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Kiel Charakterstudien aus dem Röster
Kiel Charakterstudien aus dem Röster
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08:00 27.12.2017
Von Oliver Stenzel
Gelebte Leidenschaft: Für seinen Traum von der eigenen Rösterei gab Rainer Burkhardt ein erfolgreiches Berufsleben in der Automobilbranche auf. Quelle: Oliver Stenzel

Dabei variiert er Rösttemperatur und -dauer so lange, bis das Ergebnis deren Charakter seinem Empfinden nach optimal unterstreicht. Ist er eher fruchtig oder schokoladig? Wie lassen sich die Noten gebrannter Nüsse und saftiger Pflaumen in die Tasse bringen, die der raren Honduras-Bohne innewohnen? Spricht Rainer Burkhardt vom Geschmack des Kaffees, erinnern seine Beschreibungen an die Sprache der Winzer, was gar nicht so verwunderlich ist, weil sich Trauben und Bohnen in ihrer Aromenvielfalt auf Augenhöhe begegnen.

Zugleich kommt in seinen Worten eine Leidenschaft zum Ausdruck, die ihn mit Ende 40 dazu brachte, ein erfolgreiches Berufsleben als Führungskraft in der Automobilbranche aufzugeben, um sich den Traum von der eigenen Rösterei in Kiel zu erfüllen. „Was mich dabei immer mehr fasziniert hat, ist der große Reichtum, der in diesem vermeintlich kleinen Thema steckt“, sagt er.

Ein Kaffee mit Charakter aus einer Maschine mit Charakter

Das Herz von „Impuls“ bildet ein Kaffeeröster der amerikanischen Kult-Firma Diedrich. Die stählern glänzende Maschine verfügt für Burkhardt über ebensoviel Charakter wie der Kaffee, der in ihr entsteht: „Die Amis bauen einen Röster so, wie sie auch eine Harley bauen würden. Das Ergebnis ist sehr eigensinnig und deshalb unverwechselbar.“ Statt der verbreiteten Guss- verfügt seine Diedrich über eine Edelstahltrommel, die unmittelbar auf die Hitzezufuhr reagiert: „Auf diese Weise kann ich die Röstkurven sehr genau anpassen, denn auch Raum- und Außentemperatur oder der Luftdruck spielen ja für das jeweilige Ergebnis eine wichtige Rolle.“

Dementsprechend fällt auch das Resultat aus. Typische Prädikate wie „stark“ oder „bitter“ kommen einem nicht in den Sinn, wenn man bei „Impuls“ einen „schwarzen“ Kaffee bestellt. In fast zeremoniell aufwändiger Art wird er hier im japanischen Handfilter zubereitet. „Im Prinzip ist diese Methode ebenso einfach wie genial. Und deshalb kann jeder für wenig Geld einen so komplexen Kaffee zubereiten“, begeistert sich Burkhardt. Nur für die beliebten Espressospezialitäten, die er natürlich auch anbietet, brauche es schweres und teures Gerät. Neben den Kaffeebohnen selbst zählen in seiner Manufaktur daher auch Handfilter, Papier und Mühlen zu den Verkaufsschlagern.

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