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Tresor blieb verschwunden - Freispruch

Indizien unzureichend Tresor blieb verschwunden - Freispruch

Kaum war der Tresor mit 50 000 Euro bei seiner Chefin verschwunden, posierten der Angeklagte (30) und seine Verlobte auf Facebook in teuren Hotels. Vieles sprach vor Gericht dafür, dass der Dieb das Geld der 66-Jährigen verprasste. Für eine Verurteilung reichten die Indizien nicht aus: Freispruch.

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Kleine Tresore wie diese werden von Einbrechern oft komplett mitgenommen und später gewaltsam geöffnet.

Quelle: Joachim Krüger

Kiel. Drei Monate bevor der 25-Kilo-Tresor aus der Wohnung in Kiel-Ellerbek verschwand, hatte die bestohlene Mitarbeiterin einer Kieler Spielhalle den jungen Mann kennengelernt – als Sohn eines „Verehrers“. Um dem Hartz-IV-Empfänger einen Gefallen zu tun, verschaffte sie ihm einen Job in der Spielhalle, für die sie die Büroarbeiten erledigte. „Es entwickelte sich ein freundschaftliches Verhältnis“, so die Zeugin.

Tatsächlich hielt eine Überwachungskamera der Spielhalle am 18. Juli 2016 fest, wie der Angeklagte sich um 21.47 Uhr an ihrer Büroschublade zu schaffen macht. „Man kann darauf genau erkennen, wie T. meinen Schlüssel rausnimmt und in die Hosentasche steckt“, sagt die Zeugin. Doch so eindeutig lasse sich das nicht sehen, schränkt die Staatsanwältin ein. Am Ende der Beweisaufnahme im Kieler Amtsgericht rückt sie selbst von der Anklage ab und fordert Freispruch.

Wie sich im Prozess herausstellt, hatten noch drei weitere Mitarbeiter Zugriff auf die nicht abschließbare Schublade. Und auch die Söhne der Geschädigten wussten, wo sie am Arbeitsplatz den Ersatzschlüssel deponierte, der auch noch mit ihrer Adresse beschriftet war. „Sträflicher Leichtsinn“, schimpften die Polizeibeamten, als sie die Anzeige aufnahmen.

Einem ihrer Söhne will die 66-Jährige mal 30 000 Euro für ein Wohnmobil geliehen haben. Und als die schwangere Freundin des Angeklagten vorbeikam, um sich 1000 Euro zu borgen, ging sie kurz ins Schlafzimmer und holte die Summe. „Dabei hat sie mich wohl beobachtet“, vermutet die Helferin. Der Verdacht eines Komplotts lag da nahe. Zumal die Akten dafür sprechen, dass der Angeklagte schon als Mietnomade, Urkundenfälscher, Einbrecher und wegen Unfallflucht in Erscheinung trat. Zur Tatzeit stand er unter Bewährung.

Weil der 30-Jährige und seine Freundin kurz vor dem Prozess Verlobung feierten, darf die junge Frau jetzt auf ihr Aussageverweigerungsrecht pochen. Er selbst schweigt. „Es bleibt ein Beigeschmack“, sagt die Vorsitzende und zeigt Mitgefühl für das Opfer: „Für sie ist das ein Drama.“

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