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Kiel Viel geschafft und viel gelernt
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20:59 14.04.2016
Von Heike Stüben
Freiwillige um Faiza Tahir (vorne) von Kiel hilft Flüchtlingen betreuen inzwischen auch die Kleiderkammer in der Landesunterkunft im Niemannsweg. Quelle: Frank Peter

Jeder macht das, was er kann. Jeder hilft dann, wann es ihm passt. Unbürokratisch, unabhängig, unkonventionell. Das war die Grundidee des Netzwerkes, das über Facebook Kontakt hält und schnell und unkompliziert Flüchtlinge unterstützt. Doch wie sehr diese Idee den Nerv der Kieler Bevölkerung traf, das hatte niemand erwartet: In wenigen Monaten schlossen sich 13000 Bürger bei Facebook zusammen. Es wurden Sachspenden gesammelt, dann ein Lager in Hassee organisiert. Inzwischen läuft die Versorgung mit Kleidung professionell: In dem Lager in Gaarden werden Kleiderspenden mit einer ausgereiften Logistik so sortiert, verpackt und verwaltet, dass auf Zuruf sofort das geliefert werden kann, was die Flüchtlinge irgendwo im Land benötigen. „Wir beliefern 16 Unterkünfte und Initiativen in Kiel und Schleswig-Holstein, und es kommen noch neue dazu. Allein in diesem Jahr haben wir sechs Millionen Artikel von Socken bis zu Mützen weitergegeben“, sagt Studentin Faiza Tahir. Inzwischen wird von den Freiwilligen auch die Kleiderkammer in der Unterkunft am Niemannsweg mitbetrieben.

 Mit der Erfahrung wuchs aber auch die Erkenntnis: Nicht immer passen die Spenden und der Bedarf zusammen. Viel zu oft ist die Kleidung zu groß für die Flüchtlinge. Reagiert wurde mit zwei Maßnahmen: Erstens wird nur noch das angenommen, was benötigt wird. Und zweitens werden die „Ladenhüter“ auf dem Flohmarkt billig verkauft, um mit dem Erlös die benötigte Unterwäsche und ähnliches kaufen zu können. „Am Sonntag, 17. April, stehen wir wieder von 7 bis 16 Uhr auf dem Flohmarkt bei Ikea. Die Firma Hochberg spendiert uns dort einen 20-Meter-Stand, sodass der Erlös zu 100 Prozent in die Flüchtlingshilfe fließt “, sagt Faiza Tahir.

 Wurde im vergangenen Jahr auch noch viel Zeit in die Versorgung und Betreuung der Transitflüchtlinge gesteckt, kümmern sich die Ehrenämter jetzt immer stärker um Sprachunterricht und Freizeitgestaltung wie Sportangebote und Integration durch Selbsthilfe. Dabei geht es nicht darum, Flüchtlingen alles fertig vor die Nase zu setzen. Ganz im Gegenteil: Sie möchten gern mit anpacken, sich einbringen – das ist die Erfahrung von Kiel hilft Flüchtlingen. Deshalb werden Flüchtlinge zum Beispiel mit Werkzeug und Know-how dabei unterstützt, ihre Wohnungen zu gestalten und Fahrradunterstände zu bauen. Auch im Lager in der Preetzer Straße werden die Flüchtlinge immer stärker selbst aktiv – beim Sortieren der Kleidung, aber auch, indem sie dort Veranstaltungen wie Konzerte organisieren.

 Nach den ersten Monaten zeigte sich aber auch, dass es der Bürgerinitiative an einigen Möglichkeiten fehlte: Kiel hilft Flüchtlingen benötigt eine juristische Person, die Verträge eingehen kann, die Gelder verwaltet und auch die Haftung für mögliche Schadensfälle übernimmt. Vorübergehend waren der Paritätische, die Evangelischen Stadtmission und einige Privatpersonen eingesprungen. Weil das aber kein Dauerzustand sein konnte, wurde die Gründung eines gemeinnützigen Vereins auf den Weg gebracht.

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