Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Kiel Geomar erforscht Folgen von Munitionsaltlasten
Kiel Geomar erforscht Folgen von Munitionsaltlasten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:29 05.04.2016
Von Heike Stüben
Munitionsfunde in der Ostsee sollen geborgen werden:Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD), Prof. Dr. Peter Herzig (Direktor GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel) und Umweltminister Robert Habeck (Grüne) legen selber symbolisch Hand an um eine schwedische Ankertaumine von 1912 zu entsorgen, die um die ursprünglich enthaltenen 70 KG TNT erleichtert wurde. Quelle: Ulf Dahl
Kiel

Am Ende sollen die umweltfreundliche Räumung und Vernichtung der tickenden Zeitbomben durch Roboter stehen.

Das Problem existiert weltweit und hat gigantische Ausmaße. Allein in deutschen Meeren lagern mindestens 1,6 Millionen Tonnen konventioneller Munition – sie allein würde Güterzüge von 3000 Kilometern Länge füllen. Explosive Altlasten, die vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg entsorgt wurden, und das nicht nur in den ausgewiesenen Unrein-Gebieten: Der Treibstoff war teuer, die Kapitäne wurden pro Fahrt bezahlt. Also verklappten sie oft nahe der Küste. Die Munition rostet seit als 70 Jahren vor sich hin. Nicht nur der Sprengstoff stellt eine Gefahr dar. Die Zünder enthalten Quecksilber, Cadmium und Blei. „Und es bilden sich Abbauprodukte, deren Gefährlichkeit wir noch gar nicht kennen“, sagt Prof. Eric Achterberg, Meereschemiker beim Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel.

„Viel zu lange hat die Politik weggeschaut, wohl auch, weil klar war, dass eine Lösung sehr teuer werden würde. Damit muss endlich Schluss sein“, sagte Umweltminister Robert Habeck bei der Vorstellung des Forschungsprojekts. Immer häufiger sorgt die Munition für gefährliche Situationen: bei Strandbesuchern, die Verbrennungen erleiden, weil sie Phosphor für Bernstein halten und aufsammeln. Oder bei arglosen Bürgern wie dem 19-Jährigen aus Wilster, der kürzlich eine 37mm Flak-Patrone im Elbschlick fand und zuhause deponierte. Immer wieder müssen Minen aus Seefahrtstraßen geräumt werden, erschwert die Munition die Verlegung von Kabeln und Bau und Versorgung von Offshore-Anlagen. Das habe sich gerade erst wieder am Südhafen von Helgoland gezeigt, berichtete Wirtschafts- und Technologieminister Reinhard Meyer. „Die Landesregierung will keine Panik verbreiten, aber klar über dieses Problem informieren und mit Partnern ein weltweit einsetzbares Verfahren anstoßen.“

Doch noch gibt es viele Unbekannte: In welchem Zustand ist die Munition? Was ist an Giftstoffen im Sediment und Wasser vorhanden? Wie verändert sich die Belastung bei Bergung und danach? Dies und mehr soll das Forschungsprojekt UDEMM (Umweltüberwachung vor, während und nach der Delaboration von Munition im Meer) beantworten und damit die laufende Entwicklung eines Unterwasserbergungs- und Entsorgungsroboters ergänzen. Und die Muscheln, die bereits vor Heidkate arbeiten? Sie dienen als natürliche Indikatoren für die Belastung in der äußeren Kieler Bucht, wo englische Grundminen mit 500 Kilogramm TNT liegen.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Erdgas-Zapfsäule bei der bft-Tankstelle an der Gutenbergstraße in Kiel ist erneut defekt. Hintergrund ist ein Motorschaden. Wie lange dort nicht getankt werden kann, ist nach Auskunft der Stadtwerke Kiel unklar.

KN-online (Kieler Nachrichten) 05.04.2016

Über einen Monat liegt die Belästigung im Kieler Sophienhof zurück - nun gibt es neue Erkenntnisse zu den Handybildern: Nach Informationen der Kieler Nachrichten wurden keine Fotos oder Videos der bedrängten Mädchen auf den Handys der Tatverdächtigen gefunden. Dies bestätigte die Kieler Staatsanwaltschaft.

Imke Schröder 05.04.2016

In der Diskussion um Notfallbehandlungen hat sich nun UKSH-Vorstandschef Prof. Jens Scholz geäußert. Er verwies auf die Unterfinanzierung und die Interimslösung bis zur Fertigstellung der zentralen Notaufnahme Ende 2017.

Heike Stüben 05.04.2016