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Kiel Ist das Kunst oder muss das weg?
Kiel Ist das Kunst oder muss das weg?
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10:00 25.09.2018
Von Niklas Wieczorek
Eine Graffiti-Galerie hatte sich entlang der Veloroute 10 bereits gebildet, als sie noch eine Güterzugtrasse war. Heute gibt es dort viele bunte Stellen. Quelle: Thomas Eisenkrätzer
Kiel

Deutschlandweit, aber auch in Kiel, werde viel zu wenig für einen sinnvollen Umgang mit Street-Art und Graffiti getan. So lautete zumindest die These von Luise Amtsberg und André Seemund auf ihrem Spaziergang entlang der gewachsenen Graffiti-Galerie – die hatte sich bereits gebildet, als die Veloroute noch Güterzugtrasse war. Immer wieder öffnet sich zwischen Pflanzen, aber auch ganz offen auf Rückseiten von Hallen und Häusern bunte Graffiti-Bemalung.

Szene-Kenner fordert mehr legale Flächen zum Sprayen

Seemund (37) kennt sich aus in der Szene, betreibt den dokumentarischen Online-Blog „Streetart Kiel“. Und er ist seit etwa sechs Jahren im Austausch mit der Verwaltung, um sich für legale Wände zum Graffiti-Sprühen einzusetzen. Seemund teilt die Künstler in zwei Typen: Es gebe jene, die ausschließlich legale Werke sprühen – also dort, wo sie die Erlaubnis haben. Um im Austausch zu bleiben, sei daher wichtig, dass Behörden Graffiti nicht grundsätzlich kriminalisieren. Doch sehe auch ein Teil der Szene das illegale Sprühen als notwendig an. Ihm reichen legale Wände nicht. Insgesamt, schätzt Seemund, sind etwa 100 Sprüher in Kiel aktiv. Große Rivalitäten wie in anderen Städten gebe es an der Förde nicht.

Jedoch habe sich Seemunds Austausch mit der Stadt „als zäh herausgestellt“. Vor zehn Jahren seien Graffiti in Kiel noch verbreiteter gewesen. Aber unter anderem „Klar Schiff“, ein Bündnis von Wohneigentümern, Stadt, der Polizei und anderen habe Graffiti generell kriminalisiert – laut Seemund mit unlauteren Mitteln wie der in Schulen verbreiteten Information, dass Sprüher ins Gefängnis kommen. Auch die Broken-Windows-Theorie, nach der Vernachlässigung und Verschmutzung Kriminalität anziehe, sei nicht zwangsläufig auf Graffiti anwendbar.

Stadt verteidigt das Bündnis "Klar Schiff"

Martin Reinhart, Leiter des städtischen Amtes für Wohnen und Grundsicherung, und Koordinator des Bündnisses weist die Kritik zurück: „Das Bündnis ,Klar Schiff’ richtet sich nur gegen illegale Graffiti,“ so Reinhart. „Die pädagogische Arbeit ist deutlich differenzierter und besteht nicht aus der Drohung, wer sprayt, kommt ins Gefängnis. Zumal das auch nicht der jugendstrafrechtlichen Realität entsprechen dürfte.“ Dennoch werde auf die Schäden für Eigentümer hingewiesen und so versucht, ein Bewusstsein zu erzeugen.

Seemund berichtet: Der größte Erfolg für die legale Szene sei die Freigabe der unteren Schwentinebrücke 2016 gewesen – seinen Worten nach räumen die Sprüher auch auf, dort sei es sauberer als früher. Daran müsse die Stadt anknüpfen und mehr Flächen freigeben.

Amtsberg fordert generell mehr Akzeptanz für die Kunstformen und junge Kultur.  Es müsse für alle Formen Unterstützung geben: „Man muss es ja nicht mögen“, fasst sie zusammen. „Aber reicht es nicht, wenn eine Szene sagt ,Das ist Kunst‘?“

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