Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Kiel Die Bürokratie spielt immer mit
Kiel Die Bürokratie spielt immer mit
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:00 06.03.2019
Von Michael Kluth
Beliebtes Spiel: Sobald ein Teilnehmer fünf Zahlen in einer Reihe mit einem Stein markieren kann, ruft er: Bingo! Quelle: Rob - stock.adobe.com
Kiel

Geplant war ein Bingo-Nachmittag des Sparclubs an einem Sonntag, gern mit vierteljährlicher Wiederholung. Gastwirt Dieter Blöhse (83) beschaffte auf eigene Kosten ein Ziehungsgerät für etwa 30 Euro. Die Spieleinsätze in Höhe von einem Euro pro Bingo-Karte sollten in voller Höhe als Jackpot an die Sieger ausgezahlt werden.

So einfach ist das nicht mit Bingo-Spielen

Ein verwaltungskundiges Clubmitglied wies indes darauf hin, dass so etwas wohl bei der Stadt anzumelden sei. Also rief der Sparclub-Vorsitzende Alfred Benende (56) beim Ordnungsamt an, um das gesellige Vorhaben ordnungsgemäß anzuzeigen. Doch so einfach ist das nicht. Die Hüter der öffentlichen Ordnung verlangten zunächst einen schriftlichen Antrag.

Die städtischen Beamten berufen sich auf den Erlass des schleswig-holsteinischen Innenministeriums über die „Genehmigung von Bingo-Ausspielungen als Kleine Lotterien nach Paragraf 18 Glücksspielstaatsvertrag“ vom 9. September 2016. Der Erlass ist acht Seiten lang. 

Wer darf, wer darf nicht?

Danach dürfen als Veranstalter nur gemeinnützige Vereine, freiwillige Feuerwehren und Gastwirte auftreten. Der Eintritt muss kostenlos sein. Der Spieleinsatz darf maximal sechs Euro betragen, dafür müssen mindestens 30 Spielrunden – das sind 90 Spiele – garantiert sein. 

Das Ordnungsamt muss so eine Veranstaltung in der Regel zuvor genehmigen. Es darf Gebühren dafür erheben. In Kiel sind es zehn Euro. Einem Veranstalter dürfen pro Jahr höchstens drei Spiele genehmigt werden. Einzelgewinne dürfen höchstens 60 Euro wert sein. Vor jeder Spielrunde sind die Gewinne bekanntzugeben. Das dürfen Lebensmittel, Gutscheine von Einzelhändlern und Sachpreise sein, nicht aber Bargeld. Der Reinerlös muss mindestens ein Viertel der Summe der Entgelte betragen und ist in voller Höhe für gemeinnützige, kirchliche und mildtätige Zwecke zu verwenden. Eine Abrechnung über die Ausspielung muss der Ordnungsbehörde vorgelegt werden. Ausnahmen von dieser Regelung sind geschlossene Gesellschaften in Bagatellfällen mit höchstens 50 Cent Einsatz und höchstens 500 Euro Umsatz.

Freundliche Sachbearbeiterin fand pragmatischen Ausweg

Zurück ins Harlekin. Dort hat am vergangenen Sonntag allen bürokratischen Widrigkeiten zum Trotz der erste Bingo-Nachmittag stattgefunden. Mit etwa 20 Teilnehmern. Es sei ein vergnügter Nachmittag gewesen, berichten Teilnehmer. Vom Ordnungsamt ließ sich niemand blicken. 

Die freundliche Sachbearbeiterin des Ordnungsamts fand nämlich zuvor einen pragmatischen Ausweg. Sie sagte am Telefon zu Alfred Benende, sie gehe einfach mal davon aus, dass es ein „überschaubarer Kreis“ sei, der sich zum Bingo-Spiel treffe, zudem außerhalb der Öffnungszeit der Gaststätte. Also eine geschlossene Gesellschaft, zudem ein Bagatellfall. Sie sind nicht genehmigungs-, sondern nur anzeigepflichtig. Ganz ohne Gebühren. Sie werde den Antrag also weder ablehnen noch genehmigen.

Tatsächlich öffnet das Harlekin offiziell erst um 20 Uhr. Die Sparclubberer spielten von 16 bis 20 Uhr. Aber die Spielkarten kosteten je einen Euro. Der Jackpot pro Runde betrug so um die 60 Euro. Immerhin wurde der Gewinn nicht in bar ausgezahlt, sondern in Lebensmitteln – im weitesten Sinne: Es gab Lokalrunden. 

Was lehrt uns die Geschichte? Dreierlei. Erstens: Wo kein Kläger, da kein Richter. Zweitens: Behörden können flexibel sein – und kundenfreundlich. Drittens: Den Spaß am Bingo-Spiel muss sich niemand nehmen lassen.

Übrigens: Aufatmen dürfen die meisten Senioren- und Pflegeheime. Wer Bingo zum Beispiel als Gedächtnistraining für die eigenen Bewohner anbietet und mögliche Preise aus der eigenen Kasse zahlt, betreibt offiziell kein Glücksspiel.

Weitere Nachrichten aus Kiel lesen Sie hier.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Kiel Kieler Forscher - Auf Spider-Mans Spuren

Die einen finden sie gruselig, die anderen denken sofort an Spider-Man: Spinnen scheinen sich nicht an die Schwerkraft zu halten. Kieler Forscher haben kürzlich entschlüsselt, warum die Tiere an Decken und Wänden haften - und dabei mit Röntgenlicht einen Blick auf die haarigen Beine geworfen.

Niko Rönnfeldt 06.03.2019

Die Kieler Feuerwehr ist am Dienstagabend zu einem Kellerbrand im Stadtteil Elmschenhagen ausgerückt. Die Löscharbeiten gestalteten sich schwierig: Die Einsatzkräfte konnten den Brandherd zunächst nicht finden. Die Ursache für das Feuer ist unklar.

05.03.2019
Kiel Kreisliga Mitte-Ost - Wiker SV triumphiert spät

Gespielt wurde in der Fußball-Kreisliga Mitte-Ost beim TuS Schwarz-Weiß Elmschenhagen, der den Spitzenreiter Wiker SV zu Gast hatte. Die Gastgeber verlangten den Primus in dieser abwechslungsreichen Partie alles ab und mussten sich erst in den letzten 120 Sekunden der Begegnung geschlagen geben.

Dieter Behrens 05.03.2019