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Kiel Naturschutz kontra Wohnungsnot
Kiel Naturschutz kontra Wohnungsnot
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08:00 05.09.2018
Von Karen Schwenke
7000 Quadratmeter ist das Grundstück (rot) groß, auf dem Axel Ricker bauen möchte. Für die Stadt dient es aber dem Schutz und der Entwicklung der Natur. Quelle: fpr: Frank Peter
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Kiel

Ein Investor möchte bauen, die Stadt will aber den Bebauungsplan, der dort eine private Grünfläche vorsieht, nicht ändern. Dieser Interessenkonflikt wäre alltäglich und nicht der Rede wert. Doch der Investor plant auf der Fläche ausschließlich den Bau von Studenten- oder Sozialwohnungen. Und diese werden in Kiel dringend gebraucht. Gerade in Uninähe.

„Nach meinen Plänen wären es rund 160 Studentenwohnungen“, sagt Ricker. Studentenwohnheime in dieser Größenordnung werden gewöhnlich nicht von privaten Investoren finanziert. Da sie nicht rentabel sind, entstehen Wohnheime nur in Trägerschaft von gemeinnützigen Vereinen, Stiftungen oder dem Studentenwerk mit Unterstützung durch öffentliche Mittel. Axel Ricker zückt jedoch seinen Taschenrechner und kalkuliert: „Die Investition lohnt sich für mich, weil ich das Grundstück seit 20 Jahren besitze und die Anschaffungskosten in meine Kalkulation nicht einbeziehen muss.“

Investor geht an die Öffentlichkeit

Nachdem sich Ricker mit seinem Anliegen schriftlich und ohne Erfolg an die Stadtbaurätin, den Oberbürgermeister und den Ministerpräsidenten gewandt hat, geht er nun an die Öffentlichkeit. Angesichts der Wohnungsnot könne er partout nicht nachvollziehen, warum die Verwaltung den B-Plan nicht ändern will: „Die Stadt sucht schließlich nach Flächen, und gerade günstiger Wohnraum ist in Kiel doch so knapp.“

Auf Anfrage teilte das Bauamt mit, dass die Fläche am Kopperpahler Teich Teil eines längeren Grünzugs entlang der Gemeindegrenze zu Kronshagen sei. Die vorhandenen Gehölze würden das Gewerbegebiet Kronshagen abschirmen, und die Fläche diene dem Schutz, der Pflege und der Entwicklung von Natur und Landschaft. Sie sei Teil des freiräumlichen Leitbildes von Kiel, das man als das „Grüne Grundgerüst“ der Stadt verstehen könne. Für das Stadtklima und aus Sicht des Naturschutzes sei sie besonders wertvoll.

"Was mir fehlt, ist die Lobby"

Ricker entgegnet, dass die schützenswerte Bäume nach seinen Plänen erhalten blieben und auch sonst der Naturschutz eingehalten werde. Hauptberuflich arbeitet der 59-Jährige als angestellter Projektleiter für eine Baufirma. Er kenne die Deals in der Branche und ist überzeugt: „Die großen Wohnungsbaugesellschaften würden unkompliziert Baugenehmigungen für das Grundstück bekommen. Was mir fehlt, ist die Lobby.“

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