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Kiel Kieler Studierende im Widerstand
Kiel Kieler Studierende im Widerstand
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07:00 16.12.2015
Von Martina Drexler
Im Mai 2010 marschierten bis zu 14000 Studierende auf den Kieler Straßen bis zum Landeshaus, um gegen die Bildungspolitik von CDU und FDP zu protestieren. Quelle: Michael August
Kiel

Mal wurde die Mensa wegen schlechten Essens boykottiert, mal eine Rektoratsfeier durch gefälschte Eintrittskarten verhindert. Heute spielen Flashmobs eine wichtige Rolle. Anlässlich des 350. Universitätsgeburtstages stellen Masterstudierende am morgigen Donnerstag einen Sammelband über studentische Protestkultur vor, den sie selbst innerhalb zweier Semester erarbeitet haben. Fallbeispiele dokumentieren dabei Veränderungen, aber auch gleichbleibende Muster.

Der Sammelband „Macht, politische Kultur und Widerstand“ befasst sich mit Protesten seit dem Jahr 1945 bis heute. Ziel sei es, formulierten die 18 Studierenden des Faches Europäische Ethnologie/Volkskunde, zu zeigen, wie facettenreich die Universität als Raum sein kann: „Sie ist Treffpunkt verschiedenster Menschen, die seit jeher nicht nur zusammenkommen, um zu lernen, sondern auch um gemeinsam ein Forum für politische Auseinandersetzungen zu schaffen und somit im Laufe der Zeit immer wieder einen Teil zur gesellschaftlichen Innovation beitragen.“

 Unter der Leitung von Prof. Markus Tauschek starteten sie im Oktober 2014 das Projekt, begannen Bildmaterial, Flugblätter oder Gegenstände verschiedener Proteste zusammenzusuchen, sprachen mit Menschen, die selbst Teil der Aktionen waren. Der Band sei ein Versuch, zu verstehen, wie sich Studierende Handlungsräume politischer Kultur erobert haben, schreibt Tauschek im Vorwort. Für Student Jörn Borowski „war es ein unglaublich anstrengendes, aber auch bereicherndes Projektjahr. Wie sind oft an unsere Grenzen gestoßen, haben aber auch viel gelernt. Wir konnten erste Erfahrungen in einer groß angelegten Projektarbeit sammeln und sind stolz auf das Endprodukt.“ Er befasste sich mit dem Jahr 1965, als die Universität ihren 300. Geburtstag noch sehr traditionell feierte. Der Historiker Prof. Rainer Elkar beschrieb in dem Buch „Studieren in Kiel“, wie Professoren am 31. Mai 1965 im Talar, vorneweg die Träger der Universitätszepter, der Rektor und die Dekane mit Amtsketten feierlich durch dichte Scharen von Zuschauern zogen: „Rückwirkend möchte man sagen, damit war die Zeit des Wiederaufbaus beendet.“

 Denn dann kamen die 1968er, die mit dem Muff unter den Talaren Schluss machen wollten. Schon im Juni 1967 demonstrierten die Nachwuchs-Akademiker in Kiel friedlich gegen den Vietnamkrieg, gegen das Regime des Schahs, gegen Atombomben, für Freiheit und Demokratie in ganz Deutschland. Sie gedachten gleichzeitig in einem Schweigemarsch ihres in Berlin erschossenen Kommilitonen Benno Ohnesorg. In die Zeit früherer Generationen einzutauchen, fand Studentin Andrea Nolte besonders spannend: Zu „erforschen, wie Studieren für die Generation meiner Eltern gewesen ist. Zu sehen, wie dynamisch und bunt Uni sein konnte und dass Proteste wirklich auch was erreichen konnten“. Sie hatte sich hauptsächlich mit der Streikwoche an der CAU im Sommer 1969 beschäftigt. Damals verbarrikadierte sich der Politikwissenschaftler Prof. Michael Freund mit Studenten und Mitarbeitern im Institut, um trotz Streiks ein Seminar abzuhalten. Daraufhin besetzten die Studierenden das Institut mit Gewalt und nannten es Karl-Marx-Institut. Entgegen seiner Zusage klagte der Rektor hinterher 17 Studenten wegen Hausfriedensbruchs an. Die Verfahren wurden 1970 eingestellt.

 Danach trieben immer wieder Einsparungen, die Studienbedingungen oder drohende Kürzungen im Bildungsbereich Studierende auf die Straßen Kiels. Im Mai 2010 protestierten mehr als 14000 Studenten und Hochschulmitarbeiter. Es war die größte Demonstration an der Förde seit mehr als 30 Jahren.

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