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Kiel Hör-Feature mit Heimatgefühl
Kiel Hör-Feature mit Heimatgefühl
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10:04 06.09.2016
Von Kristiane Backheuer
Christian Bärmann freut sich über die frisch gepresste CD „Kiel unerhört!“. Der 48-Jährige ist freier Journalist und Autor diverser Hörbuch-Features. Quelle: Christian Bärmann

Was vielleicht auch ein bisschen an der genialen James-Bond-Stimme von Dietmar Wunder liegt. Der Hörbuchverlag Pit & Land hat es tatsächlich geschafft, die deutsche Stimme von Daniel Craig für das Kiel-Projekt zu gewinnen. Erzähler Dietmar Wunder ist ein Hörgenuss. Dazu kommen noch viele Originaltöne von bekannten Kielern, die eines eint: die Liebe zu ihrer Stadt. Ein Hör-Feature mit ganz viel „Kiel-Gefühl“.

 Sechs Jahre lang lebte der Autor und freie Journalist Christian Bärmann in Kiel, bis es ihn über den Umweg USA mit seiner Familie nach Hannover zog. „Dadurch hatte ich ziemlich viele Kontakte und konnte die meisten schnell überreden, bei dem Projekt mitzumachen“, erzählt der 48-Jährige. Die Liste der Interviewpartner liest sich wie das Who’s Who von Kiel: Der Autor Feridun Zaimoglu ist dabei, Alt-Oberbürgermeister Norbert Gansel, THW-Trainer Alfred Gislason, RSH-Moderator Volker Mittmann, Generalmusikdirektor Georg Fritzsch und, und, und... Mit insgesamt 22 Menschen sprach Bärmann, um die vielen Facetten der Stadt mit seinem digitalen Aufnahmegerät einzufangen.

 Der Autor berichtet von den Anfängen der Kieler Woche im Jahr 1882. Aus einem Zeitungsartikel zitiert er: „Das ist ein Stelldichein der wackeren Leute, die mit einem silbernen Teelöffel im Mund geboren wurden und nichts Besseres zu tun haben, als von Fest zu Fest zu ziehen.“ Wir erfahren, dass Meteorologe Meeno Schrader dafür plädiert, die Kieler Woche nach hinten zu verschieben, um den Regen zu umgehen. Tiffany-Sängerin Hanne Pries treibt die ewige Frage um, ob denn nun das Ost- oder das Westufer besser ist und kommt zu dem Schluss: „Letztendlich geht es um die Sonnenuntergänge, und die sind definitiv auf dem Ostufer schöner anzusehen.“ Wir hören, dass Generalmusikdirektor Georg Fritzsch sich in Kiel nie das „große Schocktheater“ vorstellen kann. Und dass Kiel für ihn nach B-Dur klingt – „nicht die Heldentonart, aber mit einem gewissen Schleier von Melancholie“.

 In lockeren Abständen gibt auch Museumsleiterin Dr. Doris Tillmann Informationen zur Geschichte Kiels. Vom Matrosenaufstand, der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg, dem Kieler Umschlag. Auch Kiels Ex-OB Norbert Gansel punktet auf der CD mit historischem Wissen. Gedanklich begleiten wir RSH-Moderator Volker Mittmann, wie er früher als Polizist einen Einsatz in der Hausbesetzerszene hatte: „Da hing doch tatsächlich im Badezimmer über der Badewanne ein Boiler mit dem Aufdruck ,Beim Orga bitte nicht an Boiler packen’. Damit war natürlich der Orgasmus gemeint.“ Kollege André Dostal von Radio Bob erinnert sich an die Bergstraße mit ihren Discotheken, an „das primitive, lebendige und kreative Image“. Verrucht, geheimnisvoll und mit klebrigen Fußböden. „Ich wundere mich heute noch, dass meine Eltern mich da damals hingelassen haben“, sagt er. „Ich hab’ mich immer gefragt, was ist da noch drin? Das muss ja ein Besoffener gebaut haben. Man dachte immer, das geht da noch 20 Kilometer weiter nach unten. Total irre. Da würde ich gerne mal alle Türen aufgeschlossen bekommen.“

 Autor Feridun Zaimoglu erzählt von seiner brennenden Liebe für den Norden, auch wenn „Kiel zu wulstig für eine Muse ist. Hier wird einem nichts geschenkt. Hier muss man sich das Glück und Unglück selbst verdienen“. Sogar einem Gericht für Kiel ist Autor Christian Bärmann auf der Spur. Fernsehkoch und Restaurantinhaber Olaf Hertlein sieht Kiel kulinarisch aufbereitet als Schnitzel mit Pommes. Ob das die Fischköppe gerne hören? Immerhin bekannten die Interviewpartner, dass sie keine Kieler Sprotten essen. Es sei denn, die aus Schokolade.

Hörbuch-Feature „Kiel unerhört!“, Hörbuchverlag Pit&Land, 138 Minuten. Die CD gibt es in der Kundenhalle der Kieler Nachrichten. UVP: 14,90 Euro.

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