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Kiel Skepsis schützt vor falschen Polizisten
Kiel Skepsis schützt vor falschen Polizisten
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20:59 20.03.2018
Von Niklas Wieczorek
Oben eine echte Dienstmarke der Kriminalpolizei, rechts ein entsprechender Polizei-Dienstausweis. Das können richtige Polizisten bei Ermittlungen vorweisen. Unten eine im Internet bestellbare etwas kleinere Marke, wie sie Betrüger verwenden. Die Vorderseite entspricht der echten. Doch ein Landeswappen und eine Dienstnummer kann diese nicht vorweisen. Quelle: Niklas Wieczorek
Kiel

Falsche Polizisten, Staatsanwälte, Dachdecker oder Stadtwerke-Mitarbeiter treten immer überzeugender auf. "Das ist nicht mehr nur eine Herausforderung", sagte Polizeisprecher Oliver Pohl am Dienstag, "wir haben ein Problem." Die jüngsten Opfer waren am Anfang skeptisch – und wurden drei Tage lang von Kriminellen überzeugt. Das passiert leichter als gedacht. Folgende Fragen sollten Sie stellen, um nicht auf falsche Polizisten hereinzufallen.

Warum ruft man Sie an – oder steht vor Ihrer Tür?

"Sie telefonieren die Menschen mit älteren Vornamen im Telefonbuch ab, gucken in welchem Stadtteil etwas zu holen ist. Und sie rufen bevorzugt Frauen an", beschreibt Patricia Holborn aus dem Kommissariat 12 das Vorgehen der Hintermänner. Die sitzen weit entfernt, in Räumen wie Call-Centern: Nur wenige Telefonate konnten Ermittler später in Osteuropa oder in der Türkei zuordnen. Die Täter haben eine überzeugende Geschichte, die sie stets anpassen. Meist geht es darum, dass die Polizei Einbrecher geschnappt hat – und die Angerufenen jetzt schützen will. Dabei sagt Holborn: "Wir melden uns erst, wenn etwas passiert ist." Haben Sie keine Anzeige erstattet oder eine schriftliche Vorladung, ist es sehr unwahrscheinlich, dass ein Polizist sich meldet.

Wie kann sich die Person ausweisen?

An der Tür tauchen besonders dreiste Täter auf, und versuchen die Opfer zu übertölpeln – oder nach einem Gespräch mit einem Hintermann werden Läufer geschickt, die etwas entgegennehmen sollen. Doch: Echte Polizisten haben immer einen Dienstausweis, Kriminalpolizisten eine Marke dabei. Beides sollten Sie verlangen. Das Landeswappen und die örtliche Dienststelle müssen verzeichnet sein.

Haben Sie Zweifel?

Ist bereits jemand in der Leitung oder steht gar an der Tür, geht es ans Eingemachte: "Wir möchten die ältere Generation nicht isolieren", sagt Polizeisprecher Pohl, "aber man darf an der Tür sagen: Sie kommen hier nicht rein." Meldet sich jemand als Polizist, und Sie haben Zweifel: Rufen Sie die 0431/160-0 an, oder gleich die 110 – und wählen Sie die Nummer selbst. Das rät Polizei-Präventionsexperte Sven Petersen: Drücken Sie auf Rückruf, könnten Sie in eine technische Falle tappen, und beim Täter landen. Die Ansprechpartner der echten Polizei dagegen können Ihnen bestätigen, ob jemand bei Ihnen ermittelt.

Haben Sie sich vergewissert, Verwandte informiert?

Kommen Ihnen Zweifel, holen Sie sich Hilfe: Ist jemand am Telefon, können Sie auflegen und sich telefonisch mit Verwandten oder Nachbarn besprechen. Schildern Sie den Anruf und überlegen Sie gemeinsam, ob Ihnen Ermittlung, Handwerkerauftrag oder Stadtwerke-Einsatz logisch erscheinen – gerade, wenn Sie angekündigt werden. "Niemand vom Staat würde anrufen und sagen: Sie dürfen niemandem Bescheid sagen", sagt Holborn. Und: "Immer wenn jemand an der Tür steht, den Sie da nicht haben wollen, rufen Sie 110."

Warum sollten Sie die Tür öffnen oder etwas übergeben?

Ein Wasserschaden im Nachbarhaus, und Sie sollen jetzt spülen oder zeigen, wo Sie Ihre Wertsachen lagern? Das muss Sie skeptisch machen. Bestiehlt Sie jemand in Ihrer Wohnung, "ist der psychologische Schaden extrem hoch", sagt Holborn. Viele Opfer können danach nicht mehr dort leben. Sperrriegel, Türspione oder Gegensprechanlagen schützen vor zu frühem ungewollten Kontakt, so Petersen, aber nicht jeder Besitzer lässt sie einbauen. Die Polizei will das Problem zusammen mit möglichen Opfern lösen, sie nicht mit der Warnung alleine lassen. Ein runder Tisch mit Kieler Banken, so Präventionsexperte Petersen, ist ebenfalls in Planung: Hier soll vor Betrügereien gewarnt, den Bankern Skepsis vermittelt werden.

Entscheidender sei Skepsis aber in der älteren Kieler Bevölkerung: "Bei dieser Generation gibt es ein Obrigkeitsdenken", schildert Polizeisprecher Pohl. Gerade dieses Vertrauen werde perfide ausgenutzt, ergänzt Patricia Holborn. "Wir müssen es in ganz einfachen Worten sagen", so Matthias Felsch, ebenfalls Sprecher der Polizei, "seien Sie skeptisch. Lassen Sie niemanden herein, ohne sich zu vergewissern." Bevor es ans Geld, Eigentum, und die Wohnung geht, ist es immer sinnvoll, sich Hilfe zu holen.

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