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Kiel Dunkle Straßen schüren die Angst
Kiel Dunkle Straßen schüren die Angst
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07:29 26.01.2016
Von Carola Jeschke
Das Smartphone als einzige Lichtquelle: Yvonne Blust (26) ist froh, dass sie in der schlecht beleuchteten Projensdorfer Straße nicht komplett im Dunkeln steht. Quelle: Ulf Dahl

Viele Menschen finden Kiel bei Nacht zu dunkel und meiden schlecht beleuchtete Angsträume. Die energiesparende, „bedarfsgerecht“ eingesetzte LED-Technik, die in Kiel seit 2007 Licht ins Dunkel bringen soll, erhöht nicht gerade das subjektive Sicherheitsempfinden der Bürger und ist immer wieder Thema in den Ortsbeiräten. „Ich lebe seit drei Jahren in Kiel und finde es stellenweise ziemlich dunkel“, schreibt Facebook-Userin Cherry Darling. „Die Straßenlaternen erleuchten kaum Gehwege, einige Freundinnen wohnen in ziemlich dunklen Ecken.“ Auch Michaela Merz findet, „dass viele Wege momentan eher kritisch sind, zum Beispiel das Hindenburgufer, die Adalbertstraße mit dem Anscharkpark-Gelände oder die Ecke am Wasserturm vorbei, um zur Fähre zu kommen.“ Das mache ihr ein mulmiges Gefühl.

Stadt nimmt Kritik ernst

Kritik an der Straßenbeleuchtung nehme die Stadtverwaltung sehr ernst, sagte ein Sprecher. Regelmäßig würden sowohl die Ortsbeiräte als auch Bürger Mängel an die Stadt herantragen und deren Beseitigung fordern. „Das betrifft zumeist Bereiche, die als Angsträume wahrgenommen werden.“ Die Stadt prüfe die Situation vor Ort und erarbeite Verbesserungsvorschläge, „wenn dort keine Beleuchtung vorhanden ist oder der Kieler Standard nicht erfüllt ist.“ Letzterer steht für eine Mindestbeleuchtung, die „entprechend den Regeln der Technik“ in dem Beleuchtungsvertrag mit der swb Beleuchtung GmbH festgeschrieben ist. Die Stadt Kiel hat 2007 den Betrieb der Straßenbeleuchtung nach einem öffentlichen Ausschreibungsverfahren an die Bremer Stadtwerke vergeben.

Energie soll gespart werden

In den Jahren 2007 bis 2011 hat die swb rund 13000 der derzeit 20 500 Leuchten in Kiel ausgetauscht. Das Ziel, 37 Prozent Energie einzusparen, konnte sie nach Angaben der Stadt mit modernster LED-Technik und bedarfsgerechter Beleuchtung erreichen. Doch viele Bürger empfinden das gelbe Licht in ihrem Stadtviertel als dunkel und gedämpft – selbst wenn die Lux-Zahl gleich oder höher ist als die der alten Lampen. Kann die Stadt Lücken in der Beleuchtung nicht durch eine Sofortmaßnahme schließen, setzt sie das Projekt auf eine laufend aktualisierte Prioritätenliste. 2015 standen unter anderem die noch unbeleuchtete Marienstraße und der untere Klausdorfer Weg in Ellerbek, der dunkle Damaschkeweg in Hammer und der Düsternbrooker Weg zwischen Lindenallee und Carl-Loewe-Weg ganz oben. „Sicherheit und Energieeffizienz sind bei umsichtigem Handeln keine Gegensätze“, heißt es bei der Stadt.

Viele Frauen gehen trotzdem lieber auf Nummer sicher und nehmen für den Nachhauseweg ein Taxi. „Wir verzeichnen seit einiger Zeit deutlich mehr Kurzfahrten mit Frauen, vor allem rund um den Norder und in der Wik“, sagte Thomas Krotz vom Landesverband für das Taxi- und Mietwagengewerbe. „Manchmal nehmen sie ein Taxi für die letzten paar Meter vom Bus zur Haustür.“ Andrea Langmaack vom Frauennotruf Kiel warnt vor einer generellen Panikmache. „Sexuelle Belästigung hat es immer schon gegeben, das ist kein neues Phänomen.“ Es sei schlimm, wenn durch die aktuellen Übergriffe eine Welle losgetreten werde, die Dunkelheit mit Gefahr gleichsetze. „Die häufigste Gewalt tritt immer noch in der Familie und im privaten Umfeld auf.“

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