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Kiel Gelöst: Das Rätsel der Betonklötze
Kiel Gelöst: Das Rätsel der Betonklötze
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17:01 07.08.2012
Von Volker Rebehn
Schiffe der Reichsmarine ankerten um 1940 an großen Tonnen mitten im Kieler Hafen. Rechts der Signalturm am Ende der Adalbert-Brücke (Dezember 1958 abgebrochen). Quelle: vr
Kiel

Von hohen Sträuchern und Bäumen umgeben, blieben die mächtigen Betonklötze lange Zeit unbeachtet. Allenfalls Kinder und Jugendliche, die das gesperrte Areal zwischen dem einstigen Marinematerialdepot und dem Gemeinschaftskraftwerk durchstreiften, stießen auf die Riesen und versuchten, hinaufzuklettern. Mit der Strandöffnung kamen die Graffitisprayer hinzu. Sie brachten Farbe auf das Betongrau. Ganz Mutige und Sportliche versuchen, die gut sieben Meter hohen und im Grundriss etwa vier Meter messenden Kolosse an einem dünnen, rostigen Stahlseil zu erklimmen. Die Frage nach deren Herkunft konnte bisher niemand plausibel erklären – bis Werner Stöwahse mit ihr konfrontiert wurde.

Das Rätsel der Betonklötze von Hasselfelde ist gelöst

Der gebürtige Neumühlen-Dietrichsdorfer, der sich seit langem mit der Geschichte des Kieler Ostuferstadtteils befasst, zögert keinen Moment. „Das sind Zementanker“, antwortet der 80-Jährige. Vier oder fünf dieser mächtigen Blöcke seien schon vor dem Ersten Weltkrieg auf den Grund des Kieler Hafens, etwa in Höhe der Reventlou- und Blücherbrücke, versenkt worden. Diese waren über Stahlketten mit auf der Wasseroberfläche schwimmenden Bojen verbunden. Vor allem Kriegsschiffe haben dort festgemacht. Davon zeugen alte Postkarten. Diese zeigen auch, wie Barkassen zwischen den Kriegsschiffen und den Brücken auf dem Westufer der Kieler Förde unter großer Anteilnahme der Bevölkerung hin und her pendeln.

„Wenn wir als Kinder mit der Blauen Linie von Dietrichsdorf zur Seegartenbrücke gefahren sind, konnte man die roten Bojen gut sehen“, erinnert sich Werner Stöwahse. Nach dem Zweiten Weltkrieg sind die Bojen aus dem Hafen verschwunden. Der Neumühlen-Dietrichsdorfer geht davon, dass einige der Zementanker per Kran an das Ufer in Hasselfelde gehievt worden sind. Auf dem Gelände des zur Marine gehörenden Materialdepots gerieten sie in Vergessenheit. Mit der Öffnung des Uferabschnitts unterhalb des Kraftwerks endete das Schattendasein.

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