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Kiel Kiel flog nicht nur einmal aus der Hanse raus
Kiel Kiel flog nicht nur einmal aus der Hanse raus
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23:36 17.05.2018
Von Bastian Modrow
Einst kämpften Lübecker und Kieler Hansekoggen gemeinsam gegen Piraten, die die damalige Handelsmacht bedrohten. Quelle: Olaf Malzahn
Kiel

Nach der Offerte aus Lübeck, Kiel solle wieder Mitglied der Hanse werden, haben Historiker jetzt die bewegte Geschichte der Landeshauptstadt in dem Handelsbündnis anhand teils Jahrhunderte alter Aufzeichnungen untersucht. Demnach ist Kiel mehrfach ausgeschlossen und wieder aufgenommen worden. „Sofern dafür noch Begründungen auffindbar sind, haben sie mit zu großer Nähe und Verbindungen zu Piraten zu tun“, sagte Bernd Saxe, Vormann der Hanse, 2014.

Hindernisse für eine neue Mitgliedschaft Kiels in dem Bündnis sind dies heute nicht mehr – und waren es auch damals schon nicht, wie Prof. Rolf Hammel-Kiesow und Dr. Jan Lokers in den Aufzeichnungen der Hanseatischen Geschichtsforschungsstelle beim Lübecker Stadtarchiv herausgefunden haben.

Kiel war 1283 in der Hanse

„Tatsächlich gehörte Kiel schon seit sehr früher Zeit zur Hanse, bereits 1283 bekamen die Kieler die Freiheiten der Seestädte verliehen“, berichtet Saxe. Mehr noch: 1283 trat die heutige Landeshauptstadt einem in Rostock abgeschlossenen Bündnis zur Aufrechterhaltung des Land- und Seefriedens bei.

„Wie viele andere Städte auch, erwarb die Fördestadt die Hansemitgliedschaft dadurch, dass ihre Kaufleute am Fernhandel teilnahmen und die gemeinsamen Privilegien der Hansen an den auswärtigen Niederlassungen nutzten“, recherchierten die Historiker. So sei Kiel quasi in die Hanse hineingewachsen, nahm ab Mitte des 14. Jahrhunderts rege an den Hansetagen teil, geriet mit seinen Eigeninteressen allerdings auch immer wieder in Widerspruch zur Hanse.

Als Beispiele nennt Hammel-Kiesow die Frage eines Krieges gegen das Königreich Dänemark. Auch was seinerzeit Handelsboykotte des Bündnisses betraf, waren die Kaufleute von der Förde mitunter anderer Meinung.

14. Jahrhundert: Kiel wird aus Hanse ausgeschlossen

 Ende des 14. Jahrhunderts beantragte Lübeck als „Königin der Hanse“ erstmalig die „Verhansung“, den Ausschluss Kiels. Zwar ist mit dem 1. Mai 1388 noch das genaue Datum überliefert, die konkreten Gründe für das Vorhaben allerdings nicht.

„Tatsächlich stimmten die Teilnehmer auch gegen den Antrag, Kiel aus dem Recht des Kaufmanns und vom Handel mit den Hansestädten auszuschließen“, berichtet Lokers. Bereits drei Jahre später wagten die Lübecker einen neuen Anlauf, scheiterten aber wieder an der Mehrheit der anderen Kaufleute. „Kiels Gebaren, insbesondere sein Umgang mit Piraten und deren Beutegut, blieb aber in der Kritik“, ermittelten die Historiker.

Keine Einladung zum Hansetag

 Zu einem nicht bekannten Zeitpunkt zwischen 1507 und 1517/18 wurde Kiel von der Liste der Bündnisstädte gestrichen. „Kiel beschwerte sich daraufhin, zum Hansetag in Lübeck 1518 nicht geladen worden zu sein“, so Hammel-Kiesow.

Tatsächlich schwenkten die Verantwortlichen wieder um, nahmen die Stadt wieder in das Handelsbündnis auf. Grund dafür dürften Reorganisationsbemühungen der Hanse gewesen sein, die um 1500 einen enormen Aderlass bei der Zahl ihrer Mitgliedsstädte erlebt hatte. Offenkundig hatten die Vormänner der Hanse Kiel wieder als „vertrauenswürdig“ und wichtig für den Zusammenschluss angesehen.

 „Doch dies war offenbar nicht von langer Dauer“, so die Historiker. Zu einem unbekannten Zeitpunkt nach 1518 war Kiel endgültig ausgeschlossen worden, wie ein Schreiben der Hansestädte 1554 an die Kieler Stadtherren, die Herzöge Johann und Adolf von Schleswig-Holstein, belegt.

Kiel war ungehorsam

„Die Herzöge stellten zu diesem Zeitpunkt den Antrag an die in Lübeck versammelten Städte, ihre Stadt wieder aufzunehmen und diese insbesondere an den wiedererlangten Privilegien des Handels in England teilhaben zu lassen“, berichtet Hammel-Kiesow. Das Bündnis lehnte ab, warf der Fördestadt Ungehorsam vor und unterstellte, keine Aussöhnung gesucht zu haben.

 Dies wollte Lübecks damaliger Bürgermeister Bernd Saxe 2014 ändern. Gemeinsam mit Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer wollte er bei der Travemünder Woche im Juli 2014 über eine neue Mitgliedschaft in dem Städtebündnis sprechen.

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