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Kiel Rätselraten über das Motiv
Kiel Rätselraten über das Motiv
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10:27 08.12.2016
Von Günter Schellhase
Die Polizei sperrte den Tatort vor dem Mare-Klinikum an der Ecke Eichkoppelweg/Eckernförder Straße sofort weiträumig ab, um die Spuren zu sichern. Quelle: Frank Peter
Kiel/Kronshagen

Die unfassbare Tat, die sich an dem tristen Dezembermittwoch um 9 Uhr ereignete, setzt Kiel und Kronshagen unter Schock. Noch Stunden danach sind die Spezialisten von der Spurensicherung an der Ecke Eichkoppelweg/Eckernförder Straße bei der Arbeit und untersuchen den Ort, an dem ein Mann seine Ehefrau angezündet haben soll. Dieses Gewaltverbrechen ist so erschütternd, dass Zeugen vom Kriseninterventionsteam der Berufsfeuerwehr und einem Polizeiseelsorger betreut werden müssen. Der 41 Jahre alte mutmaßliche Täter sitzt im Gewahrsam, schweigt zu der Tat und lässt sich von einem Anwalt vertreten. Viele Fragen sind offen. Nichts ist bisher über das Motiv des Mannes bekannt, der mit seiner Frau vor 20 Jahren aus dem westafrikanischen Togo nach Kiel kam. Die Polizei sagt nur, dass es sich „wahrscheinlich um eine Beziehungstat“ handelt.

"Meine Gedanken sind bei den Kindern"

Die beiden waren verheiratet, lebten aber getrennt in Kiel und haben zwei Kinder im Alter von drei und sieben Jahren. Die Mutter war offenbar beliebt: Zeugen berichten, sie habe an der Schule einen freundlichen Eindruck hinterlassen. „Diese unfassbar grausame Gewalttat erschüttert mich zutiefst. Meine Gedanken sind bei den beiden Kindern. Sie wurden vom Jugendamt in Obhut genommen und in eine sehr erfahrene Pflegefamilie gebracht“, sagt Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer.

Eine Frau ist auf einem Gehweg vor einer Klinik in Brand gesteckt worden. Hier zeigen wir Ihnen Bilder von den Ermittlungen.

Die Beamten vernehmen den Tag über etwa 20 Zeugen, um sich ein genaues Bild von der Tat zu machen. Welche Berufe Frau und Mann ausüben, kann oder will die Polizei jetzt noch nicht sagen. Unklar ist zudem, warum die Tat an dieser ungastlichen Ecke geschah. Womöglich wollte die Frau das Mare-Klinikum aufsuchen und wurde von ihrem Mann verfolgt. Ein Indiz dafür könnte sein, dass ihr Wagen vor der Klinik auf dem Fußweg stand. Eine Angestellte des Mare-Klinikums, die die Tat beobachtet hatte, sagt völlig geschockt: „Ich sehe durch das Fenster eine brennende Fackel. Dann stürmen schon Ärzte aus unserem Haus und helfen der Frau.“ Auch sie spricht später mit einem Seelsorger, um dieses Bild zu verarbeiten. Andere Mitarbeiter der Klinik können nicht darüber reden, stürzen sich in ihre Arbeit, um sich abzulenken. „Das war eine gefühlte Ewigkeit, bis die Flammen aus waren“, sagt Augenzeugin Angela Hauschild. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite hat das furchtbare Geschehen die Angestellten aus einem Bürogebäude sprachlos gemacht.

Polizei sperrte Tatort ab

Über die kurze Flucht des Mannes gibt es Informationen: Ein Mitarbeiter der Firma Friedrich Niemann erzählt, dass der Beschuldigte zunächst auf den Betriebshof gelaufen sei. Dann sei er aber umgedreht und den Eichkoppelweg in Richtung Kronshagen gerannt. „Dort ließ er sich widerstandslos festnehmen“, sagt Oliver Pohl, Sprecher der Polizeidirektion Kiel.

Die Beamten konnten schnell vor Ort sein, weil viele Zeugen nur Sekunden nach der Tat die Polizei alarmierten. Sofort war eine große Maschinerie angelaufen: Notärzte, Rettungswagen, Feuerwehren aus Kiel und Kronshagen sowie Polizei waren Augenblicke später vor Ort. Die Frau, die von Ärzten des Mare-Klinikums zunächst versorgt worden war, wurde kurz darauf in die Uniklinik gebracht und später in die Spezialabteilung für Brandverletzte nach Lübeck verlegt. Die Polizei sperrte den Tatort weiträumig ab. Die Ermittler sichten Beweisstücke wie ein Haarband und eine Mütze, die vor der Klinik liegen. Auch die stark verkohlten Decken, die auf dem Gehweg liegen, werden fotografiert, untersucht und verpackt. „Das ist für uns eine Großlage, an der bis zu 60 Beamte vor Ort und in den Kommissariaten gleichzeitig arbeiten“, sagt Pohl. Der Mann soll heute dem Haftrichter vorgeführt werden.

Rückschau auf ähnliche Fälle

Die schreckliche Tat in Kronshagen ist in Deutschland kein Einzelfall, wie folgende Timeline zeigt:

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