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Kiel Erinnerung an den Opa der Nation
Kiel Erinnerung an den Opa der Nation
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19:50 22.07.2014
Von Martin Geist
Der Henry-Vahl-Platz in Kiel-Gaarden wurde am Montag eingeweiht. Quelle: mag
Kiel

„Es ging ganz schnell“, freute sich der Ortsbeiratsvorsitzende Bruno Levtzow (SPD) darüber, wie fix Ratsversammlung und Stadtverwaltung dem Antrag gefolgt waren, Henry Vahl vor jenem Haus zu würdigen, in dem er von 1912 bis 1919 nicht nur wohnte, sondern auch seine ersten Schritte als Schauspieler tat. 1915 sprang er am Kieler Stadttheater für einen erkrankten Operettenkomiker ein und schaffte einen ersten kleinen Durchbruch. Ein Jahr später spielte er in Kiel in „Peterchens Mondfahrt“ seine erste Hauptrolle.

 Stilecht in Plattdeutsch würdigte Inge Beger von der Stadt Kiel den ehemaligen Kieler, der in seiner Heimatstadt weitgehend in Vergessenheit geraten war. Sie bezeichnete Vahl als großen Kenner des Milieus der kleinen Leute und hob nicht zuletzt dessen Durchhaltevermögen hervor. Lange Zeit sah es schließlich so aus, als würde er für immer ein Mime in der zweiten Reihe bleiben. Dann war es wiederum der Zufall, der den echten Durchbruch brachte. Im Hamburger Ohnsorg-Theater spielte er 1958 für den erkrankten Otto Lüthje den komischen Alten und brachte es mit dieser später immer wieder neu interpretierten Figur zu Berühmtheit in ganz Deutschland.

 Inge Beger legte noch weitere Facetten des Künstlers offen und spielte eine Hörprobe aus Platten vor, die er in Zeiten seiner größten Popularität besang. „Man ist so jung wie man sich fühlt“ oder „Im Leben geht alles vorüber“ heißen die Stimmungslieder, die der Schauspieler durchaus passabel auf Vinyl brachte.

 Erfreut und auch gerührt verfolgten die Nachkommen von Henry Vahl die Platzeinweihung an der Stelle, wo sich Iltisstraße, Kirchenweg und Gazellestraße kreuzen. Vahls in Kiel lebender Neffe Walter Ehlert bezeichnete es als „eine Auferstehung der Erinnerung“, dass die Stadt Kiel diese Ehrung vornimmt. Und er betonte: „Er war ein großer Schauspieler.“

 So sieht das auch Heidi Bessen, Witwe des vor zwei Jahren verstorbenen Vahl-Neffen Edgar Bessen, der unter anderem mit der TV-Reihe „Schwarz Rot Gold“ sehr bekannt wurde. Mit seinem Onkel Henry verband ihn nach den Worten von Heidi Bessen „ein besonders inniges Verhältnis“. Auch beeinflusste Vahl maßgeblich dessen Entscheidung, selbst eine schauspielerische Karierre einzuschlagen.

 Ebenfalls mit dabei waren zu dem feierlichen Anlass Neffe Edwin Vahl und seine Frau Lissi. Auch Edwin Vahl verbindet viele liebevolle Erinnerungen mit seinem Onkel und mit seiner Zeit in Gaarden. Unvergesslich bleibt ihm, wie der Platz vor dem Haus, in dem auch er lebte, nach dem Krieg immer wieder voll von Schwarzhändlern war. „Wenn ein Militärjeep kam, war auf einmal alles wie leergefegt, und fünf Minuten später war es so voll wie vorher.“

 Eine von Walter Ehlert erstellte kleine Dauerausstellung mit Bildern und Texten zu Henry Vahl gibt es übrigens in den Räumen des Restaurants Bambule, das sich im Erdgeschoss des Hauses Iltisstraße 49 befindet. Und zur Kenntnis gelangt ist die Kieler Vahl-Ehrung bereits auch in Hamburg. Kulturreferent Rainer Pasternak richtete Grüße vom Ohnsorg-Theater ebenso wie vom St.-Pauli-Theater aus.

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