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Kiel Zeuge soll Verfahren in Gang bringen
Kiel Zeuge soll Verfahren in Gang bringen
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07:00 05.09.2018
Von Frank Behling
Dieses Bild zeigt Jenny Böken auf der "Gorch Fock" einige Wochen, bevor sie in der Nacht vom 3. auf den 4. September 2008 über Bord des Segelschulschiffes ging. Doch was der Grund? Quelle: Uwe Böken
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Kiel

Die Eltern der Kadettin Jenny Böken lassen nicht locker. Sie wollen weiter, dass es ein Gerichtsverfahren gibt, in dem die genauen Vorgänge geklärt werden, die zum Tod ihrer Tochter in der Nacht vom 3. auf den 4. September 2008 führten. Damals war das Segelschulschiff „Gorch Fock“ der Marine vor den ostfriesischen Inseln unterwegs, als kurz vor Ende der Wache gegen 23.45 Uhr die 18 Jahre alte Offizieranwärterin über Bord ging. Was aber war der Grund?

„Die Eltern schöpfen jetzt neue Hoffnung“, sagt Anwalt Rainer Dietz. Ein Zeuge hat sich an die von den Eltern betriebene Stiftung gewendet. Es ist ein junger Mann, der im August 2008 ebenfalls Bundeswehrsoldat war und mit Jenny kurz vor der Fahrt eine Beziehung hatte. „Der Zeuge war aber nicht bei der Marine und war auch nicht auf der ,Gorch Fock‘“, stellt Dietz klar. Der Zeuge habe kurz nach dem Tod von Jenny Besuch durch Angehörige der Bundeswehr bekommen, die ihn zu Jenny befragt und dabei dubiose Anspielungen gemacht hätten.

Zeuge hatte Jenny Böken auf dem Bahnhof kennengelernt

Der junge Mann habe dabei das Wort Mord gehört. Das hat er in einer eidesstattlichen Aussage zu Papier gebracht. Dietz: „Wir wollen nur klären, was die Anspielungen der Soldaten zu bedeuten haben, die bei dem Besuch unseres Zeugen gemacht wurden.“

Der Zeuge hatte Jenny vor einer Abschiedsfeier auf dem Bahnhof in Düsseldorf kennengelernt. Jenny habe ihn dann mit zur Party genommen, so Dietz. Dabei seien auch andere Soldaten zugegen gewesen, und es sei getrunken worden. Die Feier habe aber nicht an Bord des Schiffes stattgefunden, sondern in einer privaten Wohnung in Düsseldorf. Bei dieser Feier sei man sich näher gekommen und es sei zum  Geschlechtsverkehr mit dem Zeugen gekommen. „Es gibt jedoch keine Anhaltspunkte für eine Vergewaltigung“, so Dietz.

Anwalt: Wir hoffen auf Wiederaufnahme des Verfahrens

Um aber die Fragen zu dem Besuch der Soldaten nach dem Tod aufzuklären, habe der Anwalt die zweiseitige Aussage mit den Schilderungen der Befragung durch die Soldaten und der Bekanntschaft mit Jenny an die Staatsanwaltschaft Kiel geschickt. „Wir hoffen jetzt auf eine Wiederaufnahme, damit endlich Befragungen der Verantwortlichen erfolgen können. Es ist einfach nicht hinnehmbar, dass eine Soldatin auf See einfach von einem Schiff der Marine verschwindet und die Ermittlungen dann irgendwann einfach beendet werden, so der Anwalt.

Die Marine verweist auf die abgeschlossenen Ermittlungen. „Wir werden die Strafverfolgungsbehörden natürlich unterstützen“, so Marinesprecher Johannes Dumrese. Bislang seien aber alle Untersuchungen bei der Bundeswehr zu dem Schluss gekommen, dass im Fall Jenny Böken kein Fehlverhalten von Angehörigen der Marine vorliege.

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