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Kiel Ex-Obdachloser aus Kiel kämpft weiter
Kiel Ex-Obdachloser aus Kiel kämpft weiter
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07:15 09.04.2018
Von Karina Dreyer
Bernhard Z. lebte viele Monate auf einer Bank in der Kieler Forstbaumschule. Nun hat er wieder eine eigene Wohnung in seiner alten Heimat in Nordrhein-Westfalen. Und er hat einen Personalausweis sowie einen Führerschein. Quelle: Karina Dreyer
Kiel/Moers

In seine neue, kleine Wohnung möchte Bernhard im Moment noch niemanden reinlassen. Da müsse noch einiges repariert werden. Es geht nur in kleinen Schritten voran, auch in seinem neuen Leben. Aber der 62-Jährige zeigt seinen neuen Personalausweis und Führerschein, beide Dokumente wurden ihm vor langer Zeit gestohlen.

In einer Zeit, als er nach einem „Burnout, wie das System es nennt“ in der Psychiatrie landete. Danach sei er 30 Mal in vier Jahrzehnten umgezogen, bleiben konnte und wollte er nie. In den letzten Jahren war er dann am liebsten allein und in der Natur unterwegs. Gelebt, so berichtete er damals den Kieler Nachrichten, habe er auf Friedhöfen, in Heimen für Obdachlose oder in Räumen der Stadtmission. Der Unterschlupf in städtischen Containern war ihm damals zu gefährlich, viel Gewalt habe es untereinander gegeben, auch jede Menge Diebstähle.

Berhards Bruder hat ihm eine kleine Zwei-Zimmer-Wohnung besorgt

Auch heute liegt Bernhard wieder im Clinch mit den Behörden, vor allem der Zugang zur Krankenkasse fällt wegen seiner Vorgeschichte und den verlorengegangenen Unterlagen schwer. „Zudem hat die Stadt Bernhard Wohnungen angeboten, die entweder zu teuer oder zu sanierungsbedürftig waren“, sagt sein Bruder Norbert, der ihn bei fast allen Behördengängen begleitet und ihm im Oktober über Bekannte eine kleine Zwei-Zimmer-Wohnung besorgte, die vom Amt bezahlt wird. Ebenso bekommt er rund 400 Euro im Monat für seinen Lebensunterhalt.

Draußen in Kiel, sagt Bernhard, sei es ihm besser gegangen

Norbert betrübt die Art, wie Ämter mit Obdachlosen umgehen. „Bist du erst einmal raus aus dem System, musst du dich mit dem Geringsten zufrieden geben, sonst wird dir nicht geholfen“, sagt Norbert. Seine Erfahrung: Man dürfe Obdachlose niemals ohne Hilfe zu einer Behörde schicken. „Da werden sie nur abgefertigt. Da findet sich selten einer, der sich mal bemüht oder die Rechtslage richtig kennt“, behauptet er.

Und wie fühlt sich Bernhard? Draußen sei es ihm besser gegangen, da wurde er wenigstens in Ruhe gelassen. Er sei immer schon ein Einzelkämpfer gewesen, der anderen lieber hilft, als sich helfen zu lassen. Ihm liege eines besonders am Herzen: „Man soll Obdachlosen schlicht und einfach nur mal in Ruhe zuhören, sie nicht anpöbeln oder angreifen, einfach nur mal neutral zuhören.“

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