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Kiel Das zweite Leben des Günther Schulz
Kiel Das zweite Leben des Günther Schulz
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11:05 31.12.2017
Von Marco Nehmer
Lebt seit 25 Jahren mit einem Spenderherz: Günther Schulz mit Tochter Kerstin Obermeier und Frau Anneliese. Quelle: Thomas Eisenkraetzer

Eigentlich darf er gar nicht los, eigentlich muss er sich in der Klinik abmelden. Aber Günther Schulz sieht es heute nicht so eng. Es ist der 30. Dezember 1992. Am Morgen danach bekommt er ein neues Leben geschenkt. Nun aber sagt er: "Komm, wir fahren schnell mal hin." Schulz setzt sich mit seiner Frau ins Auto und besucht einen Bekannten in Timmendorf. Dann ruft sein Sohn an: "Die Polizei sucht dich, dein Herz ist da." Nach vier Monaten auf der Warteliste für Transplantationen geht jetzt alles ganz schnell.

Dass Günther Schulz 25 Jahre später noch in der Lage sein würde, von den bewegten Tagen, von der Angst, der Anspannung, dem Neustart zu erzählen, hätte er selbst nicht für möglich gehalten. "Die Lebenserwartung liegt bei zehn Jahren", sagt Schulz, der im Januar 76 Jahre alt wird. "Ich habe großes Glück gehabt. Das Leben ist etwas eingeschränkt, aber sonst ist alles okay."

Dass irgendetwas mit ihm nicht okay ist, wird dem Kieler im Herbst 1987 bei einer vermeintlichen Routine-Untersuchung im städtischen Krankenhaus bewusst. Dort soll ein EKG aufgezeichnet werden. Bei Schulz werden zwei stumme Herzinfarkte festgestellt. Kurz darauf muss er sich in der Uniklinik einer ersten Bypass-OP unterziehen. Von der erholt er sich nur sehr schlecht. Fünf Jahre schlepp er sich durch, dann zeichnet sich ab: Der 50-Jährige braucht ein neues Herz, damit er weiterleben kann. Weiterleben, anders als seine Großmutter, seine Mutter, sein Onkel, sein Neffe, sein eigener Sohn – sie alle sind an einem Herzleiden gestorben. Eine vererbliche Stoffwechselerkrankung ist die Ursache in der Familie Schulz.

Welchem Spender er das Herz zu verdanken hat? Schulz weiß es nicht. "Ich habe natürlich mal gefragt, aber das wird einem nicht gesagt." Ein junger Mensch sei es gewesen, vermutet er, der sich nach dem Eingriff für die Organspende im Bundesverband der Organtransplantierten stark macht. 2005 erhält er das Bundesverdienstkreuz.

2014 beendet er seine Verbandsarbeit, kümmert sich um seine an Demenz erkrankte Frau und auch um sich selbst – Prostatakrebs. Nach 38 Bestrahlungen sagt er: "Ich denke, ich habe es gepackt." So wie damals, vor 25 Jahren, als er das neue Leben in seiner Brust annahm und den schweren Eingriff packte. Was wird nun noch kommen? Günther Schulz blickt zu Frau und Tochter. "Ich hoffe, dass wir noch viel Zeit zusammen haben. Mehr kann man vom Leben nicht erwarten."

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