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Kiel Deftige Rechnung nach Mini-Kreuzfahrt
Kiel Deftige Rechnung nach Mini-Kreuzfahrt
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20:09 13.06.2018
Von Frank Behling
Wie auch in Flugzeugen fallen bei der Nutzung von Mobilfunknetzen auf Schiffen hohe Roaming-Gebühren an. Color Line versuche deshalb vorab, Passagiere auf ihrer Internetseite über mögliche Kosten zu informieren. Quelle: Ulf Dahl
Kiel/Oslo

Um das schnelle Internet ist es auf hoher See besser bestellt als auf dem flachen Land in Schleswig-Holstein. Aber Achtung. Auf See kann schnelles Internet auch horrende Kosten verursachen. Immer wieder folgt auf eine Seereise eine böse Überraschung für Handynutzer. Wer auf See mit seinem Smartphone ohne Prüfung der Datenverbindung ins Internet geht, kann schnell Kosten von mehreren 1000 Euro verursachen. Grund sind die an Bord vorhandenen Netze von Telefonabietern mit Satelliten-Verbindung.

„Wir erleben es immer wieder, dass Menschen dann plötzlich unbewusst Kosten in enormer Höhe produzieren“, sagt Vivien Rehder von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Inzwischen gibt es bei vielen Netzanbietern deshalb Warnmitteilungen, wenn bestimmte Kosten-Grenzen bei den Gebühren fürs Internet überschritten werden.

Diese Warnungen lassen sich aber auch ignorieren und sind für Kinder nicht sofort verständlich. So geschehen auch einer Familie aus Berlin. Kurz nach dem Urlaub bekam die Familie eine deftige Rechnung des Mobilfunkanbieters: 12.000 Euro für rund 470 Megabyte genutzte Daten. 

Horrende Rechnung nach Mini-Kreuzfahrt

Wie NDR 1 Welle Nord berichtet, tappte die Familie auf der Color Line in diese Kostenfalle. Dem zwölfjährigen Sohn war die Seereise von Kiel nach Oslo selbst zu langweilig. Er nutzte die Überfahrt zum Surfen im Internet und lud dabei laut NDR-Bericht mit mehreren Video–Filmen insgesamt 470 Megabyte an Daten aus dem frei empfangbaren Datennetz des Anbieters des Satelliten-Netzes runter.

Diese Netze sind inzwischen auf allen großen Fähren und Kreuzfahrern vorhanden, da Geschäftsleute diese Netze nutzen. Dabei handelt es sich um einen Service für Passagiere, die unterwegs dienstlich schnelles Internet benötigen.

Anwalt wurde eingeschaltet

Das Handy des Jungen habe sich offenbar in das über Satellit ausgestrahlte Mobilfunknetz „Telenor Maritime“ eingewählt, sagt der Geschäftsführer der Reederei, Dirk Hundertmark. Gemäß der Geschäftsbedingungen des norwegischen Mobilfunk-Betreibers entstanden dabei 12.000 Euro an Roaming-Gebühren.

Diese Summe hält der Anwalt der Familie für sittenwidrig und will dagegen vorgehen. Der Telefonanbieter der Familie hat den Rechnungsbetrag bereits aus Kulanzgründen auf 5000 Euro reduziert, doch auch das reicht dem Anwalt nicht.

„Wenn man so eine Rechnung bekommt, sollte man keineswegs sofort zahlen. Wir bieten da auch Beratung an und informieren über Möglichkeiten für Einsprüche“, sagt Vivien Rehder von der Verbraucherzentrale. Nicht selten gibt es es Möglichkeiten über einen Vergleich.

Gezahlt werden muss aber in jedem Fall ein Teil der Kosten, da die Tarife für Satelliten-Verbindungen deutlich höher als normale Funkverbindungen sind und auch nicht unter die Roaming-Regelungen der EU fallen sondern global von den Netzbetreibern festgesetzt werden. Dirk Hundertmark verweist auf die Reisehinweise der Reederei. "Auf unserer Internetseite www.colorline.de weisen wir ausführlich darauf hin, dass es durch die Nutzung des Mobilfunknetzes an Bord zu unerwartet hohen Kosten kommen kann. Zudem bitten wir unsere Kunden, sich vor Antritt der Reise nach den Roaming-Gebühren auf See bei ihrem jeweiligen Mobilfunkanbieter zu informieren."

Tipp: Mobile Daten ausschalten

„Wir empfehlen deshalb jedem Passagier die Überprüfung der Einstellungen im Smartphone oder dem Handy. Die Mobilen Daten lassen sich ja manuell abstellen“, so Rehder. Ohne Internet muss an Bord dennoch niemand reisen.

„Alle Reedereien bieten heute Internetpakete für die WLAN-Netze an Bord der Schiffe an, mit denen der Kunde zu festen Datentarifen das Internet nutzen kann. So lassen sich bösen Überraschungen sehr gut vermeiden und man hat eine Kostenkontrolle“, sagt Rehder.

Hinweis in Reiseunterlagen

Die Stena Line bietet dieses Netz an Bord kostenlos an. Nachteil ist hier jedoch die Bandbreite. Da das Datennetz für die Passagiere begrenzt ist, lassen sich hier Videos oder große Bilddateien nicht schnell runterladen.

Die Color Line versuche Passagiere vorab auf ihrer Internetseite über mögliche Kosten zu informieren, sagt Hundertmark. Es sei sehr selten, dass Passagiere sich unbemerkt in das Satellitennetz einwählten. Kunden würden per SMS von ihrem Anbieter über mögliche Kosten informiert.

„Das ist wirklich ein Extremfall, den die Familie da erlebt hat“, sagt der Geschäftsführer. Die Reederei versuche vorab zu informieren und biete kostenpflichtige WLAN-Pakete über ein internes Netzwerk als Alternative an.

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