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Kiel Anzeige gegen demenzkranke Kundin
Kiel Anzeige gegen demenzkranke Kundin
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08:00 27.11.2018
Von Karen Schwenke
Angezeigt wegen Ladendiebstahls und Körperverletzung, obwohl sie wie immer bezahlen wollte: Für Gisela Mackrodt (74), hier mit Ehemann Rolf, ist das eine Schmach. Bei ihr ist zuvor eine mittlere bis schwere Demenzerkrankung mit Sprachstörungen diagnostiziert worden. Quelle: Ulf Dahl
Kiel

Erst kürzlich habe ein Neurologe bei der 74-Jährigen mittlere bis schwere Demenz mit Sprachstörungen diagnostiziert, berichtet Tochter Martina Mackrodt. Bei den Vorkommnissen im Sky XXL-Supermarkt im Plaza-Center sei ihr "ganz großes Unrecht widerfahren“.

Denn Gisela Mackrodt wollte, wie jeden Wochentag, lediglich ein paar Lebensmittel im Supermarkt einkaufen. In dem offenen Eingangsbereich des Marktes wartete sie auf ihre Tochter. Dabei überschritt sie die Grenze zwischen Verkaufsraum und Einkaufszentrum, verließ also mit unbezahlter Ware (Knäckebrot, Butter, Äpfel) den Markt. Dies wurde vom Hausdetektiv als Ladendiebstahl gewertet.

Die demenzkranke Seniorin wehrte sich

Nach Aussage der Seniorin packte der Mann sie am Oberarm, er habe sie geschoben, auf sie eingeredet und wollte die Sachen aus ihrer Tasche nehmen. Die demenzkranke Frau wehrte sich, schimpfte und trat dem Detektiv gegen das Schienbein. Bevor sie das Plaza-Center verlassen musste, bezahlte sie ihre Einkäufe. Bestätigt wird der Vorfall so von Sabine Pfautsch, Sprecherin der Supermärkte Nord Vertriebsgesellschaft. Das Unternehmen der Rewe-Gruppe (ehemals Coop-, jetzt Sky-, bald Rewe-Märkte) schaltete die Polizei ein, erstattete Anzeige wegen Körperverletzung und Diebstahl und erteilte Hausverbot.

Schlichtungsversuche der Angehörigen blieben erfolglos

„Es ist beleidigend, Diebstahl zu unterstellen“, hält Ehemann Rolf Mackrodt (78) zu seiner Frau. Das Ehepaar ist seit 54 Jahren verheiratet. „Es sind rechtschaffene Leute. Der Mann hat 50 Jahre gearbeitet, und das Paar hat sich nie etwas zu Schulden kommen lassen“, berichtet ein Freund der Familie. Die Angehörigen informierten das Unternehmen über die Erkrankung und unternahmen mehrere Anläufe zur Schlichtung. Ohne Erfolg.

Auf öffentlichen Druck wurden die Anzeigen zurückgezogen

Erst auf Anfrage dieser Zeitung kam es dort zu einem Umdenken: „Nach interner Abstimmung zu dem Vorfall in unserem Plaza-Center teile ich Ihnen mit, dass wir auf die Strafanzeigen gegen die Kundin verzichten werden“, schreibt Sabine Pfautsch, Sprecherin der Supermärkte Nord. „Wir werden den Vorfall außerdem zum Anlass nehmen, unsere Mitarbeiter für den Umgang mit Demenzkranken zu sensibilisieren.“ Das Hausverbot sollte zunächst aber bestehen bleiben. Zu guter Letzt lenkte das Unternehmen aber ganz ein, erklärte den Vorfall mit „missverständlicher interner Kommunikation“ und hob das Hausverbot auf. Gisela Mackrodt hingegen kann den Vorfall trotz Demenz nicht vergessen, und möchte den Supermarkt vorerst nicht mehr betreten.

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