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Kiel Bewährungsstrafe für "Scheinhinrichtung"
Kiel Bewährungsstrafe für "Scheinhinrichtung"
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08:00 09.10.2018
Von Thomas Geyer
Trotz seines brutalen Vorgehens kam der gelernte Dachdecker am Amtsgericht Kiel mit einer Bewährungsstrafe davon. Quelle: Olaf Malzahn
Kiel

Für den Vorsitzenden des Schöffengerichts, Jörg Möller (67), gehört die „Scheinhinrichtung“, die der Angeklagte an seiner Ex-Freundin mit einer Schrotflinte nachts im Wald vollzog, zu den brutalsten Fällen seiner am Montag beendeten Richterlaufbahn. Denn die Verschleppung der Lebensgefährtin, auf deren Rücken der eifersüchtige Mann sein Gewehr in Stücke prügelte, liegt zwei Jahre und acht Monate zurück. Weder vorher noch danach sei der Handwerker strafrechtlich aufgefallen, so das Urteil. Das ist eine Erklärung für das milde Urteil.

Das Gericht verpflichtet den Täter, eine Therapie aufzunehmen

Der einmalige Ausraster könne sich jedoch in einer ähnlichen Konfliktsituation mit einer neuen Partnerin wiederholen. Das Gericht folgt daher dem Rat des psychiatrischen Sachverständigen Michael Jehs, dem Täter eine Therapie aufzuerlegen. Bis heute versteht der vaterlos aufgewachsene 32-Jährige angeblich selbst nicht, „was damals mit mir passiert ist“. Als sich die Mutter des gemeinsamen Sohnes (7) von ihm trennt, dringt er am späten Abend angetrunken in martialischer Aufmachung mit Kampfhandschuhen, Schreckschussrevolver im Gürtel und Messern sowie einer Schrotflinte im Kofferraum seines Pkw in die Kieler Wohnung von Bekannten ein, wo er die Abtrünnige vermutet.

Die Ex-Freundin wurde aus einer Kieler Wohnung entführt

Dort hilft die 29-Jährige gerade beim Renovieren, als er an der Haustür klingelt. Seine Anrufe hat die Frau bis dahin immer wieder weggedrückt, jetzt öffnet sie ihm die Tür. Ein Bundeswehrsoldat (27), der in der Wohnung beim Streichen hilft, bekommt den Revolverlauf so kräftig an die Stirn, dass er mit dem Hinterkopf an eine Wand schlägt. Die Mieterin ist bis heute traumatisiert, bricht während ihrer Zeugenaussage in Tränen aus. Auch sie wurde massiv bedroht: „Eigentlich müsste ich dich jetzt abknallen“, eröffnete er ihr mit wutverzerrtem Gesicht.

Der ehemalige Neonazi verschleppt die Frau in einen Wald bei Schierensee

Doch dann verlässt der Bewaffnete die Wohnung. Und nimmt die Ex-Freundin mit. Der ehemalige Neonazi, der seine rechtsradikale Gesinnung sowie seine Waffen- und Hakenkreuz-Sammlung inzwischen abgelegt haben will, fährt die Frau im Audi A8 nach Schierensee, schleppt sie zu Fuß in den Wald und stellt sie vor einen Baum. Er kündigt an, sie zu fesseln, zu töten und den Wildschweinen als Fraß zu überlassen. Dann zielt der ehemalige Bundeswehrsoldat mit der Schrotflinte auf die Ex-Freundin, fragt sie nach den Trennungsgründen und feuert aus nur anderthalb Metern Entfernung ab. Die Ladung kracht unmittelbar vor ihr in den Waldboden. Schließlich prügelt er mit dem Gewehr auf sie ein, bis es zerbricht. Aus Wut darüber schlägt er mit Fäusten weiter auf sie ein.

Der Täter lebt inzwischen in einem anderen Bundesland

Die von mehr als einem Dutzend Blutergüssen und Quetschungen gezeichnete Frau bringt er anschließend in seine Wohnung und hält sie fest, bis Zeugen vor der Tür stehen und ihre Freilassung fordern. Als die Polizei kommt, stellt sich der Täter. Er geht auf die Straße, kniet sich hin und faltet die Hände hinter dem Kopf. Noch bevor die Beamten zugreifen können, wird er vom Vater des Opfers und einem anderen Zeugen krankenhausreif geprügelt. Nach seiner Entlassung sitzt er zwei Monate in U-Haft. Laut Urteil steht der Angeklagte die nächsten drei Jahre unter Bewährung. Er lebt inzwischen in einem anderen Bundesland, hat eine feste Stelle und nach eigenen Angaben wieder eine Freundin.

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