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Kiel In Karlsruhe warten schon die Akten
Kiel In Karlsruhe warten schon die Akten
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08:20 01.06.2014
Von Jana Ohlhoff
Das Bundesverfassungsgericht bekommt eine neue Richterin: Die gebürtige Kielerin Doris König wird am Montag von Bundespräsident Joachim Gauck vereidigt. Quelle: Ronald Frommann
Kiel/Hamburg

Als Doris König 2012 als erste Frau Präsidentin der Bucerius Law School in Hamburg wurde, dachte sie, dies sei bereits der Höhepunkt ihrer Karriere. Doch die gebürtige Kielerin hat sich getäuscht: Vor einigen Tagen wurde sie vom Wahlausschuss des Bundestages zur neuen Richterin am Bundesverfassungsgericht gewählt – am Montag findet in Berlin die Vereidigung statt. „Ich gehe voller Erwartung und mit viel Zuversicht in das neue Amt, auch wenn mir die vergangenen eineinhalb Jahre als Präsidentin der Bucerius Law School sehr viel Freude bereitet haben“, erklärt die 56-Jährige. „Bundesverfassungsrichterin zu sein, ist für die meisten Staatsrechtler einfach eine Traumvorstellung. Das wird auf jeden Fall eine große Herausforderung.“

 König hat bereits eine beachtliche Karriere hinter sich: Die ehemalige Ricarda-Huch-Schülerin studierte zunächst Jura an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. „1980 habe ich dort mein erstes Staatsexamen gemacht. Danach ging es für mich erst einmal ins Ausland, an die Universität von Miami“, erzählt die gebürtige Kielerin. Wieder zurück in der Landeshauptstadt, nahm die frischgebackene Juristin eine Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für öffentliches Recht an. „Nach meiner Promotion zog es mich nach Hamburg, wo ich von 1989 bis 1992 als Richterin am Hamburger Landgericht tätig war“, berichtet Doris König. Als im Jahr 2000 die Bucerius Law School gegründet wurde, übernahm sie schließlich den Lehrstuhl für öffentliches Recht, allgemeine Staatslehre, Völker- und Europarecht, bevor sie 2012 schließlich an die Spitze der Hochschule aufstieg.

 Ihre Wahl zur Bundesverfassungsrichterin verdankt König einer Paketlösung, auf die sich die Große Koalition geeinigt hatte: Die SPD-Fraktion hatte König vorgeschlagen, die CDU ihre Zustimmung signalisiert. Für das Amt soll ausdrücklich eine Frau gesucht worden sein. „Laut dem Grundgesetz werden die Mitglieder des Bundesverfassungsgerichts für zwölf Jahre je zur Hälfte vom Bundestag und vom Bundesrat gewählt. In der Regel handeln die großen Parteien ihre Kandidaten allerdings im Vorhinein aus“, schildert König. So war ihre Ernennung schlussendlich keine große Überraschung. Dennoch: „Als ich den Anruf von SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann erhielt, war ich schon sehr erleichtert.“

 In ihrem Leben wird sich Einiges ändern: „Am Montag werde ich zunächst in Berlin von Bundespräsident Joachim Gauck vereidigt. Dann geht es direkt weiter nach Karlsruhe, wo bereits die ersten Aktenberge auf mich warten“, erläutert König. Ihr Mann bleibt vorerst in Hamburg: „Wir werden eine typische Wochenendbeziehung führen“, sagt die künftige Verfassungsrichterin mit einem Schmunzeln.

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