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Kiel "Technisch werde ich immer besser"
Kiel "Technisch werde ich immer besser"
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19:17 20.06.2017
Von Isabelle Breitbach
Samy Deluxe live auf der Bühne an der Hörn. Der 39-Jährige stellte eindrucksvoll unter Beweis, dass er es auch nach mehr als 20 Jahren im Geschäft noch drauf hat. Quelle: Manuel Weber
Kiel

Samy, hast du von Anfang an geplant, dass dein aktuelles Album "Berühmte letzte Worte" wieder recht politisch werden soll, oder ist Gesellschaftskritik dir einfach ein Bedürfnis?

Es ist mir auf jeden Fall ein Bedürfnis, aber mir geht's nie um die Message an sich, sondern um die Zeilen und darum, wie sie formuliert sind: die Doppeldeutigkeiten und die Wortwitze. Wenn es mir nur um Messages gehen würde, dann könnte ich einfach Plakate drucken, mich auf die Straße stellen und demonstrieren. Aber ich will ja die Leute auch unterhalten und zum Nachdenken bringen. In so einem Album-Prozess entstehen auch Songs, die vielleicht weniger ernst sind. Ich mag auch tierisch gerne Blödsinn reden, einfach nur Reime, Wortwitze, irgendwelche Sachen, die ich eben als witzig empfinde. Als ich das Album zusammengestellt habe und wieder viele Songs zur Auswahl hatte, habe ich aber gemerkt: Was mich reizt, ist auch deren Aussage. Es fühlt sich an wie eine Zeit, in der Leute Denkanstöße bekommen sollten.

Was hältst du für wichtiger: den richtigen Beat oder starke Texte?

Das möchte ich nicht pauschalisieren. Manche Musik ist total interessant, auch wenn die Lyrics richtig schlimm sind, einfach nur weil die Beats fett sind und die Musik irgendwie wirkt, wie bei vielem von dem ganzen Down-South-Rap aus den Staaten: Kein Ahnung, was die alle erzählen, aber manchmal klingt’s geil. An sich bin ich immer sehr für Text. Jeder Artist, den ich liebe, ist mir ans Herz gewachsen wegen seinen Texten. Da sind diese Momente, wo du so viel von der anderen Person lernst – das kann eben Rap. Jede Art von Musik und Text kann dir das geben, aber bei Rappern, die so viele Worte haben und ins Detail gehen können, da ist natürlich die Identifikation größer.

„Wie viele Jahre kann ich als Rapper noch relevant sein?“, fragst du in "Haus am Mehr". Was meinst du? Gibt es eine Altersgrenze für Rapper, weil die Street-Credibility irgendwann einfach flöten geht?

Nee, bisher ist die nicht definiert. Aber ab und zu fragt man sich das. Ich hatte in meiner Karriere von 1995 bis heute noch nie so eine richtige Pause, in der ich mal dachte: Ich weiß nicht, was das nächste Projekt ist oder worüber ich schreiben soll. Es ist immer so weiter geflossen. Deshalb ist es nach über 20 Jahren schon berechtigt, zu hinterfragen, wie lange es überhaupt noch geht. Aber das müssen die Leute draußen entscheiden. Ich weiß, dass ich von meinem Startpunkt technisch immer nur besser geworden bin. Nur emotional verbinden die Leute mit den alten Sachen etwas, was ich ihnen wahrscheinlich auch nie wieder geben kann. Wenn die das erste Mal mit 16 „Grüne Brille“ gehört und hinter der Turnhalle gekifft haben, dann kann ich wahrscheinlich in deren Erwachsenenleben, wenn die in der Versicherung von 9 bis 18 Uhr arbeiten, mit meinen Alben nicht nochmal sowas bewirken. Aber ich versuche einfach nur an mir zu arbeiten und zu wissen, dass ich immer noch eine Berechtigung hab, das zu machen.

Du bist als Schnellfeuer-Rapper berühmt: Mal nachgezählt, wie viele Wörter du in Bestform pro Minute hinkriegst?

Es gab irgendwann mal so ein Ding bei RTL – damals habe ich noch Sachen mit RTL gemacht. Da war der deutsche Schnellsprechmeister, der war, glaube ich, aus Schleswig-Holstein, und ich. Jeder hat einen eigenen Text und einen Text vom anderen gerappt oder schnell gesprochen. Er hat auf jeden Fall gewonnen, aber ganz knapp. Der war so 'ne halbe Sekunde schneller als ich. Bei ihm konnte man aber echt gar nichts verstehen. Mein Anspruch ist natürlich schon, dass zumindest ein rap-geschultes Ohr die Worte verstehen kann. Bei ihm musste man die Aufnahme langsamer abspielen, in Realtime hörte sich das an wie Rumgemurmel.

Also hast du im Endeffekt doch gewonnen.

Ja, ich hab eh gewonnen (lacht).

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