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Sardinien - Smaragdküste und wilde Berglandschaften

KN- & SZ-Leserreise vom 17. bis 24 Mai 2012 Sardinien - Smaragdküste und wilde Berglandschaften

Wenn die sardischen Hirten mit  heiseren Stimmen ihre alten Lieder anstimmen und dann mit der Reiseführerin Eugenie ein wildes Tänzchen wagen, dann staunen nicht nur die Mitglieder unser KN- & SZ-Leserreise, die uns vom 17.-24. Mai nach Sardinien führte, sondern auch die halb wilden Schweine, die begehrlich auf die Teller lugen, auf denen sich allerlei Leckeres stapelt wie Spanferkel, Käse und Lamm. Dazu fließt der rote Landwein in Strömen und dann wird noch der landestypische Grappa, der Fil' e Ferru  ausgeschenkt, der hochprozentig die Sinne beflügelt. Er wurde zur Zeit des Alkoholverbotes heimlich gebrannt, in Kürbisse gefüllt und dann vergraben. Um ihn wieder zu finden wurde an dem Kürbis ein Eisendraht befestigt, daher rührt der Name

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Die leckeren gebratenen Spanferkel genau im Blick - auf der Leserreise nach Sardinien gab es kulinarische Köstlichkeiten.

Quelle: Torsten Gerhardt

Sardinien ist keine Sonneninsel, sie ist eine wilde Schönheit, die bezwungen werden will, die den Besucher aber auch bezwingen kann, das zeigt sie mit schlechtem Wetter, am nächsten Tag regnet es wie aus Kübeln, man ist versucht, die Arche Noah zu suchen. Stattdessen flüchten wir in ein Ausflugsboot, das uns zu den Neptunsgrotten führt. Auf einer schwankenden Gangway geht es in ein farbiges Paradies, Stakaliten hängen von der Decke, immer wieder öffnen sich ganz Säle mit immer wieder neuen Ausblicken. Schließlich empfiehlt die Führerin der Grotte doch lieber Neptun um gutes Wetter zu bitten, statt in Kirchen Kerzen zu entzünden.

Wenn aber der Mistral, der kalte Wind aus dem Norden, mit Kraft die Wolken vertreibt, dann liegt ein fast friedliches Blau über den Buchten, durch das sich die Segelboote gegen den Wind in Richtung zum nahen Korsika kämpfen. Und immer wieder keucht unser Bus die steilen Straßen hinauf zu Orten wie Castelsardo, die an den Hängen wie Adlerhorste kleben und in deren verwinkelten Gassen man sich verlieren kann, um sich dann in einer prachtvollen Kathedrale wieder zu finden.

Der Kontrast dazu ist die Costa Smeralda, die Smaragdküste mit ihren hübschen Städtchen, die sich sanft an die Hänge schmiegen, und mondänen Orten wie Porto Cervo, in denen sich in der Saison die Ferraris drängeln. Neu gebaut für den Jetset lehnt sich die Architektur aber angenehm an die inseltypische Bauweise an. Ganz anders wieder die Insel  La Maddalena, der wir uns nur mit der Fähre nähern können. Dort lädt das Museum Garibaldi auf einen Besuch ein. Garibaldi, der Kämpfer für die Freiheit Italiens litt schwer an Arthrose und so kann man seinen extra angefertigten Rollstuhl bewundern, mit dem er in den Kampf zog. Dieser ist neben dem Sterbebett ein Prunkstück in der Ausstellung.

Ein Besuch wert ist das Trachtenmuseum in Nuoro mit der umfangreichsten Sammlung volkskundlicher Exponate in Sardinien. Hier kann der Besucher sich hinter lebensgroßen Nachbildungen von Kostümen versteckt fotografieren lassen, um sich als sardischer Bandit oder grausiger Geist zu fühlen. Neben diesem Einblick in das Volksleben verzaubert die Insel durch seine Landschaften und die Planzenwelt, die um diese Jahreszeit mit ihren Farben prunkt. Das reicht vom Blütenzauber der Macchia über die Feigenkakteen bin hin zum Mispelbaum, der schon seine gelben Früchte trägt.

Die sardische Schriftstellerin Grazia Deledda (1871–1936), die 1926 Nobelpreis erhielt,  schreibt über Sardinien „„Ich habe in Berührung mit dem Volk und den schönsten und wildesten Landschaften gelebt, in die sich meine Seele versenkt hat und daraus ist meine Kunst entstanden, wie ein Lied, ein Motiv, das sich plötzlich von den Lippen eines primitiven Dichters erhebt.“ Von dieser Stimmung konnten auch wir uns auf unserer Reise einfangen lassen.

Torsten Gerhardt

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