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Kiel Von Kiel aus das Weltall fest im Blick
Kiel Von Kiel aus das Weltall fest im Blick
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09:48 23.10.2018
Von Kristian Blasel
Kieler Weltraumexperten unter sich: Dr. Sönke Burmeister (links) von der CAU und Jungunternehmer Patrick O´Keeffe sehen gute Perspektiven für einen "Space-Cluster Norddeutschland". Quelle: Frank Peter
Kiel

Patrick O’Keeffe denkt gerne ein bisschen größer. Das hat er schon als Kind gemacht, als er im Alter von sieben Jahren beschloss, Pilot zu werden. „Ich weiß noch genau, wie ich bei meinem Onkel auf dem Schoß saß, Star Trek guckte und von diesem Traum erzählte.“ Nach dem Abitur hat der schmächtige und zugleich äußerst dynamische Mann, der auf anspruchsvollem Niveau Tanzsport und Akrobatik betreibt, alles getan, um diesen Traum zu verwirklichen. Der gebürtige Oldenburger, der den Nachnamen seiner irischen Mutter verdankt, verpflichtete sich bei der Bundeswehr, studierte Luft- und Raumfahrttechnik und ließ sich sowohl als Verkehrsflieger bei der Lufthansa als auch als Militärpilot ausbilden.

Der Weltraum, das ist für den Wahl-Schleswig-Holsteiner das zweite Zuhause

Zwölf Jahre nach seinem Abitur bastelt O’Keeffe in Fleet 7 an seinem nächsten Traum. Woran er denkt, das ist nichts Geringeres als ein „Space Cluster Norddeutschland“. Was für Laien, vorsichtig formuliert, äußerst ambitioniert klingt, ist für O’Keeffe, der mit seiner Familie im Kieler Umland wohnt und gerade zum vierten Mal Vater geworden ist, etwas, über das er so selbstverständlich spricht wie Handwerker über Häuserbau. Der Weltraum, das ist für den Wahl-Schleswig-Holsteiner das zweite Zuhause.

Nach der Pilotenausbildung folgte ein Studium der Rechtswissenschaft

Die Kombination aus Luftfahrtstudium und Fliegerei – sie reichte dem Bundeswehrsoldaten O’Keeffe nicht aus. „Ich brauchte mehr Futter“, erzählt er über seine Zeit in der Luftwaffenausbildungsstaffel in Arizona. Also setzte er noch ein Studium der Rechtswissenschaft drauf, erwarb sich Zusatzqualifikationen im Bereich Unternehmensführung und leitete internationale Arbeitsgruppen zu Sicherheitsthemen.

Ein Spezialgebiet von Patrick O`Keeffe: die Sicherheitslage im südchinesischen Meer.

In Kiel war er bis zu seinem Ausscheiden aus der Truppe im vergangenen August im NATO Think-Tank in der Wik beschäftigt. Zugleich arbeitete er bereits als Berater für das Institut für Sicherheitspolitik an der Universität Kiel (ISPK). Eines seiner Spezialgebiete: die Sicherheitslage im südchinesischen Meer.

"Was die Bayern beim Thema Raumfahrt können, das schaffen wir im Norden erst recht“

Dafür wird O’Keeffe schon einmal zu Konferenzen nach Tokio eingeladen, tauscht sich mit dem Team des NATO-Generalsekretärs aus oder diskutiert aktuelle Raumfahrtthemen mit Jan Wörner, dem Chef der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA. „Meine internationale Vernetzung wird der Firma helfen, schnell im Weltraumgeschäft Fuß zu fassen“, ist O’Keeffe überzeugt. Im Zeitalter der Digitalisierung sei der Standort für eine Beratungsfirma zweitrangig. „Und was die Bayern beim Thema Raumfahrt können, das schaffen wir im Norden erst recht.“ AMC Solutions, so der Plan, soll Unternehmen, Regierungen sowie nationale und internationale Organisationen bei Strategien und Konzepten helfen, die sich mit Raumfahrt, Marine und Cyber-Gefahren befassen.

Das Unternehmen hat einen kurzen Draht zu den Experten der Kieler Universität

Im engen Austausch steht das junge Unternehmen bereits mit den Weltraumspezialisten der Kieler Universität. Die CAU hat sich in den vergangenen Jahrzehnten einen hervorragenden Ruf in der Teilchen-Messung und beim Strahlenschutz erarbeitet. Das Know-how aus Kiel war beispielsweise bei der berühmten Mars-Mission mit dem Nasa-Rover „Curiosity“ gefragt. Zurzeit sind die Physiker von der Förde unter anderem damit beschäftigt, den „Solar Orbiter“ der ESA mit vorzubereiten, der Ende des nächsten Jahres Richtung Sonne aufbrechen soll. CAU-Weltraumexperte Dr. Sönke Burmeister lobt den Plan von O’Keeffe. „Wir haben hier an der Uni hervorragend ausgebildete Leute. Aber oft wird das Potenzial wirtschaftlich nicht gut genutzt.“

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