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Kiel Kay Kramm verlässt die "Firma"
Kiel Kay Kramm verlässt die "Firma"
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10:00 31.08.2018
Von Niklas Wieczorek
Hier war er der Herr: Im Hintergrund das Kieler Rotlichtviertel an der Straße Wall, wo Kay Kramm mit seinen Kollegen viele Razzien gefahren hat. Quelle: Thomas Eisenkrätzer
Kiel

Die Bordellmeile Kieler Küste, die Partymeile Bergstraße, die Demomeile Bahnhof-Landeshaus und der THW Kiel: „Bis auf das Holstein-Stadion haben wir alles“, sagt Kramm wehmütig: „Was Schöneres als auf dem 2. Revier zu sein, kann es nicht geben.“

Er redet immer frei heraus

Dass Bestseller-Autor John Grisham mit der „Firma“ eine mafiöse Anwaltskanzlei betitelt, juckt Kramm wenig. Seine Firma ist die Polizei. Also nennt er sie auch so. „Jeden Tag jedes Wort ganz genau auf die Goldwaage legen, das geht nicht“, sagt er. Und er redet auch so: Über die Küste beispielsweise, das Kieler Rotlichtviertel. Jahrelang hatten hier Zustände geherrscht, die für Bürger, Stadt und Polizei schwer zu ertragen waren. Doch wer immer genau hinter den Geschäften dort steckte, Kramm hat über die Zeit stets einen Umgang gefunden.

Razzien habe die "Firma" dort gefahren, gerät er fast ins Schwärmen: „Das hat schon Spaß gemacht. War ja immer warm da.“ Übrigens auch mit seiner Frau, die als Leiterin der Ermittlungsgruppe Milieu hier ebenfalls tätig war: „Wer geht schon gemeinsam mit seiner Frau in den Puff?“

Seit 2002 Chef in der Falckwache

Er erinnert sich an einen Durchsuchungsbeschluss wegen wichtiger gestohlener Klamotten, den die Staatsanwaltschaft für einen der Läden am Sonntagnachmittag ausstellte. Also sei das Polizeiaufgebot am Abend aufgekreuzt. Die Klamotten seien längst in der Förde, habe der Betriebsleiter versucht, Kramm und Co. loszuwerden. Dann hole man eben Taucher und bleibe, bis die Sachen auftauchen, habe Kramm entgegnet. „Wir sind dann im wahrsten Sinne des Wortes verkehrsschädigend.“ Wenig später sei der Betriebsleiter mit einem Kleidersack um die Ecke gekommen.

Vom harten Geschäft amüsant erzählen, das kann Kramm. Aber er weiß auch, wovon er spricht: 2002 begann er als Revierleiter in der Falckwache, hatte drei andere Kieler Reviere geleitet. Aber dann blieb er: „Das widerspricht jeglichem Führungsgrundsatz“, bestätigt er. Doch warum wechseln, wenn es läuft? „Die Küste ist ruhig geworden“, sagt er. Die Bergstraße auch. Einen Teil des Erfolgs rechnet er wohl auch sich zu, mit dem Waffenverbot: „Die gelben Schilder haben wir von der Davidwache abgeschrieben.“

„Der Respekt gegenüber der Polizei hat nachgelassen“

Auch Todesopfer gehörten zum Polizeileben dazu, weiß Kramm. Wichtig sei es, darüber zu reden, mit Kollegen, dem Polizei-Seelsorger. „Wir erleben viel Leid“, gibt er zu, „aber es gibt nirgendwo so viel Vielfalt und so eine Berufsgarantie: Geklaut wird immer.“ Ein Praktikum sollte noch jedem Interessenten helfen, sich für oder gegen die Firma zu entscheiden. In seiner Patchwork-Familie ist eines von vier Kindern Polizistin. Er habe das auch nie aufzwingen wollen. „Der Respekt gegenüber der Polizei hat nachgelassen“, skizziert Kramm ein generelles gesellschaftliches Problem: „Die Kinder sollen ordentlich werden, aber zu schnell fahren ist kein Problem? Und die Nachttischlampe wird als Bürolampe versteuert? Wie sollen die Kinder denn da Unrechtsbewusstsein entwickeln?“

Heute ist Schluss: „Der Tag musste kommen.“ Es übernimmt Polizeirätin Mona Borchert. Eine lange Abschiedsrede ist von Kramm nicht zu erwarten: „Ich könnte schlecht Predigten halten. Schnacken gehörte aber immer mit dazu.“

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