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Kiel Amtsgericht Kiel erlässt Haftbefehl wegen Mordes
Kiel Amtsgericht Kiel erlässt Haftbefehl wegen Mordes
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20:19 08.12.2016
Von Günter Schellhase
Am Tatort wurde mittlerweile eine kleine Gedenkstätte errichtet. Quelle: Wolfgang Schmidt/dpa
Kiel/Kronshagen

"Wir sehen die Mordmerkmale Heimtücke und Grausamkeit als gegeben an", sagte Oberstaatsanwalt Axel Bieler zu dem Antrag, dem der Haftrichter damit folgte. Heimtücke, weil der Mann die 38-Jährige nach derzeitigem Ermittlungsstand offenbar noch im Wagen mit dem Brandbeschleuniger übergossen haben soll, den er mit sich geführt habe. Grausam, so Bieler, sei die Art und Weise der Tat gewesen. Der Tatverdächtigte werde jetzt in die JVA Neumünster gebracht.

Am Tag nach dem schrecklichen Feuerdrama wurden weitere Details zum Tatgeschehen bekannt. „Frau und Mann haben die Söhne gemeinsam mit einem Pkw in die Schule und zum Kindergarten gebracht“, sagte Oberstaatsanwalt Axel Bieler. Nach derzeitigen Erkenntnissen der Polizei und nach Angaben des 41 Jahre alten Mannes gegenüber der Mordkommission habe der Wagen dann im Eichkoppelweg in Höhe des Mare-Klinikums möglicherweise eine Panne gehabt.
„Dort hat es einen Streit gegeben. Noch im Wagen hat der Mann die 38-Jährige mit einer brennbaren Flüssigkeit benetzt“, so Bieler. Die Frau saß am Steuer und flüchtete aus dem Auto. Der Mann sei hinterher gerannt und habe sie angezündet, sagte der Oberstaatsanwalt. Das hätte die Ermittlungen der Mordkommission ergeben. Auch der Beschuldigte hat das gegenüber den Beamten gesagt.

Der Mann wurde von 13 bis 16.30 Uhr dem Haftrichter vorgeführt. Die Staatsanwaltschaft hat Haftbefehl wegen Mordes beantragt. „Die Frau war arglos und konnte sich nicht wehren. Die Tat war heimtückisch und grausam“, sagte Bieler.

Dass der Mann zuvor in psychologischer Behandlung war, sei in dem Fall nicht von Belang. „Er wusste und wollte das, was er tat und war sich der strafrechtlichen Konsequenzen bewusst“, sagte der Oberstaatsanwalt. Zu einem Motiv machte er keine Angaben. Auch er bestätigte "im weiteren Sinne eine Beziehungstag".

Gestorbene sollte für Landtag arbeiten

Die 38 Jahre alte Mutter war noch am Mittwochabend nach dem Brandanschlag in der Lübecker Spezialklinik an ihren Verletzungen gestorben. Sie ist in Kiel aufgrund mehrerer ehrenamtlicher Tätigkeiten bekannt und sollte für den schleswig-holsteinischen Landtag arbeiten. Die aus Togo stammende und seit vielen Jahren in Kiel lebende Frau wollte zum 1. Januar 2017 einen einjährigen Dienst beim Flüchtlingsbeauftragten des Landes, Stefan Schmidt, antreten, wie die Landtagsverwaltung am Donnerstag in Kiel mitteilte. „Diese unfassbare Tat lässt uns alle trauern“, erklärten Landtagspräsident Klaus Schlie und Schmidt zu dem Verbrechen. Es sei kaum zu glauben, dass Menschen auf so schreckliche Weise getötet werden – ganz gleich aus welchem Teil der Welt die vermeintlichen Täter stammen.

„Wir trauern um eine Frau, die wir als neue Kollegin nicht mehr kennenlernen durften“, sagte Schlie. „Unsere Gedanken sind bei ihren Kindern, die ohne ihre Mutter aufwachsen müssen.“ Schmidt betonte: „Die Verstorbene hätte sich bei uns für den Schutz von Frauen einsetzen sollen. Es erfüllt uns mit großer Trauer, dass sie selbst solchen Schutz gebraucht hätte.“ Die zwei Kinder im Alter von drei und sieben Jahren vom Jugendamt in Obhut genommen und in eine erfahrene Pflegefamilie gebracht.

Mann hatte psychische Probleme

Dass der 41-Jährige in der Vergangenheit bereits unter psychischen Probleme gelitten und zeitweise untergebracht gewesen sein soll, ist der Staatsanwaltschaft bekannt. Das spiele für Bieler in diesem Fall aber keine Rolle, weil der Beschuldigte die Tat nicht "gesteuert aus einer Wahnvorstellung" heraus begangen habe. Das ergebe sich daraus, dass ein Haftbefehl und kein Unterbringungsbefehl beantragt wurde.

Eine Frau ist auf einem Gehweg vor einer Klinik in Brand gesteckt worden. Hier zeigen wir Ihnen Bilder von den Ermittlungen.

Die Stadt Kiel will weder dementieren noch bestätigen, dass der Mann in Behandlung war. Wie ein Stadtsprecher sagte, handele es sich um vertrauliche Personendaten.

Mit dpa

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