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Kiel Haftstrafe für Geldtransporter-Fahrer
Kiel Haftstrafe für Geldtransporter-Fahrer
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18:28 20.11.2018
Urteilsverkündung im Prozess um den Millionen-Diebstahl bei der Geldtransportfirma Prosegur. Im Bild: die Dolmetscherin Margaretha Filipinsky mit den beiden Angeklagten. Quelle: Ulf Dahl
Kiel

Trotz der Verurteilung zu einer mehrjährigen Haftstrafe wegen des spektakulären Millionenraubs aus einem Geldtransporter sind der Fahrer und dessen Komplize vorerst wieder auf freiem Fuß. Die Große Strafkammer des Kieler Landgerichts setzte am Dienstag mit dem Urteil den Vollzug der Haftbefehle gegen beide Angeklagte vorerst aus. Allerdings müssen sich beide Männer zwei Mal pro Woche bei der Polizei melden und ihre Ausweise abgeben.

Die 41 Jahre alte Fahrer und dessen 48 Jahre alter Komplize verließen mit strahlenden Gesichtern das Gericht. Sie waren zuvor noch in Handschellen in den Saal gebracht worden. Die Fluchtgefahr schätzten die Richter angesichts der Auflagen und der stabilen privaten Verhältnisse der geständigen Angeklagten als sehr gering ein. Beide wohnen in Hamburg und sind Familienväter. Eine sofortige Beschwerde der Staatsanwaltschaft hatte die Kammer zuvor zurückgewiesen.

Drei Jahre Haft für Millionenraub aus Geldtransporter

Die Angeklagten saßen seit März in Untersuchungshaft. Das Landgericht sah es als erwiesen an, dass die beiden Männer Anfang Januar während einer Tour von Hamburg nach Kiel rund 2,4 Millionen Euro Bargeld aus dem Geldtransporter in ein anderes Fahrzeug umluden. Für diesen Diebstahl mit Waffen verhängte das Gericht Freiheitsstrafen von drei Jahren und zehn Monaten gegen den Fahrer. Das Strafmaß gegen seinen Komplizen wurde auf drei Jahre und drei Monate Haft festgelegt.

Die Beute war mit Ausnahme von 87 000 Euro im März bei den geständigen Angeklagten sichergestellt und dem Sicherheitsunternehmen zurückgegeben worden. Beide Männer waren zuvor wochenlang observiert worden.

Das Gericht blieb mit seinem Urteil deutlich unter dem Antrag des Staatsanwalts, der sechs Jahre für den Fahrer und fünf Jahre und neun Monate für den Mitangeklagten gefordert hatte. Der Ankläger will nun Revision prüfen. Die Verteidigung hatte wegen Unterschlagung Bewährungsstrafen gefordert.

Von den 2,4 Mio. Euro fehlen 87.000 Euro

Laut Urteil müssen die Männer der Sicherheitsfirma nun rund 92 000 Euro Schadenersatz leisten. Das Gericht sprach dem Unternehmen aber eine deutliche Mitschuld an der Tat zu: Es habe es den Angeklagten leicht gemacht, sagte der Vorsitzende Richter Michael Scheck. So sei etwa der «Bundesbank-Modus» nicht wie vorgeschrieben eingeschaltet gewesen, der ein unbemerktes Öffnen der Heckklappe unmöglich gemacht hätte. Zudem hätte der Fahrer besser kontrolliert werden müssen, weil die Firma gegen ihn bereits in anderem Zusammenhang ermittelte.

Die Rolle des nicht angeklagten Beifahrers sah das Gericht durchaus kritisch. Es sei nicht ausgeschlossen, dass der Mann in Details der Tat eingebunden gewesen sei, sagte der Vorsitzende Richter. Auch hätte er mit fast geschlossenen Augen im Tatfahrzeug sitzen müssen, um nicht zu sehen, dass eine Straftat begangen werde.

Der Mann hatte vor Gericht die Aussage verweigert. Die Ermittlungen gegen ihn waren von der Staatsanwaltschaft nach der wochenlangen Überwachung eingestellt worden. Die Angeklagten dagegen wurden verhaftet. Fahrer und Beifahrer sowie ein Einsatzleiter der Sicherheitsfirma wurden nach der Tat fristlos entlassen. Die Beute war bei den Angeklagten in eigens angeschafften Gebrauchtfahrzeugen und zu Hause in Plastiktüten und einem Kaffeebecher entdeckt worden.

Mehr zum Millionenraub aus dem Geldtransporter lesen Sie hier auf unserer Themenseite.

Von KN/dpa/RND

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