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Vergessene Lektionen aus der Fahrschule

Verkehr Vergessene Lektionen aus der Fahrschule

Warum missachten Autofahrer Verkehrsregeln und bringen sich und andere in Gefahr? Viele vergessen, welche Verantwortung sie im Auto haben, glaubt Peter Glowalla, stellvertretender Vorsitzender der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände.

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Erst begleitet, später allein: Manche Tipps aus der Fahrschule verblassen mit der Zeit. Wer sie sich regelmäßig in Erinnerung ruft, fährt sicherer.

Quelle: Armin Weigel

Berlin. Die Folgen können gravierend sein: 2014 sind nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes 3368 Menschen auf deutschen Straßen ums Leben gekommen - mehr als ein guter Grund, in Vergessenheit geratene Regeln und praktische Tipps aus der Fahrschule zu reaktivieren, um sicher ans Ziel kommen. Eine kleine Gedächtnishilfe:

 

Die Zwei-Sekunden-Regel: Dichtes Auffahren ist laut ADAC-Unfallforschung die zweithäufigste Ursache für Crashs. "Um ausreichend Abstand zu halten, sollten sich Autofahrer die Zwei-Sekunden-Regel in Erinnerung rufen", sagt Kay Schulte, Referent im Bereich Unfallprävention beim Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR). Dafür zählen Autofahrer langsam bis zwei, sobald ein vorausfahrender Pkw einen Fixpunkt passiert hat, etwa einen Pfeiler oder ein Straßenschild. Sofern man die Sekunden herunterzählen kann, ohne dass das eigene Auto den Fixpunkt erreicht, genügt der Abstand. In Städten reicht eine Sekunde Abstand, aber laut Schulte nur unter einer Bedingung: "Man muss durch vorausfahrende Autos durchschauen können."

 

 

Das rechtzeitige Blinken: Kay Schulte nennt sie die Alibi-Blinker - Autofahrer, die den Blinker setzen, aber zu spät. Wer beim Blinken zögert, gefährdet andere, beispielsweise dann, wenn Pkw-Fahrer auf der Autobahn die Fahrspur wechseln und andere Fahrer zum Bremsen oder Ausweichen zwingen. "Viele Autofahrer vergessen, dass der Blinker eine Ankündigungsfunktion hat", sagt Schulte. Mit dem Lichtsignal informieren sie Verkehrsteilnehmer über ihre Absichten. "Sie bitten darum, etwas zu tun". Deshalb: Immer frühzeitig den Blinker setzen. Laut Bußgeldkatalog droht Autofahrern eine Strafe von mindestens zehn Euro, wenn sie bei einem Richtungswechsel überhaupt nicht blinken.

 

 

Der zweite Blick: Die Rechts-vor-links-Regel gehört zum Einmaleins des Autofahrens. Den Blick nach rechts an einer Kreuzung ohne Ampelschaltung und ohne Vorfahrtsschild beherzigen Autofahrer auch nach der Fahrschule, sagt Peter Glowalla. Aber: "Viele vergessen den zweiten Blick." Laut Glowalla schauen Autofahrer meist flüchtig in die Straße hinein, sichten im besten Fall die linke Spur und fahren dann weiter. Genau in diesem Moment ist die Gefahr aber groß, dass sich ein Auto von rechts nähert. Pkw-Fahrer sollten sich also keinesfalls auf den ersten Blick allein verlassen.

 

 

Das Ausfahren von Kurven: Häufig schneiden Autofahrer aus Bequemlichkeit die Kurve, wenn sie links in eine Straße einbiegen. Die Querkräfte sind dann geringer, der Weg ist kürzer. Was jedoch annehmlich ist, kann teuer werden. Wer den Fahrweg in einer Kurve verkürzt, verstößt gegen das Rechtsfahrgebot. Bringt er dabei andere in Gefahr, muss er mit einem Bußgeld von 80 Euro rechnen und mit einem Punkt in der Verkehrssünderkartei in Flensburg. "Viele gucken nicht richtig in die Straße hinein, in die sie fahren", sagt Präventionsexperte Schulte. Beim Abbiegen gilt es, den Gegenverkehr zu beobachten und die Kurve so gut wie möglich auszufahren.

 

 

Der Halte-Abstand: Auch bei Stillstand sollten Autofahrer einen Sicherheitsabstand wahren - egal ob an Ampeln, im Stau oder an Kreisverkehren. Etwa ein Meter sollte es sein, erklärt Schulte. Dabei helfe eine oft vergessene Faustregel: "Wenn man an ein Auto heranfährt, sollte man die Hinterräder des vorderen Autos gerade noch sehen können." Vor allem bei abschüssigen Straßen ist es wichtig, genug Platz zum Vordermann zu lassen. Denn Autos ohne Automatikgetriebe rollen zurück, wenn der Fahrer die Bremse nicht benutzt oder Probleme beim Anfahren hat.

 

 

Die Gelassenheit: "Autofahren müsste verboten werden, wenn man es heute erfinden würde", meint Fahrlehrer Glowalla. Viele Pkw-Fahrer sind - teilweise hoch motorisiert - zu schnell unterwegs und lassen sich zu riskanter Fahrweise hinreißen, manchmal aus Lust, manchmal aus Zeitdruck. Eine schwer vermittelbare und häufig vergessene Fahrschul-Lektion ist die Gelassenheit, sagt Gowalla. "Die Einstellung zur defensiven Fahrweise kann nur aus einem selbst heraus kommen."

dpa

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