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Der Wächter über das Wasser

Kieler Experten Der Wächter über das Wasser

Wenn auf einen Menschen die Behauptung, er könne kein Wässerchen trüben, zutrifft, dann auf Gunnar Bandholz. Das ist irgendwie auch klar, Bandholz ist Wächter über das Kieler Wasser. Bei den Stadtwerken sorgt er seit 1997 dafür, dass die gesetzlichen Verordnungen eingehalten werden.

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Seit 1997 sorgt Gunnar Bandholz bei den Kieler Stadtwerken dafür, dass die gesetzlichen Verordnungen nicht nur eingehalten, sondern übertroffen werden.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Was aus den Hähnen in 180000 Küchen und Bäder sprudelt, ist geschmacklich top und frei von unschönen Rückständen. Gunnar Bandholz weiß ziemlich viel über Förderung, Aufbereitung und Überwachung des lebensnotwendigen Elements. Als Betriebsmeister mit einem Team von 14 Kollegen analysiert er Wasserproben und füttert die Datenbank. Er kann erklären, wie Mangan und Eisen aus dem Rohwasser gefiltert werden, und er kennt die geologischen Gegebenheiten, aus dem dieses mineralhaltige Rohwasser den Weg in die großen Becken in Schulensee oder Schwentinental findet.

Was wir trinken, kam teilweise als Regen auf die Erde

Die Schichten, in die die Stadtwerke mit ihren Brunnen vordringen, liegen in maximal 240 Metern Tiefe und gehören zum sogenannten Kiel-Bramstedt-Trog. Diese mit der Eiszeit entstandenen Mammut-Mulde verläuft über Bad Bramstedt, Neumünster und Bordesholm nach Kiel und mündet in die Ostsee. Was nach oben gefördert wird, ist zuvor in Jahrzehnten gemächlich durch Kies- und Tonschichten unten angekommen. „Ein Regentropfen“, sagt Gunnar Bandholz, „legt pro Jahr in Kies etwa einen Meter zurück und in Ton zehn Zentimeter.“ Was wir heute trinken, kam also teilweise als Regen auf die Erde, als die wuchtige Gasförderpumpe der Gebrüder Körting 1909 im „Werk Schwentinetal“ noch gar nicht montiert war. Heute ruht die monumentale Anlage in der unter Denkmalschutz stehenden großen Maschinenhalle, die Arbeit verrichtet ein Computer gesteuerter Kollege.

Wer das Gebäude betritt, in dem das Grundwasser aufbereitet wird, fühlt sich sofort an seinen früheren Chemieunterricht erinnert. Es riecht stark nach Schwefel, das gemeinsam mit Eisen aus Pyrit gefiltert wird. Diese Aufgabe übernehmen in den großen Betonbecken Millionen von Mikroorganismen. Für Gunnar Bandholz sind sie fast die liebsten Mitarbeiter. Ihr nasses Zuhause sind die 60 Tonnen Kies, die den Boden jedes Beckens bilden. „Unser Filterkies ist das wertvollste, was wir haben, es dauert nach einem Wechsel rund sechs Monate, bis sich wieder genügend Mikroorganismen angesiedelt haben.“ Dann heißt es, Ruhe zu bewahren. Bevor die entnommenen Proben nicht bezeugen, dass das Wasser nicht nur sauber, sondern rein ist, fließt es nicht zum Endverbraucher.

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Ein Artikel von
Gerhard Müller
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