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Kiel So dramatisch war es noch nie
Kiel So dramatisch war es noch nie
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09:34 07.12.2018
Die Bombe lag auf einem Minigolfplatz in der Pickertstraße in Kiel. Sie wurde erfolgreich gesprengt. Quelle: Frank Peter
Kiel

Die britische 500-Pfund-Fliegerbombe, die mitten in einem Wohngebiet im Bereich der Pickertstraße gefunden worden ist, „kann jeden Moment hochgehen“, sagt Polizeisprecher Oliver Pohl, kurz nachdem der Einsatz der Rettungskräfte begonnen hat.

Schnell ist den Spezialisten an diesem Tag klar, dass eine behutsame Entschärfung nicht möglich ist. „Weil die Bombe über einen Langzeitzünder verfügt und der Schlagbolzen bereits vorgespannt ist“ , könne sie nicht mehr bewegt und müsse vor Ort gesprengt werden, heißt es in der Auftaktmeldung der Polizei um 16.16 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt laufen die Räumungsvorbereitungen bereits auf Hochtouren.

Die Bombe liegt auf dem Minigolfplatz am Erich-Kästner-Weg. Alle verfügbaren Kräfte werden in das Einsatzgebiet gelotst. Auch auf dem Westufer sind überall Fahrzeuge mit Blaulicht zu sehen, die in Richtung Gaarden unterwegs sind. „Die Lage ist brisant und anders als bei allen anderen Entschärfungen, die wir je hatten“, sagt Oliver Pohl.

Sprengladungen wurden angebracht

Die Bombe liegt in vier Metern Tiefe. Spezialisten des Kampfmittelräumdienstes bereiten die Sprengung vor, indem Sprengladungen angebracht werden. Danach werden mit Hilfe der Feuerwehr zwei je zehn Tonnen schwere Wasserkissen auf der Bombe platziert. Die Sprengung solle um 20 Uhr erfolgen, heißt es zunächst. Doch die Räumung des Gebiets kostet mehr Zeit. Die Einsatzkräfte gehen von Haus zu Haus, um die Bewohner zum Verlassen der Gebäude zu bewegen.

Zum Nachlesen:
Der Liveblog zur Sprengung einer Bombe in Kiel

Polizeiwagen fahren langsam durch die Straßen und fordern 4900 Menschen auf, das Gebiet zu räumen. „Es wird auf jeden Fall einen Krater und Schäden geben“, warnt Oliver Pohl. Der Rat an die Gaardener: Fenster auf Kipp stellen, damit sie im Moment der Explosion nicht zerbersten. Auch ein Aldi-Markt wird geräumt. „Tut uns einen Gefallen: Verlasst den Bereich rund um die Bombe!“, flehen die Beamten auch über Facebook. „Es laufen immer wieder Leute in den Gefahrenbereich.“

Betroffene Anwohner werden in Sammelunterkunft versorgt

In der Ellerbeker Schule wird eine Sammelunterkunft eingerichtet. Die Schulmensa füllt sich langsam mit Kielern, die ihre Wohnungen verlassen mussten. Die Anzahl der Personen ist zunächst überschaubar. Kräfte des DRK versorgen die Bewohner mit Kaffee, Wasser und Süßigkeiten. Auch die Seniorenwohnanlage der Gemeinde St. Joseph am Ostring muss geräumt werden.

Der Ostring ist während des Abends gesperrt. Die KVG-Busse fahren Umleitungen. Um kurz nach 19 Uhr stoßen Oberbürgermeister Ulf Kämpfer und Sozialdezernent Gerwin Stöcken zu den Rettungskräften. „Die neue Leitstelle hat heute ihre Feuertaufe“, sagt Kämpfer – und lobt die Kieler dafür, dass sie verständnisvoll auf die Ausnahmesituation reagieren.

Sprengung verzögerte sich mehrfach

Die Sprengung verzögert sich mehrfach, weil immer wieder Menschen im Sperrgebiet entdeckt werden. Die Polizei reagiert zunehmend genervt und appelliert auf Facebook: „Mein Nikolauswunsch: Alle verlassen einfach mal freiwillig und ohne Diskussionen das Sperrgebiet.“

Um 22.14 Uhr ist es endlich soweit: Eine erste Rakete signalisiert den Beginn der Aktion, kurz darauf lösen Experten die Sprengung aus. Aber bis zum dritten Knall, der endgültig Entwarnung gibt, dauert es weitere 25 Minuten. Dann dürfen die Bewohner zurückkehren. Nur ein paar Dachfenster und -ziegel, so die erste Diagnose, sind zu Bruch gegangen. Kiel kann aufatmen.

Hier sehen Sie Bilder von der Evakuierung in Kiel-Gaarden.

Von Jördis Früchtenicht und Kristian Blasel

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