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Alle einig: Der Alte Markt vermüllt

Diskussion um Pavillons Alle einig: Der Alte Markt vermüllt

Zum ersten Mal diskutierten Gegner und Befürworter der Pavillons am Alten Markt. Bürger und Fachleute waren sich einig, dass der historische Platz im Herzen Kiels in einem desolaten Zustand ist. „Wir haben eine Vermüllung des Platzes und der Fassaden“, sagte Denkmalschützer Michael Paarmann.

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Die Diskussion um die Pavillons am Alten Markt in Kiel war emotional.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Die Diskussion zwischen Gegnern und Befürwortern der Pavillons auf dem Alten Markt war schon fortgeschritten, da stand Architekt Jürgen Baade aus dem Publikum auf und gab offen zu: „Die Dächer der Pavillons sollten eigentlich eine grüne Patina entwickeln. Da ist etwas schiefgelaufen." Baade hatte in den 70er Jahren in dem Büro von Wilhelm Neveling an dem Entwurf der Pavillons mitgearbeitet.

Betraf es anfänglich nur die Farbe der Pavillondächer, läuft seit vielen Jahren die Entwicklung des gesamten Platzes schief, waren sich die rund 150 Bürger im Publikum und acht Fachleute auf dem Podium einig. Vor allem die jetzige Nutzung wurde bemängelt, außerdem der schlechte Zustand der Gebäude und die vielen Reklameschilder. „Die beste Architektur hat keine Chance, wenn sie nicht adäquat bespielt wird“, fasste ein Kieler zusammen. „Die Pavillons sind nicht das große Problem am Alten Markt", sagte auch der Leiter des Landesamtes für Denkmalschutz Michael Paarmann und bemängelte hingegen die „Vermüllung“.

Wie er kritisierten viele die Tristesse, die Unruhe und die unzeitgemäße Nutzung des Alten Marktes. Einige sagten, sie könnten sich einen Neubeginn nur ohne die Pavillons oder wenigstens mit einem Teilabriss vorstellen. Hingegen argumentierte andere mit Leidenschaft für den Erhalt der Glasbauten. „Ich habe die Pavillons lieben gelernt, sie sind wie Diamanten", schwärmte beispielsweise ein Anwohner der Altstadt, „nur die Dächer erdrücken einen, wie wäre es, wenn man sie mit Blattgold belegt?" Aber auch andere Wortmeldungen waren durchaus emotional: „Ich habe dieses Haus, als es neu war, geliebt: Hier konnte man stundenlang Platten hören bei Kihr Goebel", erinnerte sich ein Mann; und eine Frau, die den Neubau der Pavillons miterlebt hatte, meinte: „Wir haben den Platz damals bejubelt. Er wurde in der Folge immer genutzt. Jetzt ist aber nicht mehr attraktiv, sich hier aufzuhalten."

Der Vorschlag einer Frau, die Pavillons doch zu versetzen („Auf das Uni-Gelände würden die eher hinpassen“), brachte Beifall und Gelächter folgte dann auf den spontanen Kommentar von Oberbürgermeister Ulf Kämpfer: „Nach Molfsee könnten wir sie versetzen.“ Ob das Freilichtmuseum oder ein anderer Ort, das kommt für die Denkmalschützer ebenso wenig in Frage, wie ein Teilabriss. Mit sich reden lässt Denkmalschützer Paarmann aber bei der Frage der Dachfarbe: „Warum sollen wir nicht darüber nachdenken, uns von diesen schwerlastenden braunen und durch Tränen beeinträchtigte Kupferdächern zu trennen. Nicht, dass wir sie abreißen, aber man könnte sie farblich neu inszenieren.“

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