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Umwelt

Umweltschützer finden Tropenholz in Kinderbüchern


Eines der beliebtesten Weihnachtsgeschenke ist plötzlich im Zwielicht: Für viele deutsche Kinderbücher wird nach einer Studie der Umweltorganisation WWF Holz im bedrohten Regenwald gerodet.
Kinderbücher als Umweltkiller - Besonders makaber: Mehrere der Titel erklären kleinen Lesern das Leben im Wald.

Kinderbücher als Umweltkiller - Besonders makaber: Mehrere der Titel erklären kleinen Lesern das Leben im Wald.

© Christiane Oelrich/Archiv

Berlin. Fast 30 Prozent der untersuchten Kinderbücher enthielten demnach erhebliche Mengen Tropenholz, vermutlich aus Südostasien.

Der World Wide Fund For Nature (WWF) nahm stichprobenartig 79 Buchtitel deutscher Verlage unter die Lupe. In 22 von ihnen wurden in Buchdeckeln oder Buchseiten entsprechende Fasern nachgewiesen - einzelne Bücher hatten einen Tropenholzanteil von bis zu 53 Prozent, wie es in der vorab bekanntgewordenen Studie heißt, die der WWF am Montag veröffentlichen will.

"Die Laboranalysen haben unsere schlimmsten Befürchtungen bestätigt", erklärte der WWF-Waldreferent Johannes Zahnen. "Ohne es zu ahnen, laufen Eltern und Großeltern Gefahr, dem Nachwuchs wahre Umweltkiller unter den Weihnachtsbaum zu legen."

Besonders negativ aufgefallen sei bei dem Test der Coppenrath Verlag aus dem westfälischen Münster. In sechs seiner Bücher habe man Tropenholz gefunden, zum Beispiel in "Das ist der Wald" und "Frohe Weihnachten, kleiner Bär!". Coppenrath-Sprecher Tomas Rensing erklärte der Nachrichtenagentur dpa, der Verlag habe bereits Kontakt zu seinen Lieferanten aufgenommen. Man arbeite eng mit den Herstellern zusammen, um Tropenholz-Fasern im Papier zu vermeiden.

Drei der kritisierten Bücher stammen von der arsEdition (München). Die genannten Titel "Der kleine König Hubert kennt die Uhr" und "Meine Streicheltiere" seien allerdings nicht mehr lieferbar, sagte Verlagssprecherin Britta Kierdorf. Das beanstandete Buch "Tiere im Wald - Was hörst du hier?" werde beim anstehenden Nachdruck mit nachhaltigem FSC-zertifiziertem Papier produziert.

Der zur Bertelsmann-Tochter Random House gehörende Verlag cbj (München), bei dem zwei Titel beanstandet wurde, erklärte, die aktuelle Studie liege ihm zwar nicht vor. Die Verlagsgruppe Random House unterstütze aber die Anstrengungen von WWF, Greenpeace und anderen Umwelt- und Naturschutzorganisationen zum Schutz von Alt- und Urwäldern. "Wir beziehen unser Papier ausschließlich von Lieferanten, die den Einsatz ihrer Ressourcen aus kreislauforientierter, nachhaltiger Forstwirtschaft nachweisen können", erklärte cbj-Sprecherin Renate Grubert. Die aktuellen Ausgaben der kritisierten Titel "Frag doch mal... die Maus! - Im Wald" und "Frag doch mal... die Maus! - Am Meer" seien komplett auf nachhaltigem FSC-Papier gedruckt.

Der Duden Verlag (Mannheim), der mit einem Buch auf der Negativ-Liste auftaucht, erklärte, man achte bei Auswahl der Materialien und Lieferanten auf höchste Standards. "So müssen unsere Lieferanten bereits bei der Produktentwicklung schriftlich die sogenannten "Purchase Terms and Conditions of German Children's Books Publishers" bestätigen, die unter § 3 den Einsatz von umweltfreundlichen Materialien vorschreiben und jeglichen Tropenholzanteil in den Materialien ausschließen", erklärte Tobias Kaase, Leiter Produktionsservice Bibliographisches Institut. Dieses Dokument liege auch für das beanstandete Buch "Schau doch mal! - Die Tierkinder" vor. Der Verlag wolle nun nochmals auf seine Dienstleister zugehen, um die Qualitätsstandards erneut zu überprüfen.

Hintergrund der hohen Trefferquote ist nach WWF-Angaben, dass deutsche Verlage Kinderbücher zunehmend in Asien produzieren lassen. So sei mittlerweile China zum wichtigsten Buchlieferanten für Deutschland geworden - und China importiere den für die Buchproduktion benötigten Zellstoff zum großen Teil aus Indonesien. Dort wiederum würden riesige Urwaldflächen illegal für die Papierproduktion abgeholzt. "Die Verlage lassen billig in Fernost produzieren und nehmen dabei wissentlich die Abholzung des Regenwaldes in Kauf", kritisierte Zahnen.

Besonders auf der indonesischen Insel Sumatra seien die Folgen des Raubbaus sichtbar. Die Insel sei vor wenigen Jahrzehnten noch nahezu vollständig bewaldet gewesen, so der WWF. In den vergangenen Jahren sei der Waldanteil auf unter 30 Prozent gesunken. Seltene Unterarten des Tigers, Orang-Utans und Elefanten drohten deshalb auszusterben.

Der WWF forderte eine Selbstverpflichtungserklärung der gesamten Branche, damit für deutsche Bücher kein Tropenwald mehr vernichtet wird. Die Umstellung auf nachhaltige Quellen wie Recyclingpapier oder FSC-zertifiziertes Papier aus nachhaltiger Holzwirtschaft sei längst problemlos möglich.

dpa

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