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Kiel Eigentümer greifen zum Farbeimer
Kiel Eigentümer greifen zum Farbeimer
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08:13 07.09.2015
Von Paul Wagner
Fast schon Kunst in der Lantziusstraße 59: Nach dem Entwurf von Bewohnerin Birgit Weber (links) griffen ihre Tochter Junit (links im Fenster) und Freundin Hannah Freudenberg zum Pinsel und bemalten die Hausfassade. Quelle: Ulf Dahl
Kiel

„Welche Farbe jemand seinem Haus gibt, ist natürlich Geschmackssache. Und darüber lässt sich bekanntlich streiten“, sagt Dirk Lübke, Obermeister der Kieler Maler-Innung. „Eine gewisse Entwicklung hin zu mehr Lebendigkeit lässt sich jedoch bei der Farb-auswahl erkennen.“ Der Experte gibt jedoch zu bedenken: „Eine Außenwirkung ist immer etwas anderes als in den eigenen vier Wänden.“ So sei es immer möglich, dass kräftige Fassadenfarben auf die Wohnbereiche der Nachbarn abstrahlen. „Dann haben sie plötzlich auf der Terrasse oder im Wohnzimmer einen ständigen Blauschimmer vom Haus ihres Nachbarn“, nennt Lübke ein Beispiel.

 Es gebe gute Gründe dafür, dass sich bei der Fassadengestaltung hierzulande eher schwache und bedeckte Farben durchgesetzt hätten. „Gelb ist nicht gleich gelb“, sagt Lübke. „Da gibt es große Unterschiede.“ Deshalb sollten sich alle, die ihrer Fassade farbliche Akzente verpassen wollen, vorher beim Fachmann informieren, rät der Innungschef.

 Neben der richtigen Farbwahl müssen sich Hausbesitzer auch mit den rechtlichen Vorschriften beschäftigen. Zwar herrsche in Kiel nach Angaben der Stadtverwaltung „grundsätzlich Baufreiheit“, und es gibt keine allgemeinverbindlichen Vorgaben zur Fassadengestaltung. Doch eine Reihe von Bebauungsplänen begrenzen die Gestaltung der Fassaden. Meist betrifft dies Wohngebiete mit einem einheitlichen Erscheinungsbild wie zum Beispiel die Gartenstadt in Elmschenhagen. Dort sind vielerorts nur minimale Akzente bei Fenstern, Türen oder Vordächern erlaubt. Ein pinkfarbenes Haus wäre dort tabu.

 Des Weiteren findet sich nach Angaben der Stadt in der Landesbauordnung das sogenannte „Verunstaltungsverbot“. Dort heißt es: „Bauliche Anlagen müssen nach Form, Maßstab, Verhältnis der Baumassen und Bauteile zueinander, Werkstoff und Farbe so gestaltet sein, dass sie nicht verunstaltet wirken. Bauliche Anlagen dürfen das Straßen-, Orts- und Landschaftsbild nicht verunstalten.“ Auch für Stadtbaurat Peter Todeskino (Grüne) ist es klar, dass sich über Geschmack trefflich streiten lasse. Er weist jedoch darauf hin, dass die Außenfassade eines Hauses immer auch Bestandteil des öffentlichen Raums sei und von der Öffentlichkeit wahrgenommen werde. „Überschießende Individualität ist hier eigentlich nicht gefragt“, so der Bürgermeister. Wie man es besser macht, zeige ein Projekt der Landeshauptstadt Kiel mit der Malerinnung. Gemeinsam sei für die Calvinstraße ein auf den Straßenzug abgestimmtes Farbkonzept entwickelt worden, um den Einsatz von Wärmeverbundsystemen zu steuern. Ein massenhafter Einsatz von Gestaltungssatzungen schließe sich aber aus, schon allein, weil es bislang bei Einzelfällen geblieben ist.

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