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Kiel Sportklub für die kleinen Leute
Kiel Sportklub für die kleinen Leute
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10:00 13.02.2018
Von Karen Schwenke
Drei Frauen, deren Leben ohne den Sportverein anders verlaufen wäre (v.li.): Geschäftsführerin Birgit Kock, ihre Mutter Christa Röber und Kassenwartin Roswitha Knopf. Birgit Kock und Roswitha Knopf lernten im Verein auch ihre Ehemänner kennen. Quelle: Frank Peter
Kiel

 Genauso lange ist Christa Röber (82) dabei, davon 23 Jahre als Geschäftsführerin. Ohne die FT Adler wäre in ihrem Leben vieles anders gekommen. Sie hätte ihren Mann nicht kennengelernt, und auch ihre Tochter Birgit Kock (56), seit 20 Jahren Geschäftsführerin, hätte ihren Ehemann nie getroffen. Früher bedeutete das Vereinsleben eben noch mehr Gemeinschaft – es wurde nicht nur zusammen trainiert, es wurde gesungen, gefeiert, debattiert und gezeltet. „Der Turnverein war wichtig.“ Und wer sich engagierte, war es auch. Zu Hochzeiten zählte man 1000 Mitglieder, heute sind es 430. Wie fast alle Sportvereine in Kiel leidet die FT Adler unter Mitgliederschwund und einem Mangel an Ehrenamtlern.

In der Weimarer Zeit war die Freie Turnerschaft noch der größte Verein in Kiel. 1933 wurde er von den Nationalsozialisten verboten und enteignet. Nur die Vereinsfahnen konnten gerettet werden. „Ein Vereinsmitglied hatte sie im Garten vergraben, und nach dem Krieg wurden die wieder ausgebuddelt“, berichtet Christa Röber. Damals war sie zehn. Die Turnerlieder kann die 82-Jährige noch immer herunterbeten: „Turner auf zum Streite“ etwa oder „Wenn wir schreiten Seit’ an Seit’“. „Mein Vater war schon vor dem Krieg im Verein, wie die meisten Arbeiter im Stinkviertel“, sagt sie.

Die früheren Vereinsmitglieder riefen 1946 zur Neugründung des Vereins auf und gaben ihm den Namen „Freie Turnerschaft Adler von 1893“. „Die ersten Turnstunden hatten wir dann in der Kaserne Eichhof“, erinnert sich Christa Röber. „Aus den Trümmern haben unsere Väter die Turnhalle in der Humboldtstraße wieder aufgebaut.“ Auch wenn sie ihre ersten Sporthosen für den Feldhandball selbst stricken musste, für das Mädchen war es trotz des Mangels eine schöne Zeit.

Noch besser, nämlich „der Himmel auf Erden“, wurde es, als Vereinsmitglieder 1950 ein Zeltlager auf einer Halbinsel am Behler See bei Plön errichteten. Bis heute verbringen jeden Sommer 1000 Kinder und Jugendliche aus ganz Norddeutschland hier im Adlerhorst ihre Ferien und mehrere Kieler Familien den gesamten Sommer. Ehrenamtlich halten sie so den vereinseigenen Zeltlagerbetrieb aufrecht. Christa Röber gehört dazu. Bis zuletzt im Dauereinsatz für den Adlerhorst war auch ihr Mann. Im vergangenen September kam er von dort mit einer Lungenentzündung direkt ins Krankenhaus und verstarb. Röbers Tochter Birgit Kock lernte im Adlerhorst ihren Mann kennen, Kassenwartin Roswitha Knopf (70) ebenso. „Die Gemeinschaft ist unbeschreiblich“, behaupten die drei Frauen: „Das sagt jeder, der einmal dort war.“

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