die Leistungsgesellschaft und den Umgang mit den Daten geäußert.

Die Kommunikation wird nach Einschätzung des Soziologen Alfred Fuhr in Zukunft im Mittelpunkt gesellschaftlicher Treffen stehen. Möglicherweise zieht sich dabei dann auch jeder seine Lieblingspizza aus dem 3-D-Drucker. "Technisch ist das kein Problem", erklärte Fuhr. Trotzdem fand das 3-D-Drucken von Fertigpizzen bei den Verbrauchern der Nestlé-Zukunftsstudie keinen großen Anklang. Einen hohen Stellenwert räumten Verbraucher derweil dem gemeinschaftlichem Essen ein. "Öffentliche Kantinen werden neu entstehen, mit stark individualisierten Angeboten", sagte Krüger. Zu Hause kocht die wachsende Zahl der Städter laut Studie aber bald in sehr kleinen, hoch technisierten Küchen.

Auch der Einkauf selbst verlagert sich. "Im stationären Lebensmitteleinzelhandel lassen wir uns inspirieren, die Grundversorgung kaufen die Deutschen online", ist ein Ergebnis der Studie. Der Soziologe Fuhr hält auch den bargeldlosen Einkauf in Sparten-Supermärkten für eine Variante. In Stoßzeiten steigen dort die Preise.

Das Zukunftsforum stell fest: "Algen und Insekten sind als Proteinlieferanten akzeptiert und bilden eine Symbiose zwischen Genuss und Ressourcenschonung." Auch der Soziologe Fuhr ist überzeugt, dass Algen bald in Farmen und auf Balkons angebaut werden und den Grundstoff für Fertigprodukte bieten.

"Insekten sind auf dem Teller nicht mehr erkennbar, sondern landen dort in veränderter Form", beschreibt Rechkemmer die Zukunft. Sie würden als Makronährstoffquelle für Proteine, Fette und Fettsäuren dienen. "Der Verzehr noch erkennbarer Insekten ist angesichts unseres kulturellen Hintergrunds in Europa schwierig." Ernährungswissenschaftler Guido Ritter von der Fachhochschule Münster hält dies dagegen für eine Gewöhnungsfrage, ähnlich wie bei Sushi mit rohem Fisch. Gourmet-Köche experimentierten ja bereits mit Insekten.

Fleisch aus dem Reagenzglas werde dagegen in absehbarer Zeit noch nicht auf den Tellern der Bundesbürger liegen, sind Ritter und Schmidt überzeugt. Dafür gebe es nicht nur zu viele technologische Hürden, sondern auch Zweifel am Genuss, sagt der Wissenschaftler. Schmidt meint: "Das ist noch ein bisschen Spinnerei und viel zu teuer."

dpa

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