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Kiel Mit 21 in die Höhle des Löwen
Kiel Mit 21 in die Höhle des Löwen
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07:00 03.05.2016
Von Martina Drexler
Floriana Igrishta ist die landesweit jüngste CDU-Kandidatin. Quelle: Uwe Paesler
Kiel

Dabei ist die Kielerin mit den kosovarischen Wurzeln politisch eher ein Neuling. Doch weder die Unerfahrenheit noch ihre Jugend halten die junge Frau ab, im traditionell tiefroten Wahlkreis Kiel-Ost anzutreten.

Das Café, das sie zum Treffen vorschlägt, kennt sie nicht. Man hat es ihr als ruhigen Ort für Gespräche empfohlen. Und so sitzt die wie aus dem Ei gepellte angehende Rechts- und Notarfachangestellte vor einer Cola Zero, erzählt, dass sie sich stark machen will für mehr Frauen in Führungspositionen, mehr jungen Menschen in der Politik, Sozialpolitik und Integration. Die Direktkandidatin mit dem oft zitierten Migrationshintergrund könnte selbst als Lehrbuchbeispiel für gelungene Integration gelten, wenn sie nicht schon in Deutschland geboren worden wäre.

Muslima Floriana Igrishta machte Abitur an der Gesamtschule in Hassee, spielte sechs Jahre lang Basketball, tanzte als Funkenmariechen im Karnevalsverein Fidelitas, leistete ihr Freiwilliges Soziales Jahr in der Stiftung Drachensee ab und trat schon mit 17 Jahren in die CDU ein: „Deren Grundprinzipien wie Freiheit, Glaube an Gott und konservative Werte haben mich fasziniert.“ Mittlerweile wurden auch die Eltern, die vor 23 Jahren vom Kosovo nach Kiel auswanderten, und der jüngere Bruder Florian CDU-Mitglieder.

Über die Moderation von Konzerten bei Feiern eines albanisch-kosovarischen Kulturvereins lernte sie den CDU-Ratsherrn Nue Oroshi kennen. Er hatte sich selbst als Kandidat zuerst in Kiel-West ins Gespräch gebracht, um dann in Kiel-Ost antreten zu wollen, nachdem dort sein türkischstämmiger Ratsfraktionskollege Cetin Yildirim von Pickardt seinen Hut in den Ring geworfen hatte. Nur einen Tag vor der Kandidaten-Kür der Kieler CDU habe Oroshi sie mit Blick auf die Frauenquote angesprochen, ob sie nicht statt seiner ins Rennen gehen wolle. Zur Überraschung auch der Parteispitze zog er kurz vor dem Wahlgang seine Bewerbung zugunsten von Igrishta zurück, die sich dann auch mit Unterstützung vieler Junge-Union-Vertreter durchsetzte. Eine Überrumpelungsaktion, sagen nicht wenige parteiinterne Kritiker, die vermuten, dass sich Igrishta nur instrumentalisieren ließ.

Nein, sagt die stellvertretende Vorsitzende der Frauenunion und Ortsbeiratsmitglied in Mettenhof, entschieden: „Das Ja kam von Herzen. Ich will in die Politik, um etwas zu ändern. Was zählt, ist doch nicht, wie jung man ist, sondern ob man die Stärke hat, etwas zu verändern.“ Ihre Chancen gegen den 64-jährigen SPD-Landtagsabgeordneten Bernd Heinemann beurteilt sie als gar nicht „so schlecht“. Sie könne frischen Wind reinbringen und junge Menschen überzeugen, sich in die Politik einzumischen, ist sie überzeugt. Und wenn sie scheitert, dann wird sie sich weiter politisch engagieren. Der Wahlkampf, die Kandidatur – das sieht sie als „Weiterbildung“.

Gegner sollten sich nicht täuschen lassen: Nur auf den ersten Blick wirkt die oft lächelnde Kandidatin ein wenig schüchtern. Aber wie stark der Ehrgeiz in ihr brennt, lässt sich schon an der Antwort auf die Frage nach ihrem politischen Vorbild ablesen: „Ich finde Angela Merkel total toll, vor allem, weil sie als Frau so viel Macht hat.“ Auch im Beruf hat sie die nächste Karrierestufe im Blick. Wenn sie in einem Jahr mit der Ausbildung fertig ist, will sie über ein Fernstudium Rechtsreferendarin werden. Floriana Igrishta hat noch viel vor.

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