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Kiel Anklage will lebenslange Haft für Mord
Kiel Anklage will lebenslange Haft für Mord
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17:31 24.04.2018
Der Prozess wird am Kieler Landgericht verhandelt.  Quelle: Carsten Rehder/dpa
Kiel

Es ist eine schreckliche, eine monströse Tat. Das räumt vor dem Kieler Landgericht selbst der Angeklagte ein. Es ist eine Tat, die weit über Kiel hinaus Abscheu und Entsetzen auslöste. Staatsanwältin Barbara Westermeyer lässt am Dienstag vor dem Kieler Schwurgericht auch keinen Zweifel an ihrer Deutung des Verbrechens: Sie fordert lebenslange Haft für heimtückischen Mord, begangen aus niedrigen Beweggründen.

Einen Totschlag im Affekt und eine verminderte Schuldfähigkeit schließt die Anklägerin ausdrücklich aus. Sie stützt sich dabei auch auf den psychiatrischen Gutachter, den die Verteidigung mehrfach vergeblich als befangen ablehnt.

Die Tat sei aus Hass begangen und geplant worden, sagt Westermeyer. Das Opfer trennt sich nach über 15 Jahren Ehe von ihrem gewalttätigen Ehemann. Sie stellt Strafanzeigen, so auch, als er sie in einem als Versöhnung geplanten Heimaturlaub in der Türkei erneut brutal vor den Augen der Kinder misshandelt. Einen Tag vor dem Verbrechen erhält der Angeklagte den Gerichtsbescheid, der seiner Frau das alleinige Sorgerecht für die Kinder zuspricht.

Mutter verblutet am Tatort

"Er wollte Macht ausüben und Kontrolle zurückerhalten", sagt die Staatsanwältin. Der Ehemann habe das Keramikmesser mit der 20 Zentimeter langen Klinge von zu Hause mitgebracht, als er seine Frau und den jüngsten, damals fünfjährigen Sohn auf dem Weg zum Kindergarten abpasst. Er will gegen den Willen seiner Frau mit dem Kleinen zum Friseur. Als sie das für diesen Tag untersagt, kommt es zum Streit. Sie geht weiter, er folgt ihr, bringt sie zu Fall und sticht wieder und wieder zu, schildert die Staatsanwältin die grausige Tat. Er durchtrennt beide Halsschlagadern und die Halsvenen. Die Mutter seiner drei Kinder verblutet am Tatort.

Nach muslimischer Tradition sei die 34-Jährige wie ein Lamm geschächtet worden, beschreibt es die Rechtsanwältin der Schwester der Toten. Sie ist eine der Nebenklägerinnen in dem Verfahren. Die drei schwer traumatisierten Kinder leben inzwischen bei ihr. Alle sind in therapeutischer Behandlung.

Für die Mutter der Toten bricht mit der Tat ihre Welt zusammen. Sie hätte ihre Tochter nach der Gewalttat in der Türkei nie wieder nach Deutschland zurücklassen dürfen, bedauert sie in einem Brief, den ihr Anwalt vor Gericht verliest. Sie nennt den Angeklagten ein "Monster von einem Ehemann" und einen "Unmenschen", der ihre "Tochter geschlachtet" habe.

Verteidigung hat schweren Stand

Angesichts des schriftlichen Geständnisses des Angeklagten und der fortdauernden Emotionen im Gerichtssaal hat die Verteidigung schweren Stand. Verteidiger Bernd Wagner appelliert an das Gericht, eine tiefgreifende Persönlichkeitsstörung des Angeklagten nicht auszuschließen und bei der Strafzumessung eine Affekttat zumindest ins Kalkül zu ziehen. Das wäre dann Totschlag, für den maximal 15 Jahre Haft drohen. Ein konkretes Strafmaß stellt der Verteidiger ins Ermessen des Gerichts.

Er betont, dass der einst beruflich erfolgreiche Angeklagte durch eine Krankheit schwer behindert und depressiv sei. Der Mann habe «keinen Hass auf seine Frau» gehabt, «keinen Vernichtungswillen», sagt Wagner. Er habe aber durch sein Verhalten in der Ehe sein Leben schon vor der furchtbaren Tat ruiniert. Mit Blick auf die drei Kinder habe der Mann noch eine letzte Chance gewollt. Dem sonst ohne sichtbare Emotionen dasitzenden Angeklagten laufen bei dem Plädoyer Tränen über die Wangen. Im Prozess äußerte er sich nicht direkt udn verzichtet auch auf sein Schlusswort. Das Schwurgericht will das Urteil am 3. Mai verkünden.

Von KN-online

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